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Gute Aussichten!

Sebastian Huber

Von tumblrig-trashigen Installationen und Digitalgraffiti bis zu traditioneller sozialdokumentarischer Fotografie ist euch bei ‚gute aussichten‘ einiges geboten. Die Villa Stuck präsentiert euch bis zum 9. Juni die Ausstellung über junge deutsche Fotografie, die euch die besten FotografInnen aus 5 deutschen Kunstakadamien und Fotografieschulen präsentiert . Hier wollen wir euch die Arbeiten der Künstler kurz vorstellen.

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Nadja Bournonville hat sich für A Conversion Act ausführlich mit Hysterie beschäftigt und das Thema theoretisch und ästhetisch untersucht. Von ihr stammt auch das Plakat zur Ausstellung.

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Die Arbeiten zu Calm II von Anna Domnick scheinen auf den ersten Blick abstrakt, sind aber eigentlich Landschaftsfotografien und stehen so in der Tradition der Romantik, wo äußere Natur und Landschaft mit inneren Seelenzuständen assoziiert wurden und als Allegorie oder Symbol der selben galten.

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Mit The Travellers hat Birte Kaufmann ein faszinierendes Portrait der Traveller, einer der wichtigsten Minderheitsgruppierungen Irlands geschaffen. Dabei sind ihre sozialdokumentarischen Fotos nicht analytisch-kalt, sondern einfühlsam und vermittelnd — keiner der Fotografierten wird durch die Ablichtung bloßgestellt.

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Um Couve e Coragem, also um Kohl und Mut geht es in den Arbeiten Lioba Keucks. Die Duisburgerin thematisiert in ihren Fotografien das Leben in den Armutsgürteln Lissabons, in denen Einwanderer und Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen versuchen, sich mit kleinen, selbst bewirtschafteten Gärten, selbst zu versorgen und sich durch die einfache Arbeit ein Stück Normalität zu schaffen — oft auch gegen den Widerstand der Behörden.

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Als Hommage an das Schwarze Quadrat ist mod. CLASSIC zu verstehen, das in seiner skulpturalen Form das Grundmodell Malewitschs um eine Dimension erweitert. Im Inneren des Plexiglaskubus verbirgt sich eine Kaffeemaschine, die sich selbst in Espresso ertränkt hat. „Sie löscht ihr eigenes Bild aus.“, wie Alwin Lay, der Künstler, sagt. Daneben präsentiert er eine verkohlte Ananas und endlos brennende Wunderkerzen — spanndende Konzepte, die trotz der immensen Tiefe an abstrakter Bedeutung nicht trocken wirken.

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Marian Luft schafft mit seinen bearbeiteten, entfremdeten und neu kombinierten Graffiti-Collagen ein ästhetisches Stimmengewirr, das um das Kernthema seiner in der Villa Stuck präsentierten Arbeiten kreist: Back2Politics. Er schmiedet die digitalen Artefakte unserer Alltagswelt zu großflächigen Arbeiten, deren einzelne Elemente simulacrenhafte tumblr-gifs und Pop-Symbole sind, kurz der Kitsch unseres digitalen Zeitalters. Aus diesen sinnleeren Grafiken wird so eine optisch überfordernde Hyperrealität, mit denen der Künstler eine neue Art des Politischen in der Kunst forcieren möchte — ob das selbst nun auch nur signifiant sans signifié ist oder die kreative Kraft hat, tatsächlich ein neues Verständnis von Kunstschaffen und -rezipieren zu generieren: entscheidet selbst.

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Wenn der Spruch weniger vulgär klingen würde, könnte „reality hits you hard“ der Leitsatz von Stephanie Steinkopf sein. Die Junge Fotografin begleitete über Monate das Leben der Bewohner von Manhattan – Straße der Jugend, einem Plattenbau in der Ostdeutschen Provinz. Dabei entstand das fotografische Werk mit dem gleichnamigen Titel, das die Menschen und ihre Häuser und Wohnungen mit bemerkenswerter Behutsamkeit portraitiert, während die Künstlerin in ihrem fotografischen Ausdruck nicht ins Romantische abgleitet, sondern vielmehr eine Poetik der Ehrlichkeit und unnaiven realistischen Darstellung betreibt.

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In der Überlegung, was Herkunft im Allgemeinen ist und die Entwicklung der Hochschule für Kunst in Kassel im Besonderen abläuft, skizziert, collagiert und kuratiert Daniel Stubenvoll, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Dabei handelt es sich bei Saubere Arbeit nicht um eine einfache Antwort, à la „So ist das und nicht anders.“, sondern vielmehr um den Versuch eines performativen und prozesshaften Nachvollziehens von ästhetischer Genese selbst. Die im Rahmen des Projekts von elf Kommilitonen gestalteten Arbeiten kreisen ebenso wie die Ideen und künstlerischen Interventionen Stubenvolls selbst um den immer wieder thematisierten Grundstein der Hochschule Kassel, in dessen Gravitationsfeld sie sich zu immer neuen Konstellationen zusammenfinden, die der Arbeit ihren großen intellektuellen und ästhetischen Reiz geben.

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Einen Blick, der anders ist, zeigt Christina Werner in ihren Arbeiten über die indische Großstadt Ahmedabab. Mit PIPAL bietet sie eine internationale Lektüre und grafische Narrativisierung der Stadt an, die von Klischees frei ist und die Teile der Stadt zeigt, in denen sie anderen Metropolen ähnelt. In der Bearbeitung des Sabarmati Riverfrontprojects deckt sie zudem kolonial- und nationalstaatliche Vergangenheiten und Gegenwarten auf, in dem sie den öffentlichen Raum durch eine ganz eigene Art von Fotografie lesbar macht.

Die Gewinner des Wettbewerbs 2013/14 von ‚gute aussichten. junge deutsche fotografie‘ sind Nadja Bournonville, Anna Domnick, Birte Kaufmann, Lioba Keuck, Alwin Lay, Marian Luft, Stephanie Steinkopf, Daniel Stubenvoll und Christina Werner.

Ihre Arbeiten sind bis 9. Juni in der Villa Stuck ausgestellt, mehr Informationen findet ihr unter villastuck.de.

Viel Spaß in der Ausstellung!

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