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Das Ding ausm Sumpf kommt in dein Wohnzimmer!

Hannah Langnau

guter Wein, gutes Essen, gute Freunde, ein bisschen was zum philosophieren - mehr brauch ich nicht
Hannah Langnau

Der Münchner Rapper Das Ding ausm Sumpf (Das DAS) hat, ähnlich wie viele andere Künstler, mit der aktuellen Situation zu kämpfen: Keine Konzerte, Keine Liveauftritte. Das DAS nutzt die Situation und macht das Beste draus: Neben mehreren Livestreams (der ganz besonderen Art) ist sogar ein neuer Song entstanden. Wir haben dem Rapper ein paar Fragen gestellt und wirklich tolle Antworten bekommen.

Wie trifft dich die Corona Krise, was ändert sich für dich?

Für mich persönlich bedeutete Corona die Absage von 53 Konzerten und allen damit verbundenen Konsequenzen. Am 6.3. kam mein neues Album „kränk“ raus, das wollten wir eigentlich auf dieser Tour promoten. Jetzt hat sich mein Fokus ins Netz verlagert und ich such nach neuen Wegen meine Fans zu unterhalten und neue Fans zu treffen. Das ist für mich neu. Ich war immer vor allem live unterwegs und hab eher einen Bogen um Social Media gemacht. Jetzt musste ich das doch quasi tun und lerne gerade, wie cool es ist, neue Wege zu gehen (auch wenn man muss).

Welche Möglichkeiten hast du derzeit nicht mehr und welche neuen Möglichkeiten ergeben sich gerade für dich?

Clubkonzerte und Festivalgigs gibts derzeit leider keine mehr in analoger Form, aber tollerweise probieren viele Veranstalter neue Formate im Netz aus und da durften wir jetzt auch schon bei einigen Stream-Formaten mitmachen, wie z.B. Klub Forward (dem Stream der Hamburger Klubszene), Kulturretter und vielen anderen. Und wir selbst haben uns gedacht „ok, wenn wir schon nirgends spielen können, dann spielen wir einfach überall“, und haben eine Konzertreihe mit dem Namen „Konzerte im Überall“ ins Leben gerufen. Das erste Konzert fand in einem Auto statt, dann haben wir in einem Fahrstuhl gespielt und als nächstes spielen wir für das Neon Magazin ein Wohnzimmerkonzert, aufgenommen in den Isarsümpfen bei Solln.

Was würde es für dich und dein Künstlerdasein bedeuten wenn Konzerthäuser und Clubs noch lange geschlossen bleiben und wenn Konzerte generell noch bedeutend länger nicht stattfinden dürfen?

Kurzum: es gefährdet die Existenz vom Ding ausm Sumpf zutiefst. Ich bin Familienvater und hab in den letzten beiden Jahren mein Geld mit Musik verdient. Kein Live heißt kein Geld. Auf der anderen Seite kennen vor allem wir mittelständischen Musiker den täglichen Struggle mit der Kohle. Nur fehlen gerade halt zusätzlich die Perspektiven.

Was nimmst du persönlich aus dieser Zeit mit, was wünscht du dir für die Zeit nach Corona?

Ich wünsche mir, dass unsere Politik nach Corona andere Probleme wie z.B. den Klimawandel mit der gleichen Energie verfolgt. Und angesichts des momentanen Blühens von Verschwörungstheorien wünsche ich mir, dass wir Bürger*innen skeptisch bleiben und die Komplexität der Welt anerkennen, statt billigen Anstreichern hinterherzulaufen. Natürlich müssen wir Medien, Politik und Wissenschaft gegenüber skeptisch sein, aber sie zu verteufeln ist Hohn gegenüber all denen, die für unsere Demokratie gekämpft haben.​

Auf sämtlichen sozialen Netzwerken gibt es aktuell eine Challenge bei der Musiker*innen Alben und Künstler teilen von deren Musik sie inspiriert wurden. Wer hat dich inspiriert und wo holst du dir Inspiration für neue Texte und Songs?

Ui, da gab es und gibt es eine Menge. Mein Mount Rushmore ist dabei Tupac, Nick Cave, Tocotronic, Kendrick Lamar, Eminem, Dynamite Deluxe, Bach und Schubert. Gerade feier ich sehr Shabazz Palaces, Fatoni, ein paar Songs von UFO (die Zahl fällt mir jetzt nicht ein :D), Jack Harlow und Thundercat. Inspirieren tut mich irgendwie alles immer, nur zum schreiben komme ich gerade kaum, Stichwort: Überlebenskampf.

War es immer dein Traum Musik zu machen?

Ja.

Gibt es ein Ritual welches du vor jedem Auftritt durchführst?

Oh ja, eine Menge. Mein ganzes Ritual ist fast ne Stunde lang. Meditieren, Stimme aufwärmen, Dehnen und Muskeln lockern und nochmal alles durchgehen. Amadeus, mein Gitarrist und Begleiter auf der Bühne, macht sich schon immer lustig über mich, wenn ich wieder meinen Vibrator im Gesicht hab und meine Kiefermuskulatur locker und dabei komische Gesangsübungen mache.

Wie fühlt es sich für dich als Musiker an virtuelle Konzerte zu geben? Ganz ohne reale Crowd, ganz ohne aktives Feedback?

Sehr, sehr strange. Bin auch nicht so überzeugt von dem Format „normales Konzert aber halt im Netz“. Da mag ich unsere „Konzerte im Überall“ viel lieber. Die sind auch für mich selbst spannend, ob im Fahrstuhl, wo man keinen Platz hat, oder im Sumpf, wenn die Füße frieren und man sich im Song in Rage schreit, während sich ein Erpel ein paar Meter weiter für die Balz bereit macht. Cool an diesen „normales Konzert, aber halt im Netz“ finde ich, wenn die Leute zurückschreiben können und man dann im Netz gemeinsam live einen Song miteinander entwickeln kann.

Das Ding aus dem Sumpf – wer oder was ist das? Woher kommt dieser coole Name?

Ich. Woher kommt der Name? Er hat viele Ursprünge und es gibt ne Menge Gründe, warum ich so heiß, aber sagen wir es einmal so: gegeben haben ihn mir meine besten Freunde. Aber mal anders gefragt: sind wir nicht alle aus einem Sumpf?

Bei einem Live Mitschnitt von einem Konzert kam die Polizei: erzähl mal wie war das?

Irre. Wir waren gerade fertig geworden, da schlägt es plötzlich gegen die Tür. Ich geh runter und mach auf und ehe wir uns versehen sind wir im Club von 20 Polizisten*innen umstellt, die bewaffnet ausschwärmen und nach Partygästen suchen. Da ging mir natürlich schon der Puls auf Anschlag. Zum Glück hatte sich ziemlich schnell rausgestellt, dass alles in Ordnung ist und die ​Damen und Herren der Polizei sind wieder von dannen (etwas bedröppelt wirkten sie aber schon, ehrlich gesagt). Ich war ziemlich froh, dass das dann doch so glimpflich verlief.

Den Mitschnitt vom Auftritt kannst du hier sehen!

Wir sagen Danke für das tolle Interview und wünschen weiterhin alles Gute in dieser komischen Zeit!

Du willst mehr?

Kein Problem! Das Ding ausm Sumpf gibt’s am Freitag, den 15. Mai ab 17 Uhr live! Das Konzert soll kein normales werden: gemeinsam mit weiteren Musikern möchte Das DAS als Marching Band durch unsere liebste Stadt marodieren. Den Stream findest du hier!


Beitragsbild: © Lennart Beushausen

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