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Für unser Ego: VolleBandBreite wehrt sich gegen die geplante egoFM-Übernahme durch Antenne Bayern

Erst musste Studentenradio M94.5 weichen, jetzt egoFM: Einem weiteren kleinen, unabhängigen Radiosender droht eine Übernahme durch den Mainstream-Riesen Antenne Bayern. Statt neuer Musik und spannenden Sendungen also bald Charts in Dauerschleife und „Wir lieben Bayern“-Songs, direkt aus der lokalpatriotischen Fremschäm-Hölle?

egoFM soll bei Antenne Bayern eingegliedert werden

Der bisherige Hauptgesellschafter des Senders egoFM, Studio Gong, möchte seinen Mehrheitsanteil von 50,75 Prozent an eine der großen Sendergruppen verkaufen. Diesem Verkauf muss die Bayrische Landeszentrale für neue Medien (BML) jedoch erst noch zustimmen. Das Treffen des Hörfunkausschlusses der BML, das ursprünglich für diese Woche angesetzt war, wurde nun aber aufgeschoben. Das schafft Zeit, die die Initiative VolleBandBreite, gegründet durch den Münchner Filmproduzenten Sven Burgemeister (Tatort, München Mord, Sophie Scholl), nutzen möchte, den egoFM-HörerInnen öffentlich Gehör zu verschaffen.

Denn die 150.000 Menschen aus ganz Bayern, die jeden Tag einschalten, entscheiden sich nicht ohne Grund für den unabhängigen Münchner Sender, der sich auch „Das Radio für Musikentdecker“ nennt. Neue Musik jenseits des Mainstreams, unabhängige redaktionelle Arbeit und eine zeitgemäße Moderation abseits von volkstümelnder, quotenheischender Folklore überzeugen die junge, urbane Zielgruppe.

Und auf ebendie hat es Antenne Bayern nun abgesehen. Um die frisch gewonnene Hörerschaft nicht zu vergraulen, möchte Antenne Bayern laut eigener Aussage die Musik- und Content-Schwerpunkte bestehen lassen und nichts am bewährten egoFM-Format ändern. Das könnten sie auch gar nicht: Das Programm sei durch eine BML-Lizenz klar vorgegeben. Außerdem bedarf es für eine Programmänderung Gesellschafterbeschlüsse aller Gesellschafter – und Antenne Bayern wäre nur einer. Mit immerhin 50,75 Prozent der Anteile.

VolleBandBreite für die volle Bandbreite und #FuerDeinEgo

VolleBandBreite möchte sich nun für eine Medienlandschaft einsetzen, in der auch kleinere, konzernunabhängige Radiosender ihre Nische finden und schützen können. Die neu gegründete Initiative richtet sich dabei ausdrücklich nicht gegen die großen Sendergruppen, sondern möchten lediglich verhindern, dass es nur noch diese großen Sendergruppen gibt.

 

Die Initiative richtet sich an die Öffentlichkeit, möchte für Vielfalt in der Radiokultur werben und am Beispiel von egoFM darauf aufmerksam machen, dass es Fälle gibt, denen eine Eingliederung in ein größeres, übergeordnetes System droht. „Ich bin selbst Hörer und ich versuche, Hörer und Künstler und andere Leute damit zu beschäftigen und mit der Frage konfrontieren, ob sie das denn wollen,“ verrät Initiativen-Gründer Sven Burgmeister. „Wir sind alle Fans von egoFM. Wir finden, das ist eine tolle Radiostation, ein tolles Programm und wir glauben, dass hinter dem Programm auch eine Haltung steht. Und diese Haltung setzt sich zusammen aus denen, die das machen und denen, die die Inhaber des Senders sind. Deswegen melden wir uns. Uns ist das ein großes Anliegen.“ 

MUCBOOK: Warum ist Sendervielfalt so wichtig, Sven Burgemeister?

Sven Burgemeister: „Sendervielfalt ist wichtig, weil es ein Kulturanliegen ist. Es geht um unsere Kultur. Und wenn wir uns als Kulturnation und Bildungsnation definieren – wovon ich ausgehe und was ich sehr hoffe, denn sonst müsste ich auswandern! – dann gehört natürlich auch die Radiolandschaft in den Kulturbetrieb und der Kulturbetrieb muss möglichst vielfältig und groß sein. Es sind oft die kleinen, unabhängigen Kräfte, die die Innovation betreiben und die die Kreativität mitdefnieren; wie fortschrittlich, wie modern und wie innovativ ein Land wirkt. Wenn ein eigenständiger Sender wegfällt, dann wird die Vielfalt immer kleiner und kleiner und kleiner und das wollen wir Hörer nicht. Das tut uns nicht gut.

[M94.5] ist auch so ein Beispiel. Man kann darüber streiten, ob es besser oder schlechter geworden ist. Ich kenne Leute, die sagen, sie vermissen M94.5 und das hat überhaupt nichts mehr mit Rock Antenne zutun. Die Rock Antenne ist jetzt ein Derivat von Antenne Bayern. Und Antenne Bayern gibt es einfach schon. Das ist ja auch okay! Aber M94.5 gibt es im ursprünglichen Sinne aber eben nicht mehr und das ist ein Verlust.“

Mucbook: Was würde es für die Radiolandschaft bedeuten, wenn egoFM bei Antenne Bayern eingegliedert wird? 

Sven Burgemeister: „Uns geht es gar nicht so wahnsinnig darum, was Antenne Bayern macht. Uns geht es nur darum, für eine größere Vielfalt einzustehen. Wenn man etwas Eigenständiges vom Markt wegnimmt und irgendwo eingliedert, dann vergrößert das die Vielfalt nicht, sondern verkleinert sie ganz automatisch. Ganz egal, ob jemand sagt, er würde das genau so weiter betreiben – es entsteht sofort eine Frage der Glaubwürdigkeit: Ist das denn wirklich so? Können die das wirklich so machen? Und der ein oder andere hat eine Stufe 2 im Kopf: Programm oder Musik, was, was er an diesen Sendern irgendwann ändern möchte, wenn irgendwas nicht funktioniert. Wir glauben, dass wir bei egoFM jemanden brauchen, der weiter in diesen Weg investiert. Und nicht nur wartet, bis es irgendwann erfolgreich ist, sondern auch etwas dafür tut und zwar natürlich auch finanziell. Der mit den Mitarbeitern Jobs erhält, Geld ausgibt und sagt: Das ist ein Erfolgsmodell, wir glauben daran!

Die Moderation und die Programmgestaltung sind original und originär und das wollen wir das nicht verlieren. Auch, weil wir immer mehr entdecken, dass es um eine Gruppe geht, die sonst kein Radio mehr hören würde. Es geht letztlich auch um das Medium selbst. Darum, dass sich die Gesellschaft auch in dem Medium wiederfindet, das Programm findet, das sie gerne hören möchte. Dafür setzen wir uns auch ein.“

Mucbook: Wie versucht VolleBandBreite die BLM bei ihrem Beschluss zu beeinflussen? 

Sven Burgemeister: „Wir sammeln „Follower“, sag ich mal. Wir sammeln Überzeugte, die auf unseren Social Media Kanälen dafür einstehen. Wir führen natürlich für die öffentliche Wahrnehmung Gespräche und versuchen, ein bisschen Lobby-Arbeit für unsere Sache zu machen, da und dort unsere Kontakte zu nutzen. Es gibt ja die ein oder andere Persönlichkeit aus dem öffentlichen Leben oder Künstler oder Künstleragenturen, für die das auch eine existenzielle Frage ist, weil sie eine Abspielstation, eine Fangemeinde, in Gefahr sehen, die dann eben nicht mehr erreichbar wäre.

Unser Versuch ist nun, der BLM dabei zu helfen, andere Argumente für ihre Entscheidung zu sammeln, als die, die sie ohnehin bekommen. Wir zeigen, dass es Zuhörer und Hörer des Senders gibt, die auch eine inhaltliche Auffassung haben und dass es eben nicht nur um Frequenzen und Mehrheiten gesellschaftsrechtlicher Natur gibt. Denn es gibt natürlich ganz nüchterne Kriterien, nach denen man das entscheiden kann, aber wir sind der Meinung, dass bei der Vergabe von Frequenzen und bei einer Entscheidung einer Regulierungsbehörde natürlich auch der Teilnehmer, also der Hörer, eine Stimme haben sollte.“ 

Mucbook: Wie kann man als egoFM-Hörer mithelfen? 

Sven Burgemeister: „Als Hörer kann man mithelfen, indem man sich der Initiative anschließt. Indem man sich einfach mal als Follower auf den Social Media Kanälen wendet, indem man seine Meinung dort kundtut. Denn wir kennen längst nicht alle Argumente, die für egoFM sprechen! Aber wir wissen: Je mehr Leute sich mit dem Thema beschäftigen, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine fundierte und gute Entscheidung gefällt werden kann. Diejenigen, die egoFM und Sender dieser Art, die kleinen unabhängigen Radiostationen, gut finden. Je mehr Leute sich dafür einsetzen, desto stärker auch die Beteiligung an der Sache, desto stärker auch die Chance die größtmögliche Vielfalt zu erhalten.

Prominente Unterstützer bei VolleBandBreite


Die Initiative kann bereits mehrere prominente Unterstützer zählen, darunter Künstler wie Bryce Dessner von The National, WhoMadeWho, 2raumwohnung, der Schauspieler und Musiker Götz Otto und der Schauspieler Marcus Mittermeier aus der egoFM-Stadt Regensburg.

Mittermeier ist Hauptdarsteller der ZDF-Krimiserie ‚München Mord‘. In der nächsten Folge „Die ganze Stadt ein Depp“, die kommenden Samstag Erstausstrahlung feiert, spielt auch der egoFM-Moderator Max Klement (Metropol) eine Rolle. Passend zum baldigen Wiesn-Beginn steht auch in der Serie ganz München Kopf: Neben zwei Mordfällen werden die Kommissare auch noch von dem Oktoberfest auf Trapp gehalten.

 


Beitragsbild: Ryan Stefan via Unsplash

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
2 Comments
  • Maxi Weyerer
    Posted at 12:11h, 20 September

    Und was macht Gong? Genau: Mainstreamgedudel und 10 mal in der Stunde „den Besten Dreck von heute“ also eigentlich ändert sich dann gar nichts, der Eigner bleibt ein Dudelfunkanbieter ohne viel Hirnschmalz.
    Warum aber in dem Artikel dann gleich wieder die versteckte „Völkische Linie ein Nazi zu sein“ ausgepackt wird, wenn von „Volkstümelei“ und „Lokalpatriotismus“ gesprochen wird, die es bei Antenne Bayern sicherlich nicht gibt (bitte nicht falsch verstehen, ich höre deren Schmarrn nicht freiwillig, aber hier wird so gentan als ob es sich um „Führersender Bavaria“ handelt……

  • Jan Krattiger
    Jan Krattiger
    Posted at 16:55h, 24 September

    Lieber Maxi,

    unserer Autorin so hinterrücks eine Nazikeule in die Hand zu drücken, nur weil sie „Wir-lieben-Bayern“-Songs und volkstümelige Musik nicht mag, ist dann doch etwas arg verkürzt und unfair. Jedem das seine, ob man diese Musik nun mag oder nicht. Aber mit so einer überspannten Reaktion diskreditierst du dich nur selber. Unsere Autor*innen haben eine persönliche Haltung und die sollen sie hier bei MUCBOOK auch offen darlegen dürfen. Das darf man natürlich auch kritisieren, aber nur wenn man dabei fair bleibt.

    Beste Grüße,
    Jan

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