Foto: Bárbara Ferreira
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+++Update+++ Drunt in da greana Au steht das Maxwerk mit einer wunderschönen Dachterrasse

Update Mittwoch, 25.4.: Augustiner nimmt „von dem Vorhaben eines Gastbetriebes im Maxwerk Abstand“. 

Die volle Begründung im Wortlaut:

„Zwar hat die Brauerei die Ausschreibung der Stadtwerke München für eine geplante gastronomische Nutzung des ältesten Münchner Wasserkraftwerks gewonnen, das in den Maximiliansanlagen unterhalb des Bayerischen Landtags (Maximilianeum) direkt an der Isar liegt. Aber der Bezirksausschuss Au/Haidhausen, auf dessen Gemarkung sich das Gebäude befindet, hat sich mit einer großen Mehrheit gegen eine gastronomische Nutzung des Maxwerks ausgesprochen. Zudem hat es erhebliche Proteste gegen das Vorhaben gegeben.

Die Brauerei wird nicht gegen den artikulierten Willen der betroffenen Bevölkerung ein umstrittenes Projekt durchdrücken, das im Übrigen in dieser verkleinerten Variante ohnedies kaum mehr wirtschaftlich zu betreiben wäre. Denn in langen Diskussionen und bei mehreren Gremiensitzungen über Monate hinweg wurde gefordert, die gastronomischen Möglichkeiten immer weiter zu verringern. Aus all diesen Gründen nimmt Augustiner von dem Vorhaben eines Gastbetriebes im Maxwerk Abstand.“

 

„Immer des Gschiss mit dem Maxwerk“, werden sich wohl manche Beteiligte schon denken, wenn es um die Zukunft des Wasserkraftwerks in den Isarauen geht. Seit 2014 beschäftigen sich die Stadtwerke München (SWM) nun schon damit, das schmucke Kraftwerkchen für eine weitere Nutzung (sprich: für Gastronomie) zu öffnen, doch wirklich fix ist bis heute immer noch nichts.

Konkrete Pläne gibt zwar seit langem – nur Protest dagegen auch. Das Maximilianswerk ist eines der ältesten noch betriebenen Wasserkraftwerke in Bayern und eines der schönsten seiner Art. Denn damit es nicht komplett aus der royalen Optik unterhalb des Maximilianeums fällt, wurde das Kraftwerk im Stil eines barocken Lustschlösschens nach den Plänen von Carl Hocheder gebaut, inklusive einer sehr geräumigen Dachterrasse.

„Wettbewerb mit beschränkter Teilnahme“

Dass sich die schöne Dachterrasse mit dem repräsentativen Bau an der Isar recht gut für eine gastronomische Nutzung eignen würde, hatte bereits der 2014 verstorbene Augustiner-Chef Jannik Inselkammer erkannt und gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Florian Bieberbach Überlegungen angestellt, wie man das Kraftwerk zusätzlich als Gastronomie betreiben könnte, wie die SZ 2014 berichtete.

Auf den Bericht hin hätten sich neben der Augustiner Brauerei weitere acht Interessenten bei den Stadtwerken gemeldet, wie Michael Solić (SWM) berichtet. Daraufhin habe man diese gebeten, ein Angebot abzugeben und 2015 einen „Wettbewerb mit beschränkter Teilnahme“ durchgeführt. „Die Augustiner Brauerei hatte das stimmigste Angebot abgegeben“, erklärt Solić die Auswahl und kann deswegen auch den Vorwurf der Vetternwirtschaft nicht verstehen, der von Gegnern des Vorhabens kürzlich geäußert wurde. Unter den Bewertungskriterien sei die Erfahrung mit dem Denkmalschutz ein wesentlicher Baustein gewesen. Auch habe man darauf geachtet, ob das Konzept in dem Umfeld stimmig ist und ob ein Bewerber das Projekt überhaupt finanziell stemmen kann.

„Kein Ballermann am Maxwerk“

Seit die Pläne allerdings konkreter werden, verhärtet sich auch die Front der Gastrogegner. Vor allem der örtliche Bezirksausschuss (BA) Au/Haidhausen hat sich mehrfach gegen das Gastronomiekonzept ausgesprochen und möchte das Projekt verhindern – auch nachdem die Brauerei ihre Pläne abgeändert hatte und die geplanten 430 auf 230 Plätze reduziert hatte. Man sehe vor allem die Ruhe im Landschaftsschutzgebiet in Gefahr und fürchtet, dass mit den Freischankflächen „die Hölle los sein“ werde, wie es die BA-Vorsitzende Adelheid Dietz-Will (SPD) auf einer außerordentlichen Sitzung 2017 formulierte. Bei einer Ortsbegehung Anfang April wurde die Rethorik der Gegner noch einmal drastischer: „Kein Ballermann am Maxwerk“ war mitunter auf den Schildern zu lesen (siehe Video).

Michael Solić kann sich darüber nur wundern. Augustiner stehe doch eher für Bodenständigkeit als für Ballermann und sei seit jeher mit der Stadt verwurzelt. Man wolle eine „nette kleine Wirtschaft und kein Etepetete“. Das Ziel der Stadtwerke sei vor allem, „das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

Vor kurzem kam schließlich noch ein Kaufvertrag von 1894 ins Spiel, der den Stadtwerken eine andere Nutzung außer der Wasserkraft nicht gestatte. Den Vertrag sieht man bei den Stadtwerken allerdings gelassen. Das Verbot der Umnutzung sollte verhindern, dass ein Dampfkraftwerk errichtet werde und an der Wasserkraftnutzung werde sich auch mit einer Gatronomie nichts ändern.

Und jetzt?

Bei den Stadtwerken München wartet man eigentlich nur auf den Bauantrag der Augustiner Brauerei. Die allerdings möchte nicht „gegen den artikulierten Bürgerwillen agieren“. Zwar hätten der Stadtrat und die Stadtverwaltung dem Projekt bereits zugestimmt und Online-Umfragen wie von sueddeutsche.de (69 Prozent für „super Idee, das würde die Gegend aufwerten“ bei 3.341 Abstimmungen/Stand 17.04.2018) nehme man natürlich zur Kenntnis, aber der Bezirksausschuss sei ein wesentlicher Teil des artikulierten Bürgerwillens. Augustiner bleibt weiterhin interessiert und würde gerne aktiv werden, „aber dafür müssen sich die politischen Gremien in München einigen“.

Angesichts des innerstädtischen Patts sieht nach jetzigem Stand danach aus, als würde mindestens bis zu den nächsten Kommunalwahlen 2020 das Maxwerk gastrofrei bleiben. Vielleicht setzen sich die Stadtwerke ja noch einmal mit dem Bezirksausschuss zusammen. Oder sie suchen sich derweil einen Partner für eine Zwischennutzungskonzept.


Beitragsbild: © Bárbara Ferreira

5 Comments
  • Stefan Engelsberger
    Posted at 15:52h, 23 April

    Das ist doch nicht die Au, sondern Haidhausen.

  • Max Büch
    Posted at 17:04h, 23 April

    Aber in den Isarauen

  • Wildfleck
    Posted at 21:55h, 23 April

    Im Landschaftsschutzgebiet Isarauen, dass zum Ballermann verkommt. Alle 200 Meter eine Kneipe.

  • Nikolaus Haeusgen
    Posted at 23:43h, 24 April

    Presseerklärung des BA 5 Au-Haidhausen zum Maxwerk:

    Die farbenfrohe Protestaktion des Bezirksausschusses an der Isar gegen das Gaststätten- Projekt am Maxwerk hat ein enormes Medienecho erfahren. Neben viel Zustimmung und Zuspruch gab es auch kritische Stimmen, die den BA als „Spaßbremse“ und „Gegner der Lebensfreude“ darstellten, dem es nur oder hauptsächlich um die ungestörte Ruhe der unmittelbaren Nachbarschaft gehe.

    Der BA 5 Au-Haidhausen stimmt Jahr für Jahr zahlreichen Freischankflächen oder deren Erweiterung im Stadtbezirk zu, wo immer es vertretbar ist. Wir sind keineswegs „gegen Gastronomie“, sondern machen vielmehr seriös unsere – ehrenamtliche – Arbeit und schauen uns jeden Einzelfall genau an – so auch beim Maxwerk.

    Daher seien alle Argumente des Bezirksausschusses zum Thema „Maxwerk“ hier nochmals zusammengefasst:

    1) Das Maxwerk liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet Maximiliansanlagen – ein natürlicher Lebensraum, der absolute Priorität genießt. Diesen wertvollen Naherholungsraum wollen wir nicht nur für die Bevölkerung Haidhausens erhalten, des am zweitdichtesten besiedelten Stadtteils Münchens, sondern für alle Münchner Bürgerinnen und Bürger.

    2) Es ist kein „Biergarten“-Grundstück rund ums Maxwerk vorhanden. Die umliegenden Maximiliansanlagen haben mit der Schlösser- und Seenverwaltung des Freistaats Bayern einen ganz anderen Eigentümer. Auf dem Maxwerk-Grundstück gibt es nicht einmal Platz für Radlständer in erforderlicher Anzahl.

    3) Die geplante Gaststättennutzung würde zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Erholungsraums führen. Der Lieferverkehr (Bierlaster, Müllabfuhr etc.) müsste über den schmalen Rad- und Fußweg erfolgen, es gibt keine vernünftige Zufahrt und keine Wendemöglichkeit (Folge: Rangierverkehr).

    4) Das Maxwerk wurde bewusst als architektonisch anspruchsvolles, romantisch in den Park eingebettetes „Schlösschen für die Technik“ konzipiert und würde durch die geplante Gaststättennutzung diesen Charakter verlieren. Der Gaststättenumbau im beabsichtigten Umfang erfordert beträchtliche Eingriffe ins Denkmal, sowohl im Inneren als auch von außen, obwohl das Maxwerk in seiner Substanz vollständig original erhalten ist. Als wertvolles Natur- und Landschaftsdenkmal stehen im übrigen auch die Maximiliansanlagen unter besonderem Schutz.

    5) In vier Bürgerversammlungen haben sich die Bewohner von Au-Haidhausen eindeutig und mit großer Mehrheit gegen das Augustiner-Projekt ausgesprochen. Aber auch der Stadtrat selbst hatte – aus gutem Grund – im „Rahmenplan zur innerstädtischen Isar“ einstimmig beschlossen, lediglich ein „kleines Café“ im Maxwerk als Möglichkeit vorzusehen.

    6) In der Umgebung gibt es bereits zahlreiche Gaststätten und Biergärten (Hofbräukeller, Landtags-Gaststätte, Muffathalle, Volksbad), Eventlocations (Praterinsel, „Kulturstrand“)
    oder Kioske (ehem. WC am Volksbad); weitere Dachterrassen mit Gastronomie sind geplant oder befinden sich bereits in Umsetzung (Gasteig, Deutsches Museum). Der Genuss des innerstädtischen Isarraums ist nicht von einer Gastronomie im Maxwerk abhängig – der innerstädtische Isarraum ist bereits sehr belebt und beliebt und bedarf keiner „Revitalisierung“ oder Kommerzialisierung.

    7) Auch in vielen anderen Städten gibt es Parks und Gebäude, wo keine Gaststätten sind. Der Vergleich mit Städten wie Paris ist historisch und topographisch verfehlt – die Isar ist ein Gebirgsfluss, weshalb an ihren innerstädtischen Ufern im Gegensatz zu Städten an behäbigen Strömen keine Wirtsterrassen sind.

    8) Das Grundstück des Maxwerks ist hinsichtlich seiner Nutzung vertraglich zweckgebunden; die Teil-Nutzung als Gaststätte im geplanten Umfang würde dem seinerzeitigen Übereignungsvertrag an die Stadt zuwiderlaufen.

    9) Die Stadtwerke als Eigentümer haben das Denkmal Maxwerk jahrelang vernachlässigt und sind gesetzlich verpflichtet, es ordnungsgemäß instand zu setzen. Mit der Turbine des Maxwerks verdienen die Stadtwerke Tag für Tag Geld, so dass es ohne weiteres möglich wäre, der Erhaltungspflicht nachzukommen. Zum Erhalt des Maxwerks ist es keineswegs erforderlich, dass die Augustiner-Brauerei dort eine große Gaststätte errichtet. Auch gab es kein transparentes Vergabe- / Ausschreibungsverfahren, bei dem andere Bewerber eine faire Chance gehabt hätten (Flößermuseum, kleines Café usw.).

    10) Die zahlreichen Anfragen und Anträge des BA werden bis heute nicht bearbeitet, da angeblich gar kein konkretes Projekt vorliege. Durch dieses Vorgehen der Stadt werden die Antrags- und Anfragerechte des Bezirksausschusses letztlich ausgehebelt, während „hinter den Kulissen“ das Projekt forciert wird.

    FAZIT:

    Der BA 5 mit seinen gewählten Volksvertreterinnen und -vertretern greift die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung auf, die den Erholungsraum eindeutig erhalten möchte und dem Landschaftsschutz Vorrang einräumt vor den Einzelinteressen der Beteiligten (SWM, Augustiner). Der Preis, den die Bevölkerung durch die Beeinträchtigung von Naherholungsfläche und Landschaft zu zahlen hätte, ist für die Errichtung einer Gaststätte unbezahlbar hoch und irreversibel, da eine einmal erteilte Baugenehmigung nicht zurückgenommen werden kann. In der konsequenten Ablehnung des Gastronomie-Projekts sind sich die BA-Mitglieder übrigens über die Parteigrenzen hinweg weitestgehend einig (SPD- und CSU-Fraktion einstimmig, Bündnis 90/Die Grünen mit deutlicher Mehrheit).

    Der BA 5 wird deshalb den Bürgerwillen und den natürlichen Lebens- und Naherholungsraum für alle Münchner Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin mit Nachdruck verteidigen.

  • Wildfleck
    Posted at 09:49h, 27 April

    Der Anschlag auf die traditionelle Münchner Isarkultur des gepflegten Abhängens ohne kommerziellen Ausschank mit viel Gaudi und Fantasie wir den Stadtwerken, Augustiner und den unterstützenden Medien nicht vergessen. Die Stimmen aus der Nachbarschaft sind heute klar erleichternd. 200.000 Isaranwohner haben keinen Bock auf noch mehr Bespaßung, Touristen, Bier- und Partypeople und sonstige Massen hier. Wir sind München!

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