Kultur, Nach(t)kritik

Kopfkino mit Hesse

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Peter Gardill-Vaassen

Journalist, Texter und Ideenschmied bei text&ideenbüro alltagdigital
Münchner Journalist, Blogger, Organisationstalent.
Mag das Leben in der Stadt, Ist fasziniert vom digitalem Alltag, schreibt über Selbstorganisation sowie Freizeit und Kultur.
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Ob zu seinen Lebzeiten oder nach dem Tode, Hermann Hesse hatte die Leser immer in Bewunderer und Verächter seiner Person gespalten. Drei, die eindeutig zu seinen Bewunderern zählen, zeigten im Rahmen des Münchner Literaturfestes noch einmal die Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit auf. Gunnar Decker, der den zahlreichen Biografien Hesses eine weitere, sehr lesenswerte hinzugefügt hat, der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker und der Schauspieler Robert Stadlober versuchten im Carl-Orff-Saal des Gasteigs einige der zahlreichen Facetten des Schriftstellers jenseits von Steppenwolf und Siddharta zu vermitteln. Und wie immer wenn man mit Freude und Begeisterung bei der Sache ist, gelingt es auch das Publikum zu begeistern.
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Stadtlober las eine Episode aus dem Kurgast; eine Geschichte in der Hesse an seinem holländischen Zimmernachbarn verzweifelt, ihn in Gedanken abreisen lässt um wieder zu Ruhe zu kommen und dann aber völlig niedergeschlagen ist, nachdem der verhasste Nachbar tatsächlich das Kurhaus verlässt.  Stadlober hat als Schauspieler Übung darin, beim Zuhörer das Kopfkino anzuwerfen und den nervigen Holländer anhand der präzisen Beobachtungen Hesses tatsächlich zum Leben zu erwecken.

Gunnar Decker zeigte in den Passagen seiner Biografie den Literaten als einen von Krisen und Selbstzweifeln Getriebenen, der seinen Mitmenschen – und besonders seinen Ehefrauen – den Umgang mit ihm wirklich nicht leicht machte. Auch Konstantin Wecker wusste das Publikum für sich zu gewinnen. Die Gedichte die er vortrug, bekamen durch den schmeichelnden Bariton seiner Stimme noch eine ganz besondere Aura. Zum Schluss wartete Wecker noch mit einem Schmankerl auf. Zu Besuch in München bei Joachim Ringelnatz und Thomas Mann, wollte Hermann Hesse zur Erheiterung mal einen „echten klassischen Komiker“ erleben. Empfohlen wurde ihm Karl Valentin mit seinem Stück “ Die Raubritter vor München“, das damals gerade in den Kammerspielen aufgeführt wurde. Hesse – der eigentlich kein Freund des Theaters war – amüsierte sich jedoch köstlich dabei, obwohl er es „manchmal auch zum Schluchzen traurig“ fand. Mit brausendem Applaus wurde Valentin an diesem Abend bedacht. „Nie habe ich ein vergnügteres Publikum gesehen“, resümierte Hesse danach. Zu einem ähnlichen Schluss konnte man auch am Ende dieser gelungenen Hermann-Hesse-Nacht kommen.

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Peter Gardill-Vaassen

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