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Für alle Nachtschwärmer: Konzerte und Off-Location-Spaß mit „Red Cabinet“

Aus der Reihe ‚MUCBOOK-Kernkompetenzen‘: Es gibt bald wieder etwas Neues im Münchner Nachtleben! James Beyond (u.a. Bahnwärther Thiel, Sinstruct) und Mâxage (IWW) haben sich zusammengetan und ihr Projekt „Red Cabinet“ jüngst an den Start gebracht. Erste Amtshandlung wird das „Molly Nilsson“-Konzert im Ampere kommende Woche sein, das die beiden veranstalten. Wir trafen die Nightlife-Routiniers zum lockeren Plausch im Cafe CaVa. Dort konnten wir ihnen ein paar exklusive Infos entlocken und allgemein über ihre Vision für das gemeinsame Event-Projekt sprechen.

MUCBOOK: Hallo ihr beiden! Ihr habt ein neues Projekt am Start: Red Cabinet! Recht viel mehr als den Namen wolltet ihr mir vorab ja nicht verraten, was hat es damit also ganz grundsätzlich auf sich?

James Beyond: „Red Cabinet“ steht grundsätzlich für Events und Konzerte. Unser erstes Konzert ist Molly Nillson, die am 04. Dezember im Ampere beim Muffatwerk spielt. Der andere Aspekt wird die „Cabinet“-Reihe. Das wird eine Veranstaltungsreihe, die monatlich an einem ganz speziellen Ort stattfindet. Da werden wir Ausstellungen mit Konzerten und Clubabenden verbinden. Das geht dann schon relativ früh los, bleibt aber open end. Wo genau das stattfinden wird dürfen wir leider noch nicht genau sagen, da besteht der Verpächter drauf, aber ein Datum kann ich schon mal nennen: am 19. Januar beginnen wir mit den „Cabinet“-Nächten.

Mâxage: Es wird nicht in einem Club sein, sondern in einer Off-Location. „Red“ steht für die visuelle Gestaltung vor Ort. „Cabinet“ dagegen steht für ein Kabinett, für etwas Geheimeres, etwas Mystisches und Künstlerisches. Wir wollen den Flair einer geschlossenen Gesellschaft verströmen. Danach richten wir diesen Abend aus: Wir werden nicht mit Massenwerbung bespielen oder mit großen Künstlern, die angekündigt werden. Da gehen wir eher über Community und werden das Programm im Vorfeld gar nicht ankündigen.

MUCBOOK: Kauft man da nicht die Katze im Sack, blöd gesagt?

James Beyond: Es ist geplant, dass man sich über die Homepage für den Newsletter anmeldet und dann bekommt man in der Woche vor dem Event das Line Up und das ganze Programm zugeschickt.Wir wollen damit einen Schritt von dieser Social Media-Werbung wegkommen. Mittlerweile posten ja alle Veranstalter ihr Booking frühzeitig und der eine will den anderen übertrumpfen und man geht nur noch zwecks dem Booking zu einer Veranstaltung. Wir wollen das eigentlich genau in die andere Richtung bewegen, indem wir sagen: Die Veranstaltung soll für sich stehen.

Mâxage: Das Programm wird nur an den privaten Newsletter geschickt. Wer Interesse an der Veranstaltung zeigt, der soll dann schon auch wissen, was stattfinden wird, wir wollen aber eben nicht mit großen Künstlern werben. Ich habe gemerkt, dass wir hier in München in der Hinsicht so eine kleine Gegenbewegung brauchen. Jeder rühmt sich mit seinen Künstlern und davon wollen wir wegkommen. Das ist zwar ein Wagnis: Du machst eine Veranstaltung, gibst gar nichts preis, außer einen kleinen Text, aber genau dadurch wollen wir uns von allen anderen etwas differenzieren.

James Beyond: Es wird eine Abendkasse geben, aber die Anmeldung ist quasi Voraussetzung um an der Tür rein zu kommen.

MUCBOOK: Ihr macht also ein bisschen auf Understatement und „hard-to-get“?

Mâxage: Ja, das Red Cabinet soll eher von der Community und der „Mund-zu-Mund“-Propaganda leben. Es soll nicht die Masse ansprechen, sondern von der Community aus sich heraus weiter wachsen. Irgendwann wird dann ja klar sein, wo die Veranstaltung ist. Auf unserer Homepage kann man sich ab jetzt schon registrieren. Die regulären Konzerte sind dort natürlich ganz einfach gelistet. Unter der „Cabinet“-Rubrik finden sich aber immer nur kleine Appetizer und die Möglichkeit zur Anmeldung zu unserem Newsletter.

MUCBOOK: Ich kenne das ja noch aus ganz jungen Jahren, als Social Media noch nicht so verbreitet war, dass man sich einfach direkt gegenseitig Bescheid gesagt hat, wenn man wusste „in dem Laden geht heute was“.

James Beyond: Mit der Sinstruct Crew habe ich früher Open Airs und Parties namens „Tag“ und „Nacht“ veranstaltet, da haben wir teilweise auch keine Facebook Events erstellt. Du hast nur über Mund-zu-Mund Propaganda oder SMS davon erfahren.

Mâxage: Ganz früher wurden die Flyer ja noch gemalt und dann einfach ab in den Kopierer. Wenn jemand vor dem Club stand und dich darauf aufmerksam gemacht hat, wann nächstes Wochenende die geilste Party ist, dann war jeder dankbar. Dann ging es langsam los, dass man den Flyern überdrüssig wurde, weil es so viele wurden.

James Beyond: Da wurde die Informationsflut dann so stark, dass man auf sowas keine Lust mehr hatte. Ich glaube heute schätzt man das wieder mehr, wenn Events persönlich beworben werden.

MUCBOOK: Die Ben Klocks & co kriegt man ja mittlerweile fast täglich bei Facebook um die Ohren geschlagen. Davon wollt ihr weg?!

Mâxage: Da ist eine gewisse Overdose da. In den einzelnen Clubs in München in der Roten Sonne, im Blitz, im Harry haben sie immer ein starkes Programm, aber das heißt, dass wir da nicht noch der Zehnte mit einem noch stärkeren Booking sein müssen. Dadurch steigen ja auch zusätzlich die Preise für die Künstler. Diesen Markt wollen wir nicht zusätzlich noch weiter anheizen. Wir haben auch einfach Lust darauf, Parties mit Freunden zu machen in einer Location die ganz neu und frisch im Münchner Westen ist, soviel dürfen wir wohl schon verraten – unweit von hier (im Café CaVa im Westend – Anm. der Red.). Einfach mal was komplettes Neues machen!

MUCBOOK: Was unterscheidet die „Cabinet“-Nächte sonst noch von normalen Raves? Was gehört da elementar dazu?

James Beyond: Es soll ein Erlebnis werden. Man soll in einen Raum kommen, der sowohl visuell, künstlerisch als auch durch Performances und andere Spielereien besticht.

Mâxage: Es ist eine neue Location, das Programm wird nicht veröffentlicht. Zugang erhält man nicht öffentlich, sondern nur über eine Einladung oder eben die Registrierung im Voraus.

MUCBOOK: Könnt ihr uns noch ein wenig mehr zur Location sagen? Seid ihr da exklusiv drin oder wird das ein neuer Club?

Mâxage: Da wird es schon auch andere Sachen geben. Kein Club, aber eine Location mit mehreren Räumen, die man bespielen kann. Je nachdem, wie viele Räume offen sind, kann man auch die Kapazität etwas regeln. Ich sage mal circa 500-1000 Personen haben sicher Platz. Durch unser Konzept spricht man halt verschiedene Szenen an: Leute aus der Clubkultur, Leute aus der Kunstszene oder Konzertgänger. Dadurch, dass es eine Privatveranstaltung sein wird, geht es auch bis Open End, das ist ein weiterer Vorteil.

MUCBOOK: Viele elektronische Acts befinden sich ja eh an der Grenze zwischen Konzertsituation und Rave. Die Konzerte bei euch passen dann schon auch zum anschließenden Programm? Es spielt also keine Metal-Band vor den DJs beispielsweise?

James Beyond: Ja, das muss schon alles stimmig aufgebaut sein.

Mâxage: Hip Hop kann in einem gewissen Rahmen schon vorkommen. Alles was unserer Meinung nach eine gewisse Community anspricht. Wir hören ja selbst gerne HipHop. Musikalisch soll es nicht zu krass brettern, sondern eher in eine Richtung gehen, die etwas „erwachsener“ ist, etwas wärmer, mehr in die Richtung House und Disco.

James Beyond: Kann aber auch in die Richtung New Wave, Minimal Wave oder Post-Punk gehen.

Mâxage: Es wird nicht die nächste Techno-Party. Vor allem kein harter Techno. Da decken wir ein musikalisch ein anderes Spektrum ab.

MUCBOOK: Vermisst ihr das, was ihr beschreibt, momentan in München etwas?

James Beyond: In dieser Art eigentlich schon. Es gibt natürlich schon Kunstausstellungen mit Aftershow-Parties. Aber so in diesem Stil – musikalisch so ausgerichtet – gibt es nicht viel Angebot in München, wo ich sagen würde: „Da geh‘ ich unbedingt hin!“.

Mâxage: Wir vermissen schon ein bisschen die Off-Location Parties aus früheren Tagen. Klar waren das dann oft Raves. Uns fehlt es, mal etwas neues zu sehen – da passt der Gedanke mit dem Geheimen gut rein – nicht nur Open Air, sondern im Winter auch Indoor. Man hat dann ein anderes Erlebnis im Vergleich zu dem, was man schon kennt.

MUCBOOK: Den Auftakt macht ihr aber mit einem „normalen“ Konzert?

James Beyond: Wie erwähnt, als erstes kommt Molly Nilsson ins Ampere – das Konzert findet am 04.Dezember statt. Als Vorband konnten wir die Münchner Postpunk-Band PAAR gewinnen. Die machen eine Mischung aus Hall, Noise und Echo. Ich bin wirklich überzeugt von ihnen, da wird noch viel passieren.

Mâxage: Die Veranstaltungen sind Teil unserer Konzert-Reihe, aber stehen schon für den Sound, für den auch wir allgemein stehen wollen mit unserem Projekt. Es soll zusammenpassen mit unseren „Marken“: wir sind ja auch als DJs und Veranstalter bekannt.

James Beyond: Molly Nilsson ist letztendlich ein Experiment. Sie macht seit 2008 Musik und hat noch nie in München gespielt. Sie kommt aus Stockholm und bringt seit zehn Jahren Alben heraus. Letztendlich macht sie Musik, bei der mir das Herz aufgeht. Ich verfolge sie seit 2010 und hatte sie 2016 schon mal angefragt, um mich einfach mal zu informieren. Sie vermarktet sich komplett selbst, was mir auch sehr sympathisch ist, diese Do-It-Yourself-Kultur. Jetzt klappt es endlich, weil ich nun mit Maxi (Mâxage – Anm. der Red.) und Red Cabinet das richtige Format dafür habe. Wir wussten beide nicht, ob das in München überhaupt ankommt, aber es ist Musik hinter der wir zu 100 Prozent stehen. Deshalb wollten wir das einfach ausprobieren.

Mâxage: Der Vorverkauf für das Konzert läuft bisher gut (das Gespräch wurde Mitte November geführt – Anm. der Red.), die Chancen stehen also gut, dass der Laden voll wird. Außerdem bringt Molly Nilsson gerade ihr neues Album „2020“ heraus und macht eine Tour dazu, also perfektes Timing auch in dem Sinne. Als wir im Februar angefragt hatten, war das alles noch nicht sicher. Ein Künstler ist ja ein Künstler und wie schnell der produktiv ist, ist nicht planbar. Das habe ich als Veranstalter von Techno-Acts oft gehabt – eigentlich steht ein Album in der Pipeline, aber dann wird es doch nichts mit dem Release bis zum gebuchten Termin, also fällt es dann auch nicht in die „Tour“ zum Album.

MUCBOOK: Dann kann ja fast nix mehr schief gehen. Danke für’s Gespräch!

 

Verlosung!

Für’s Konzert von Molly Nilsson dürfen wir 2×2 Tickets verlosen. Schaut dazu am besten rüber auf Facebook.


In aller Kürze:

Was? Molly Nilsson (Support: PAAR)
Wo? Ampere München
Wann? Dienstag, 04. Dezember 2018 | Einlass 19:00 Uhr | Beginn: 20:30 Uhr
Tickets? VVK 17€ zzgl. Gebühren: http://bit.ly/2Hwh5vS

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Foto:© Frank Balve

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