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Der Weiße Riese

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mac miller

Mac Miller ist ein Großer. Zwar misst er nur knapp 1,70 Meter, aber auf der Bühne wird er zum Weißen Riesen. Am Donnerstagabend war Miller zu Gast in der Münchner Tonhalle, für das vorletztes Konzert seiner „Macadelic“-Tour in Deutschland.

Mac Miller ist Rapper aus Leidenschaft. Nicht weil er von der Straße stammt. Nicht weil Hip Hop sein letzter Ausweg war. Als Teenager verliebte er sich in diese Musik und in ihre Helden. A Tribe Called Quest. Beastie Boys. Outkast. Auch heute, auch auf der Bühne wirkt er wie ein junger, weißer Vorstadt-Hipster, der die Lieder seiner Idole nachrappt.

Doch Miller ist mittlerweile selbst einer dieser Rapper. Mehrere Mixtapes („Best Day Ever“, „Macadelic“, „I Love Life, Thank You“ und weitere) hat er veröffentlicht, die immer noch zum kostenlosen Download im Internet zu finden sind. Letztes Jahr kam dann auch sein langersehntes Debütalbum „Blue Slide Park“.
Ein Best Of aus all seinen Veröffentlichungen bot er der nicht ganz ausverkauften Münchner Tonhalle, in der Edgar Wasser als Pre-Act auch schon ordentlich eingeheizt hatte. Auf der Bühne wird aus diesem kleinen, kiffenden Multitalent eine richtige Rampensau. Umrahmt von seinen zwei Bühnenspezln, einem DJ, einem Kameramann und riesigen Bassboxen, die wie in der Tonhalle eigentlich üblich keinen optimalen Sound lieferten, hüpft, bounct, rappt und singt Miller wie ein Großer.

Seine Texte sind viel- bis nichtssagend, mal brechen die Beats dreckig-südstaatlerisch über einen herein, dass die ganze Halle wie verrückt das Cripwalken anfängt, mal sind sie eher smooth, fast schon poppig mit simpelverspielten Piano-, Synthie- oder Gitarrenbeats. Manchmal verzichtet er komplett auf Hintergrundgeräusche und freestylt ins Blaue.

Die Halle feiert alles, was der gerade mal 20-Jährige abliefert. Sie sind wegen ihm hier, jeder einzelne, das merkt man. Seine Texte kann fast jeder mitmurmeln. Mac ist längst kein Unbekannter mehr. Aber er ist eben auch zu gut und zu schade um kommerziell im Pop-Geschäft eine Rolle zu spielen.
Sie lieben ihn, auch wenn phasenweise die komplette Halle mittelfingerzeigend „Fuck You“ nach vorne grölt. Subtil hat er da vorne dazu aufgefordert („Say Fuuuuuuuck Youuuu!“).

Nach einer Stunde, das ist das einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist die Show vorbei. Man kann Zeit eben so schwer einschätzen, wenn man bis unter die Lider bekifft ist. Viele seiner Lieder spielte er schneller, manche beendete er nach der ersten Strophe. Dem Publikum war es aber relativ egal. Es war nass. Dann gingen die Lichter an, die Beastie Boys kreischten kreischten die Menschen raus in den Regen. Und auf der Bühne verschwand der kleine weiße Mac Miller nach einer großen Show im Nebel.

Mac Miller – Best Day Ever:

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