Kinogucken, Leben

Kofelgschroa im Kino

Anfang August startet in München die Doku über die sympathische Blasmusik-Band „Kofelgroasch“ in den Kinos. Regisseurin Barbara Weber hat die junge Band aus Bayern sechs Jahre lang durch alle menschlichen und musikalischen Höhen und Tiefen begleitet.

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Man kann nicht anders als die vier von Kofelgschroa direkt ins Herz zu schließen, wie sie ihren „Tourbus“ aus der Tankstelle schieben müssen, weil er nicht anspringt. Und dann schieben sie ihn wieder zurück, weil’s beim ersten Mal nix war und stemmen sich nochmal mit ganzer Kraft rein. Und das mit einer Gelassenheit und Selbstverständlichkeit wie man sie vielleicht nur noch an Orten wie O(berammer)gau findet.

Dieses Bild beschreibt auch recht gut die Geschichte der Band, die sich seit ihrer Gründung 2007 – damals hießen sie noch Kofelmusik – bereits einmal getrennt hat.  Der Dokumentarfilm „Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.“ von Regisseurin Barbara Weber ist aber nicht nur das liebenswertes Portrait einer Band, die so geerdet zu sein scheint wie einer der Berge, die in ihrer Heimat in die Landschaft ragen, sondern vielmehr ein Bild all jener sorgenvollen Gedanken aus den Mittzwanzigern eines heranwachsenden Lebens.

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Kofelgschroa, das sind der Zweifler und Poet Maxi Pongratz am Akkordeon, der vorübergehende Architekturstudent und gläubige Christ Matthias Meichelböck am Tenorhorn, Tierfreund und Grübler Martin von Mücke mit seiner Helikontuba und Michael von Mücke, der Bodenständige, an Flügehorn und Gitarre. Gemeinsam erzeugen sie bayerischen Sound, den sie selbst als melancholisch, dadaistisch, komisch, minimalistisch, einfach, durchsichtig, irgendwie abgedreht und verträumt beschreiben. „Wir mögen Wechseltakte, Mollakkorde und lange Sücke, in denen oft in der Länge die Qualität liegt. Natürlich ist es zu lange auch nichts.“, erklären sie offiziell.

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Bald fällt auf, dass die Freunde nicht besonders gut darin sind sich kurz zu fassen. Auch nicht als sie für Promo bei einem Berliner Radiosender on air sind. Während wir in der Stadt, wo immer alles schnell gehen muss, schon gar nicht mehr gewohnt sind, wenn das Gegenüber ausgiebig über eine Antwort nachdenkt, nehmen Kofelgschroa sich noch die Zeit, Worte sorgsam zu wählen, umzustellen, zu widerrufen und auszudiskutieren. Und ganz oft auch einfach zum Schweigen.  „I sog ned a so und a ned a so. Ned, dass irgendeber sogt i sog so oder a so“, singen sie in einem ihren beliebtesten Lieder.

Und damit sind wir bei einem Kernproblem unserer Zeit, das Kofelgschroa in ihren Texten thematisieren und das auch im Film immer wieder zur Sprache kommt: Die Qual der Wahl. Die gemütliche Mitte. Das Vermeiden des Sich-Entscheiden. Die unendliche Zahl an Abzweigungen, vor denen man als junger Mensch steht. „Interessant ist, dass aus dieser Angst sich zu binden eine Angst vorhergeht, nämlich die Angst zu sagen, ja es gibt ein Richtig und es gibt ein Falsch“, sagt Matthias dazu im Film.

Man kann nur hoffen, dass Kofelgschroa sich immer wieder zum Musikmachen entscheiden und dass andersherum viele, viele Leute beschließen sich diesen rührenden Film anzusehen.

Filmstart München: 7. August

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