Kultur, Nach(t)kritik

Für Kerstins Letzte – Albumrelease im Milla

Sebastian Gabriel

Sebastian ist ein junger Fotograf aus München. Er ist gern da, wo was los ist, am Puls der Zeit. Wenn nicht gerade in München, dann im Rest der Welt. Mehr gibt es unter www.sebastiangabriel.com.
Sebastian Gabriel

Unter der Rubrik „Proberaumschau“ besuchte mucbook zu seinen Anfängen Münchner Bands in ihren Übungsräumen. Eine davon war die Band „Für Kerstins Letzte“ (zum Artikel). Seitdem ist bei der 6-köpfigen Münchner Truppe einiges passiert und am Freitag war es soweit und es stieg das Konzert zum Release von „Spielzeugrevolution“ im Milla im tiefsten Glockenbach. Falls „Kerstin“ bis jetzt an Euch ungeachtet vorbeigegangen ist, hier eine kleine Einführung:

Für „Kerstin“ begann alles 2006 am Tegernsee, wo sich damals sechs Burschen zusammen setzten und „Für Kerstins Letzte“ (FKL) gründeten – die Namensfindung sei hier kein Thema. Das Ganze funktionierte so gut, dass sie ein Jahr später an den Emergenza Gigs teil nahmen und prompt Dritter beim Welt-Finale am Taburett Open Air wurden – der Weg zum schnellem Ruhm schien geebnet. Doch bevor es richtig los gehen konnte verließ der Haupt-Songwriters und Keyboarder die Band und ein ein langer Weg der Selbstfindung folgte.

War die Musikrichtung anfangs eindeutig dem Pop zuzuordnen, so kamen mit der Zeit mehr und mehr elektronische Soundelemente hinzu, wo man heute schon von minimalistischen Elektro-Arrangements spricht. „Heute bekommen die Zuhörer bei Konzerten eine Mischung aus digital und analog, dicken Beats und filigranen Melodien auf die Ohren und natürlich in die Beine.“, antwortet Christoph Gürich, Sänger der Band, auf die Frage hin, wie er die Musik von Kerstin beschreiben würde. Warum also nicht schon längst ein Album?

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Ein Grund, warum es so lange gedauert hat bis das Album erscheinen konnte, war, dass FKL vor allem eine Liveband sind und sie es bis dato nicht geschafft hatten, ihren unverwechselbaren Live-Character auf adäquate Arte und Weise auf ein Album zu transferieren. Da es sich um eine bunte Mischung aus filigrane Arrangements auf stampfende Elektrobeats, ergänzt durch Texte, die sich in den Weiten zwischen Schlager und Punk verlieren, handelt – keine leichte Aufgabe.

So befindet sich auf dem Album mit gerade einmal sieben Tracks eine bunte Mischung aus einfühlsamer Ballade, elektronischer Großstadt-Symphonie mit einprägsamem Synthi-Sound und ein reines Instrumental Lied, das auch gut auf einem Elektro-Mixtape laufen könnte.

Nicht zuletzt wegen der unglaublichen Bühnenperformance von Leadsänger Christoph Gürich ist ein Life-Konzert von FKL ein Erlebnis. So war es kaum ein Wunder, dass das Milla propen voll und ausverkauft war. Diese Show lässt man sich als Kenner auf keinen Fall entgehen.

Doch bevor es losging, gab es zu Beginn des Konzerts noch eine kleine Überraschung, denn das neuste Video, passend zum Album, „Spielzeugrevolution“ der Band wurde kurzerhand präsentiert. In dem Video sieht man Christoph in einer alten, verlassenen Fabrikhalle, umtanzt von jungen Frauen in schwarzer Kleidung. Kunstvoll springt das Video von Solos der einzelnen Protagonisten hin zu Gruppenaufnahmen und indem die ausdrucksstarken Solos aneinander gereiht ein Gesamtbild erschaffen, wird man immer mehr in das Video mit pulsierendem Sound hineingezogen. Choreographiert wurde das Musikvideo von der jungen, talentierten Münchner Tänzerin und Choreographin Sinah Diepold, die nach ihrer zeitgenössischen Tanzausbildung an der Iwanson-Tanzschule in München nach New York ging, um sich dort in diesem Bereich weiterzubilden, bzw. zu entwickeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und macht das Video auf alle Fälle neben hörens- auch sehenswert.

Im Anschluss an das Video war dann Performance gefragt und „Für Kerstins Letzte“ spielten zum ersten mal die Tracks vom neuen Album, legten noch ein paar Alte hinten drauf und nach zwei Zugaben, ließen sie ein verschwitztes, aber glückliches Publikum zurück.

Fazit des Abends:

Man merkt, dass sich die Band in den Jahren enorm weiterentwickelt und fast ihren Stil gefunden hat. Trotzdem bekommt man das das Gefühl nicht los, dass Kerstin immer noch nicht ganz angekommen ist bei ihrer Suche nach dem perfekten Sound. Und gerade deswegen macht es unfassbar Spaß, bei dieser Entwicklung mit dabei zu sein. Man kann und darf gespannt sein.

Fotostrecke:

Eine Musikprobe:

Wer noch mehr über die Band Für Kerstins Letzte herausfinden möchte, der kann sich hier das Interview für Puls auf dem BR anschauen oder auf ihrer Home– bzw. Facebookpage vorbeischauen.

Mehr Informationen zu der Arbeit der Tänzerin Sinah Diepold auf: www.sinahdiepold.de

Fotos: Sebastian Gabriel

Booklet-Artwork: Laura Wolf

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