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Endlich wieder Eisbach – die Surfer kehren zurück in die Stadt

An der bekannten Eisbachbrücke bei der Prinzregentenstraße treffen normalerweise staunende Touristenansammlungen auf patschnasse Surfprofis. Normalerweise: Man würde nun vielleicht nicht als erstes daran denken, aber auch die beliebte Eisbachwelle war von den Ausgangsbeschränkungen betroffen. Bis vor kurzem galt hier ein striktes Betätigungsverbot für kühne Wellenreiter. Und so fehlten sowohl die Touristen als auch die Sportler am südlichsten Fleck des englischen Gartens.

Einer, dem das ganz schön abging, ist Andreas Müllner. Der 30-Jährige, der hauptberuflich als Model und Projektmanager arbeitet, verbringt hier eigentlich einen Großteil seiner Freizeit. Als es dann Mitte Mai endlich wieder hieß „Bahn frei“ hat er sich nicht nur sein Surfboard geschnappt, sondern auch die befreundeten FotografInnen Carolin Unrath und Peter Scherb, die ihn auf dem Weg zur berüchtigten Stromschnelle begleiteten und das Wiedersehen in schwarzweißen Bildern einfingen. Wie man in Zeiten von Corona surft, wo man klein anfängt und warum diese Spots für die Stadt so wichtig sind, erfuhren wir im Gespräch von ihm:

„Natürlich fehlt das einem, das ist ja quasi Bestandteil meines täglichen Lebens“

Hi Andreas, nicht nur Bars und Biergärten, Restaurants und Fachhandel, sondern auch die bekannte Welle im englischen Garten war von den Corona-Beschränkungen betroffen. Hat dir das Surfen in dieser Zeit sehr gefehlt?

Natürlich fehlt das einem, das ist ja quasi Bestandteil meines täglichen Lebens. Aber es war auch absehbar, dass die Absperrungen irgendwann wieder verschwinden. Und lieber eine kurze Zeit drauf verzichten als für immer! 

Abstandsregelungen am Eisbachrand: Geht das gut?

Ja und nein. Beim Anstellen versuche ich immer die 1,50 Meter einzuhalten und weise Kollegen auch darauf hin. Nachdem die Welle nun wieder zugänglich ist, möchte ich nicht wegen solcher Kleinigkeiten mich ärgern müssen, dass es wieder verboten wird. Ich kann es aber auch verstehen, dass nicht immer jeder dran denkt, denn beim Surfen ist man in seiner eigenen Welt wenn man auf der Welle steht. Deswegen ist es umso wichtiger, gegenseitig die Corona Benimmregeln anzusprechen, wenn jemand diese nicht einhält. 

Die Slots an der Welle sind ja normalerweise hart umkämpft: Wie wird man eigentlich Eisbachsurfer?

Das stimmt. Das Surfen an der Eisbachwelle ist nicht einfach und vor allem nicht ungefährlich. Deswegen ist die Welle auch nicht für Anfänger geeignet, da das Verletzungsrisiko zu hoch ist und das damit verbundene Risiko, dass das Surfen aufgrund einer schweren Verletzung oder eines Todesfalls eingeschränkt werden könnte. Dies sollte jeder Anfänger respektieren, egal ob er zuvor im Meer schonmal auf dem Brett stand.

Zum Anfangen eignet sich die Floßlände in Thalkirchen sehr gut und erst wenn man sehr sicher auf dem Brett steht, Kurven fahren kann und Verletzungen ausschließen kann, darf man es an der Eisbachwelle probieren. Das sind ungeschriebene Gesetze und wir Surfer schicken auch diejenigen weg, die dies nicht respektieren. 

Ich habe 2010 am Meer begonnen zu Surfen, 2011 an der Floßlände und bin 2013 dann an die Eisbachwelle gegangen. Wichtig: bleibt’s freundlich miteinander!

Welche Bedeutung hat die Eisbach-Community allgemein für dich?

Für mich ist das sehr wichtig und man bekommt immer viel Neues mit. Während des Anstehens unterhält man sich viel mit bekannten Gesichtern – die Wenigsten kennt man ja beim Namen – es werden Geheimnisse über unbekannte Wellen am Meer geteilt, man feuert sich beim Springen und Tricks machen gegenseitig an, spritzt asiatische Touristen nass und freut sich doch auch insgeheim, dass man nicht ganz alleine surft. Denn ganz alleine würde das Ganze nur halb so viel Spaß machen – und wäre zu riskant, man passt schließlich aufeinander auf! 

Was geht dir durch den Kopf, wenn du die Fotos von Carolin siehst?

Wenn ich die Bilder sehe, muss ich auf den ersten Blick an Tschernobyl denken. Düster, grau, Sicherheitskleidung, Mundschutz und dann doch alles in der Münchner U-Bahn. Das war schon echt eine komische Stimmung, vor allem, weil ich viele skeptische Blicke erhielt. Diese Stimmung hat Caro dann perfekt weiter mit an den Eisbach gebracht. Für mich steht auf den Fotos die Zeit still und auch aus sportlicher Sicht wurden genau die richtigen Momente geknipst die entscheidend sind und die man aktiv spürt: beim Sprung, beim Railgrab oder beim Noseride.

Andreas Müllner beim Surfen an der Eisbach-Welle
Andreas Müllner beim Surfen am Eisbach
Andreas Müllner beim Surfen an der Eisbach-Welle. Foto: © Carolin Unrath

Der Welle am englischen Garten ist ja der bekannteste Spot für’s Surfen in der Stadt – und nun auch wieder surfbar. Aktuell herrscht aber an der Floßlände im wahrsten Sinne des Wortes etwas Ebbe, weil das Wasser von den Stadtwerken anders geleitet wird. Hast du davon gehört? 

Natürlich habe ich davon gehört. Die IGSM, die Interessensgemeinschaft für Surfen in München informiert alle Mitglieder über die aktuellen Situationen an Floßlände und Eisbach und vertritt uns Surfer auch politisch. Das bedeutet, sie bemüht sich um die Schaffung neuer und CO2-neutraler Wellen in München. Je mehr von uns Surfern dort Mitglied sind, desto mehr Einfluß haben wir auf politische Entscheidungen und diese sind dringend nötig, da die Floßlände unregelmäßig läuft und der Eisbach überbevölkert ist. Beide Wellen sind Touristenmagnete und weltbekannt. Durch die Schaffung neuer Wellen können Stadtviertel aufgewertet werden und die viertstellige Anzahl an Surfern würde sich besser verteilen. Das bedeutet für jeden Surfer, welcher absolut kostenlos jeden Tag am Eisbach surft – Meldet euch an, zahlt die 30€ Mitgliedschaft im Jahr und steht für euer Interesse ein.

Hast du einen Tipp für alle, die sich selbst mal im Surfen versuchen wollen?

Grundausdauer, Kraft und Balance verbessern mit Joggen, Slacklining oder Yoga sind ein guter Anfang. Stand Up Paddle Boarden kann da auch ein bisschen helfen. Ansonsten warten bis die Floßlände aufmacht oder einen Surfkurs am Meer belegen, auch wenn das deutlich anders ist als am Fluß. Es gibt natürlich auch künstliche stehende Wellen wie zum Beispiel seit kurzem in Österreich die Flußwelle in Ebensee, wo man klimafreundlich surfen das Surfen erlernen kann.


Fotos: © Carolin Unrath und Peter Scherb

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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