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Hektik, Ruhe, Harmonie, Konkurrenz: „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ im Kino

Felix Canditt

Bombshell – Das Ende des Schweigens erzählt die Ereignisse nach, die 2016 zum Rücktritt des Fox-News-Chefs Roger Ailes führten. Der Fall gilt als Vorreiter der #MeToo-Debatte, die etwa ein Jahr später an Fahrt aufnahm. Gretchen Carlson (gespielt von Nicole Kidman), ehemalige Moderatorin des konservativen US-amerikanischen Nachrichtensenders Fox News, klagte Ailes wegen sexueller Belästigung an. Carlsons Vorwürfe fanden unter weiteren Mitarbeiterinnen von Fox News Unterstützung, darunter Megyn Kelly (gespielt von Charlize Theron). Während Carlson und Kelly real existierende, prominente Moderatorinnen und ehemalige Aushängeschilder von Fox News sind, ist die dritte Hauptfigur in Bombshell ein fiktiver Charakter, der die Perspektive verschiedener beteiligter Frauen vereint: Kayla Pospisil (gespielt von Margot Robbie), die am Anfang ihrer Karriere bei Fox News steht.

Hektik und Ruhe, Harmonie und Konkurrenz – aus diesen Gegenpolen zieht Bombshell seine erzählerische Kraft.

Hektik

Der Film erzählt die Geschichten von Gretchen, Megyn und Kayla in parallel laufenden Erzählsträngen, die sich im Laufe des Films aufeinander zu bewegen. Das Springen zwischen den Figuren wirkt zusammen mit der Machart des Films am Anfang etwas verwirrend. Den Zuschauer*innen wird ein praller Material-Mix präsentiert, der sich unter anderem aus Archiv-Material, Stimmen im Kopf und Einblendungen von Twitter-Posts zusammensetzt. Dazu schnelle Schnitte und eine wacklige Handkamera – hier wird auf kreative Weise der rasante Fox-News-eigene Infotainment-Stil übernommen. Doch die Spielerei kommt etwas unausgewogen und ziellos rüber und nimmt manchmal absurde Züge an.

Ruhe

Umso mehr fallen die ruhigen Szenen des Films auf, die die Stärken von Bombshell ausmachen. Sie bieten eine Pause für die Sinne und führen vor Augen, worüber im Rest des Films nur gesprochen wird: die seelischen Qualen, die sexuelle Belästigung auslöst. In einer Szene ist Kayla allein mit Fox-News-Chef Roger Ailes in dessen Büro, um Aufstiegschancen beim Sender zu besprechen. Doch beim Besprechen bleibt es nicht. Margot Robbies Gesicht spielt ein beeindruckendes Register an durch Belästigung hervorgerufenen Emotionen durch, sodass es unter die Haut geht.

Harmonie

Am Anfang von Bombshell agieren Gretchen, Megyn und Kayla unabhängig voneinander, bevor sie zu Schlüsselfiguren des Plots werden und eher ungewollt Berührpunkte entstehen. Auch wenn die drei Frauen persönlich verschwindend gering bis nichts verbindet, sind sie durch die Missbrauchsvorwürfe miteinander vereint. Doch nach kurzen Momenten des gegenseitigen Verstehens gehen sie wieder auseinander, oder die Stimmung schlägt in Aggression um.

Konkurrenz

Letztendlich bleiben die drei (angehenden) Moderatorinnen Konkurrentinnen um die besten Sendeplätze. Hier zeigt sich die Thriller-Seite von Bombshell. Der Film dokumentiert ein Klima des gegenseitigen Misstrauens. Wer spricht mit wem und warum? Wer gehört zu welcher Seite? Es geht hier vordergründig nicht um die menschlichen Abgründe, die sexueller Missbrauch offenbart, sondern um knallharte Machtinteressen.

Die ruhigen Szenen innerhalb des stürmischen Films Bombshell ermöglichen es, hinter die Fassade des hektischen Medienzirkus zu schauen. Gretchen Carlson, Megyn Kelly und Kayla Pospisil werden nicht als solidarische Kampfpartnerinnen stilisiert (die sie nie waren), vielmehr werden ihre eigennützigen Motive in den Blick genommen. Dass ihr Kampf gegen Diskriminierung nicht nur von persönlichen Interessen geleitet, sondern auch einseitig ist, zeigt sich beispielsweise daran, dass Megyn Kelly für ihre rassistischen Äußerungen bekannt ist.

Trailer und Münchner Kinos

Wo du Bombshell in Münchner Kinos schauen kannst, siehst du hier im Überblick.


Beitragsbild: © Wild Bunch Germany

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