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Jesper Munk, Chilly Gonzales und M.I.A.: Musik wird auf dem DOK.fest großgeschrieben

DOK.fest

Ob Amy Winehouse, Kurt Cobain, Buena Vista Social Club oder die Rolling Stones – die Größen der Musikwelt erleben wir mit all ihrer Kreativität und all ihrem Charisma am eindrücklichsten im Dokumentarfilm. Nicht nur der Performance auf der Bühne kommen wir über die Kamera näher als bei jedem Live-Konzert. Auch ermöglicht es uns der Blick hinter die Kulissen des Showbetriebs, dem Menschen hinter der Kunstfigur zu begegnen. Wir erfahren vom Selbstverständnis der Musiker*innen, durchleben die Höhen und Tiefen künstlerischer Karrieren. Und: Musik ist immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Wer von ihr erzählt, erzählt gleichzeitig von historischen, gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeiten.

Mit zahlreichen Filmen rund um das Thema Musik deckt das DOK.fest die ganze Bandbreite an Möglichkeiten ab. Wir präsentieren dir neun (klar, das ist nur ein Ausschnitt) der spannendsten Musikdokumentarfilme, die vom 02. bis 13. Mai zusehen sind – beim DOK.music Open Air sogar umsonst und unter freiem Himmel.

Das gesamte Programm des DOK.fest findest du online, Tickets gibt es dort auch, oder bei München Ticket.

1. Silvana

von Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis, SE 2018, 91 Min.

Filmstill aus IVANA

„My music is fucking important. It’s for real and it has a message.“ Silvana Imam ist eine Wucht. Mit ihren kompromisslosen Texten kämpft die lesbische, feministische, anti-rassistische Punk-Rapperin gegen jedwede Form der Unterdrückung und wurde so zur Frontfigur einer neuen politischen Jugendbewegung in Schweden. Der Film folgt ihr über einen Zeitraum von mehreren Jahren und zeigt ihren Aufstieg von der Underground-Künstlerin zum Star, ihre ersten großen Chart-Erfolge und den Beginn ihrer Liebesbeziehung zur schwedischen Pop-Künstlerin Beatrice Eli. Als ihr der Ruhm und ihre Rolle als Ikone immer mehr zusetzen, zieht sich Silvana 2016 aus der Öffentlichkeit zurück – nur um kurze Zeit später einen fulminanten Neustart zu wagen. Ein intimes und mitreißendes Porträt.

 

Donnerstag, 03.05.2018, 21:30, Deutsches Theater
Montag, 07.05.2018, 22:00, City 2
Mittwoch, 09.05.2018, 19:00, Atelier

2. For in My Way It Lies

von Lukas von Stein, DE 2018, 90 Min.

Filmstill aus FOR IN MY WAY IT LIES

Der Mythos des musikalischen Genies lebt – genauso wie der Geist des Blues. Wir begegnen ihm in der Gestalt eines gut aussehenden jungen Mannes, der mit einer großen Stimme gesegnet ist. Jesper Munk ist gleichermaßen begabt wie vom bedingungslosen Streben nach Perfektion und von Selbstzweifeln gequält. Jesper Munk lebt nur für die Musik und der Weg zu seiner neuen Platte ist kein einfacher. Über ein Jahr lang begleitet Lukas von Stein den jungen Münchner durch alle Hoch und Tiefs seines Musikerlebens. Das intensive Porträt eines Besessenen zwischen der Intimität im Studio und der Performance auf der großen Bühne. „It’s not getting easier“, erkennt er in einem seiner neuen Songs, „Slow down for me“ bittet er in einem anderen.

 

Samstag, 05.05.2018, 22:00, Deutsches Theater
Mittwoch, 09.05.2018, 21:30, City 2
Freitag, 11.05.2018, 19:30, Atelier
Samstag, 12.05.2018, 20:30, Neues Maxim

3. Shut Up and Play the Piano

von Philipp Jedicke, GB/DE 2018, 82 Min.

Filmstill aus SHUT UP AND PLAY THE PIANO

„Haben Sie schon über den Tod nachgedacht?” fragt Sibylle Berg unvermittelt den Performer und Entertainer Chilly Gonzales im Interview, das sich wie ein roter Faden durch SHUT UP AND PLAY THE PIANO zieht. Das hat er. Denn als Teil seiner Bühnenshow wird bereits ein junges, weibliches Alter Ego zum Duett auf die Bühne gebeten. Die Kunstfigur des „worst MC“ im Bademantel wird so unsterblich. Chilly Gonzales ist die Bühnenmaske von Jason Beck. Der kanadische Musiker, der einst als Underground Performance Artist mit Peaches auftrat, füllt inzwischen mit etablierten Orchestern große Konzertsäle. Er ist ein schwer zu fassendes Chamäleon; manche meinen, ein Genie. Philipp Jedicke präsentiert in seinem Debütfilm Musik, Leben und Image des komplexen Künstlers.

Freitag, 04.05.2018, 21:30, City 2
Sonntag, 06.05.2018, 20:00, Wannda Kulturfestival
Freitag, 11.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film (DOK.music Open Air)

4. Namrud (Troublemaker)

von Frenando Romero Forsthuber, AT 2017, 94 Min.

Filmstill aus NAMRUD (TROUBLEMAKER)

„Is it our job to educate our occupiers?” Der israelische Palästinenser Jowan Safadi thematisiert mit seiner Musik Tabus: Atheismus, Homosexualität, arabisch-jüdischer Hass auf Araber. Er will einen Dialog anregen, den rigiden Status quo überwinden. Doch die auf Arabisch und Hebräisch gesungenen Lieder provozieren. Sein 15-jähriger Sohn kämpft derweil mit den Fäusten im Boxring. Er ist, in den USA aufgewachsen, neu in Israel, lebt nun bei seinem Vater und muss sich in seiner israelisch-palästinensischen Identität erst zurechtfinden. NAMRUD (TROUBLEMAKER) stellt einen außergewöhnlichen Musiker und seine Musik vor und bietet ungewöhnliche Einblicke in den palästinensischen Alltag in Israel. Idealistisch, kämpferisch und hoffnungsvoll.

Donnerstag, 03.05.2018, 19:30, City 2
Samstag, 05.05.2018, 22:00, City 3
Mittwoch, 09.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film (DOK.music Open Air)

5. Matangi/Maya/M.I.A.

von Steve Loveridge, GB/USA/LKA 2018, 97 Min.

Filmstill aus MATANGI/MAYA/M.I.A.

Matangi „Maya“ Arulpragasam – besser bekannt als M.I.A. – ist Musikerin, Multitalent, Mutter und streitbare Aktivistin. Als Kind srilankischer Eltern geboren, flieht sie als Teenager mit ihrer Familie nach London. Ihr Vater, Begründer der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung Tamil Tigers, bleibt im Land und kämpft. Als junge Kunststudentin will Matangi eigentlich Dokumentarfilmerin werden, doch sie findet über die Freundschaft mit Elastica-Frontfrau Justine Frischmann zur Musik und macht ihren Weg bis zum internationalen Popstar. Steven Loveridge, ihr bester Freund seit Schultagen, kombiniert Videoaufnahmen aus 22 Jahren mit Interviews, Konzertmitschnitten und TV-Bildern. Stück für Stück entsteht so das vielschichtige Porträt einer starken Künstlerin, die fest an sich selbst und ihre Wurzeln glaubt.

Donnerstag, 03.05.2018, 22:00, City 2
Dienstag, 08.05.2018, 18:30, Rio 1
Donnerstag, 10.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film (DOK.music Open Air)

6. The Man Behind the Microphone

von Claire Belhassine, GB/TN/QA 2017, 94 Min.

Filmstill aus THE MAN BEHIND THE MICROPHONE

„Man sagt, seine Musik klänge nach Heimat. Das ist womöglich nicht ein Ort, an dem man lebt, sondern ein Ort, wo man verstanden wird und sich selbst wiederfindet.“ Hedi Jouini (1909–1990) schrieb über tausend Lieder, er trat in Filmen auf, stand mit Umm Kulthum auf der Bühne, galt als Playboy und tunesischer Superstar. Ein Staatsbegräbnis ehrte sein Vermächtnis. Doch für die in England aufgewachsene Enkelin war er nur der ferne Großvater. Jahre später entdeckt sie sein musikalisches Erbe und rekonstruiert mittels alter Fotos, Homevideos, Archivbilder und Interviews die ungewöhnliche jüdisch-muslimische Familiengeschichte zwischen deutscher Besatzungszeit, Unabhängigkeitskampf und Arabischem Frühling. Eine (nicht nur) musikalische Wiederentdeckung, die sich lohnt!

 

Samstag, 05.05.2018, 19:30, City 2
Montag, 07.05.2018, 14:00, City 3
Donnerstag, 10.05.2918, 16:00, Neues Maxim

7. Reggae Boyz

von Till Schauder, FR/DE/US 2018, 75 Min.

Filmstill aus REGGAE BOYZ

Auf den Straßen von Kingston dreht sich einiges um Fußball – aber nicht alles: „Where I come from the cities are violent places“, erklärt die jamaikanische Fußballlegende Tuffy Anderson während der WMQualifikation. Die Armut ist groß, die Kriminalitätsrate hoch. Wie kann man diesem teuflischen Kreislauf entfliehen? Durch König Fußball: „Most people from the ghetto have to stick to football cuz football is one of the things that can take you out of it.” Till Schauders musikalische Ode an ein fußballverrücktes Land, in dem schon Bob Marley die gesellschaftliche Kraft des schönen Spiels besungen hat, besticht durch coole Protagonisten und jede Menge Rasta-Man-Sound, der sogar Winnie Schäfer zum Tanzen bringt.

 

Samstag, 05.05.2018, 21:30, HFF – Audimax
Montag, 07.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film (DOK.music Open Air)
Samstag, 12.05.2018, 20:00, HFF – Kino 2

8. Wo bist du, Joao Gilberto?

von Georges Gachot, FR/CH/DE 2018, 107 Min.

Filmstill aus WO BIST DU, JOAO GILBERTO?

„Er soll die Menschen so sehr hassen, dass er sie nicht ertragen kann. Er soll die Menschen so sehr lieben, dass er sie nicht ertragen kann.“ Das sagen seine Nachbarn in Rio de Janeiro über Joao Gilberto, den seit mehr als 30 Jahren aus der Öffentlichkeit verschwundenen Erfinder des Bossa Nova. Georges Gachot nimmt uns mit auf eine unterhaltsame und vielschichtige detektivische Spurensuche. Er trifft unter anderem die Ex-Frau von Gilberto, den Lieblingskoch, ehemalige Musikerkollegen und den anerkannt besten Imitator von dessen einzigartigem Gesang und Gitarrenspiel. Wer ist Joao Gilberto und wo ist er? „Wenn gar nichts klar ist, wenn einen nachts die Fragen nicht schlafen lassen, dann muss man raus, einen Flug nach Rio nehmen und sich auf die Suche nach Antworten machen.“

Samstag, 05.05.2018, 19:00, HFF – Audimax
Dienstag, 08.05.2018, 21:30, Hochschule für Fernsehen und Film (DOK.music Open Air)
Donnerstag, 10.05.2018, 21:00, Rio 2
Samstag, 12.05.2018, 16:00, Carl-Amery-Saal/Gasteig

9. Ethiopiques – Revolt of the Soul

von Maciek Bochniak, PL/DE 2017, 70 Min.

Filmstill aus ETHIOPIQUES – REVOLT OF THE SOUL

„Der Groove ist schrecklich. Schrecklich im Sinne von großartig. Wir hatten so etwas noch nie zuvor gehört.“ Das war die Reaktion des französischen Musikjournalisten Francis Falceto, als er in den 80er-Jahren zum ersten Mal Jazz aus Äthiopien hörte. Der Grundstein für die weltbekannte CD-Serie „Ethiopiques“ war gelegt. Vom Musikproduzent Amha Eshete in den 70er-Jahren aufgenommen, sollte es wegen des sozialistischen Derg Regimes bis 1997 dauern, bis die Platte neu herausgegeben werden und nach Europa gelangen konnte. Neben collageartigen Animationen und Archivmaterial kommen viele der bekannten Musiker in Interviews zu Wort. Ein groovender Must-See-Film für alle Jazz-Liebhaber und Kenner der Éthiopiques-Serie!

 

Freitag, 04.05.2018, 21:30, HFF – Kino 2
Dienstag, 08.05.2018, 21:30, Carl-Amery-Saal/Gasteig
Donnerstag, 10.05.2018, 12:00, Neues Maxim


Beitragsbild: Filmstill aus REGGAE BOYZ


Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erscheint im tagebook, einer Kategorie, die unsere Partner nutzen können, um neue Ideen und Inspirationen in Blog-Beiträgen vorzustellen.

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