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Hipp hipp, Hula! Im Gespräch mit dem Team Hula zur Ausstellung „Rainbow Road“

Feste muss man ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Das dachten sich wohl auch die Jungs vom Team Hula. Das junge Design-Kollektiv aus München zelebriert dieser Tage nämlich sechs Jahre Bestehen mit einer Retrospektive namens Rainbow Road im Café Sehrwohl im Westend.

Vermutlich hast du schon mal einen Flyer oder ein Design von Team Hula in der Hand gehalten – vermutlich auch, ohne genauer über dessen Urheberschaft nachzudenken. Macht ja nix. Aber auch die Sticker mit dem charakteristischen Logo sind immer wieder in zahllosen Bars, U-Bahnhaltestellen oder Uni-Toiletten zu finden, sodass man sich als aufmerksamer Beobachter dann doch fragt, wer da eigentlich dahinter steckt und was die sonst noch so treiben.

Genügend Gründe also, um anlässlich der aktuellen Ausstellung (s.u.) mal das Gespräch mit denen zu suchen, die sich sonst eher visuell ausdrücken: Wir hatten Mitgründer Alexander Scharf – Nickname „Ali“ – am Telefon, um darüber zu sprechen, was da ab Samstag so geht und was demnächst noch alles ansteht bei Münchens Kreativ-Avantgarde.

https://www.instagram.com/p/BN7EXNBjYo4/

MUCBOOK: Hallo Alexander, mal von Anfang an: Wie kam es eigentlich zur Gründung von Team Hula und wer seid ihr?

Alexander Scharf: Wir waren zunächst nur zu zweit, mein Kollege Josua Rappl und ich, wir kennen uns aus der Designschule in München. Da wir ab dem zweiten Jahr in der Designschule viel zusammen gemacht haben, hat es sich ergeben, dass wir dann auch einen offiziellen Namen dafür gefunden haben.

Am Anfang haben wir viel für das Kong gemacht zum Beispiel und auch allgemein Flyer- und Veranstaltungsdesign. Wir kommen ja beide aus dem Kommunikationsdesign. Spezialisiert haben wir uns dann auch in die Richtung Motion Design – für das Monticule-Festival haben wir die letzten vier Jahre das Festival-Design gemacht. Das würden wir auch nächstes Jahr gerne wieder machen – dieses Jahr kam es aus verschiedenen Gründen leider nicht zustande – unter anderem wegen dem engen Terminplan.

Josua und ich studieren inzwischen an der Akademie der bildenden Künste auch Freie Kunst und Bildhauerei. „Team Hula“ blieb dabei immer unsere Spielwiese – nun auch mit zwei weiteren Mitstreitern seit vorletztem Jahr. Max Vincent ist Medieninformatiker und DJ. Fabian Friedrich macht Illustrationen und ist Zeichner. Wir sind aber auch einfach saugute Freunde und hören uns fast jeden Tag.

Woher kommt euer Name?

„Hula“ ist dem Hawaiianischen entlehnt und bedeutet dort „Lebensfreude“. Das Wort hat uns einfach total gefallen. Es klingt auch niedlich auf eine Art und Weise. Ich denke, es passt zu unserer bunten Art. Ein Team waren wir von Anfang an, also hat auch das Sinn gemacht und steht für unseren Zusammenschluss – damals halt noch zu zweit.

© Team Hula

Seht ihr euch eigentlich eher als Künstler oder als Designer?

Manchmal lässt sich das trennen und manchmal nicht. Wir sind natürlich immer beides irgendwie. Das Handwerk des Designers wird immer auch bei meiner künstlerischen Arbeit durchscheinen, wenn ich mit dem PC arbeite zum Beispiel.

Wir haben jetzt auch Max Vincent im Team, der Medieninformatiker ist. Witzigerweise haben wir schon mal für eine Hebamme eine Homepage gemacht. Normalerweise sind es aber eher sowas wie Homepages für Künstler und ihr Portfolio, die wir in dem Bereich üblicherweise gemacht haben. Da Josua und ich nun beide an der Akademie der bildenden Künste Bildhauerei und Freie Kunst studieren, geht aber schon auch mehr in den künstlerischen Bereich inzwischen – Sachen, die ohne konkreten Auftrag passieren.

Wie kamst du dazu, schon in jungen Jahren als gestalterischer und künstlerischer Akteur in Erscheinung zu treten?

Ich glaube, ich hatte einfach immer schon so eine gewisse romantische Vorstellung davon, Künstler zu werden und zu sein. Direkt nach dem Abi war ich auch Teil der „downstairs gallery„, die damals ins Leben gerufen wurde. Die gibt es nun aber schon seit drei Jahren nicht mehr.

Was gibt es am Samstag und bei eurer Ausstellung „Rainbow Road“ zu sehen? Was ist da geboten?

Die „Rainbow Road“ ist ja die letzte Strecke bei Mario Kart. Daher leitet sich der Name ab – wir bauen im Nebenraum auch ein paar Nintendo-Konsolen zum Spielen auf. Inhaltlich zeigen wir einfach alle unsere grafischen Ergüsse aus den letzten sechs Jahren. Wir wollten aber nicht nur plump Grafiken ausdrucken und langweiliges Bilder aufhängen betreiben, sondern wir arbeiten auch mit der Situation vor Ort. Alles wird auf Bannern collagiert und auf Rollen ausgehängt – eine installative Maßnahme, wenn man so will. Es wird eine wahre Bilderflut für den Besucher.

Außerdem haben wir einen Pulli entworfen, der dort zu sehen und zu kaufen sein wird. Dafür haben wir eigens eine Schrift gestaltet. Darüber möchte ich aber noch nicht zu viel verraten. Außerdem wird es noch zwei oder drei Videoinstallationen geben.

Wohin wollt ihr euch in Zukunft entwickeln?

Es steht schon eine kleine Umformung an. Wir wollen definitiv mehr Ausstellungen machen und weniger Aufträge. Aufträge nehmen wir momentan gar nicht mehr so viele an, was auch daran liegt, dass wir alle immer weniger Zeit dafür haben und sehr eingespannt sind. Ich studiere momentan eben Bildhauerei und Freie Kunst an der AdbK und nebenbei noch Kunstpädagogik. Josua verfolgt außerdem gerade ein größer angelegtes Projekt namens M.O.I: „museumofinternet.com„. Der Name ist gewissermaßen Programm, das soll eine multidisziplinäre Online-Plattform für junge Künstler werden. Die Idee dahinter ist, das Konzept der Galerie auf eine digitale Ebene zu hieven, mit dem zusätzlichen Anspruch, Schnittmengen zwischen klassischer Kunst und Disziplinen wie Biologie, Physik oder Informatik zu suchen. Außerdem soll dort auch ein Raum für Dialog mit den ausstellenden Künstlern entstehen, etwa in Form von Interviews. Das wird im Laufe des nächsten Jahres richtig online gehen und er ist gerade noch dabei, Fördergelder zu akquirieren.

Was wir als Team Hula noch verstärkt machen wollen, ist Textildruck und Fashion – auch wenn das jetzt vielleicht blöd klingt. Es wird aber auch in Zukunft nicht total konzeptbezogen sein. Team Hula bleibt immer eine Spielwiese für uns.

Danke fürs Gespräch.


In aller Kürze:

Was? Team Hula – „Rainbow Road“ (Retrospektive 2013 – 2019)

Wann? VERNISSAGE SA, 27.4. // 17 UHR – AUSSTELLUNGSDAUER 27.4. – 05.4

Wo? Sehrwohl Café & Bar| Westendstraße 66 | 80339 München

Wieviel? Eintritt frei


Beitragsbild: © Team Hula

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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