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Meine Halte: Hohenzollernplatz – angenehm schäbiger Flair in Schwabing

Leila Herrmann

Der Geruch von Döner. Das Geschrei der Kinder, die am Springbrunnen plantschen. Cafés, in denen türkisch auf bayerisch trifft. Daneben Feinkost von Vinzenz Murr. May I present: der Hohenzollernplatz, meine Halte.

Zwischen Linden und Plastikstühlen

Es ist Mitte September, ein typischer Spätsommerabend. Die U2 kommt zum Stehen und ich werde vom grellen LED-Licht begrüßt, das von schicken Aluminium-Lamellen geschmückt wird. Die ganze Station ist – sagen wir mal – eher funktional. Vorbei an einem Fotoautomaten und Werbeplakaten von Hellabrunn nehme ich die Rolltreppe, wo mir die ersten Sonnenstrahlen auf mein Gesicht fallen. Und da stehe ich: direkt auf dem Hohenzollernplatz, einem gepflasterten, mit Linden bepflanzten Platz, in dessen Mitte sich ein Springbrunnen befindet. Daneben Shops, Plastikstühle, Baustellenromantik.

Von Anzugträgern und Münchner Schickeria-Omis mit geföhnten Haaren und roten Lippen ist weit und breit nichts zu sehen. Hier treffen sich Jugendliche, die zusammen mit ihren Freunden Döner und Cola verschlingen, rauchen, sich unterhalten, Mütter, die ihren Kindern beim Spielen zusehen und welche, die gerade ihr (drittes) Feierabendbier genießen.

Billo-Pasta als Ausgleich zur Lage

Ich gehe noch einmal kurz zu Netto, um mir Tomatensoße und Spaghetti von Mondo Italiano für nicht mal einen Euro zu holen – so finanziert man sich das Leben, wenn man in Schwabing wohnt. Zum Abschied noch ein „Karte hier rein, Danke, Servus“ von der charmanten Netto-Verkäuferin.

Der Hohenzollernplatz hat neben Supermarkt noch einiges zu bieten: Dönerbude, Nagelstudio, Asia-Markt, Thaimassage, Apotheke, Feinkost, Buchhandlung. Erstaunlich schäbig dafür, dass wir uns mitten in Schwabing befinden. Aber auch angenehm vielfältig und preiswert. Hier gibt es alles, weshalb ich gerade im Winter, wenn man keine Lust hat lange draußen unterwegs zu sein, mein Viertel für ein paar Tage nicht verlasse.

U2, meine Liebste

Und das Beste daran, so nah am Hohenzollernplatz zu wohnen: die Lage. Der Hohenzollernplatz ist als ein Verkehrsknotenpunkt in Schwabing mit einer U-Bahn-Station, zwei Straßenbahnlinien, einer Busverbindung und einigen Nachtlinien für alle Nachtschwärmer ein absoluter Jackpot. Besonders die U2, die mich täglich in die MucBook-Redaktion am Hauptbahnhof oder am Wochenende zur Fraunhoferstraße bringt, für den Vino am Gärtnerplatz.

Nicht weit entfernt befindet sich der Luitpoldpark, wo ich gleich noch einen Spaziergang mache, bevor die heißgeliebte Spaghetti Arrabiata gekocht wird.

Das ist also meine Hood: Ein bisschen schäbig, ein bisschen schick. Hier, inmitten einer Vielfalt an Shops und Menschen, bekomme ich dieses wohlige Großstadtfeeling. Das ist genau der Grund, wieso ich vor drei Jahren vom Land in die Stadt gezogen bin – und gerade dieses Viertel auch nicht mehr verlassen will.

Ich steuere auf die schönen Fassaden zu. Ein letzter Blick auf die belebte Kulisse. Bis morgen früh, meine liebste Halte. 

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