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Meine Halte: Rotkreuzplatz – Nice to meet you 

In dieser Rubrik stellen MUCBOOK Autor*innen normalerweise ihre Go-To-Haltestelle sowie ihr Heimatviertel vor. Was, aber wenn man dieses selbst noch gar nicht kennt? Ich bin gerade erst nach München gezogen und nehme euch mit zu meinem First Date mit meiner Halte: 

„Warum München?“

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf bei Freiburg. Nach vier Jahren Mannheim  und einem kurzen Abstecher in Berlin bin ich jetzt also in München gelandet. „Warum München?“, fragte mich jeder, der mit München nur Fußball und Weißwürste verbindet und mich gerade gut genug kennt, um zu wissen, dass ich mit beidem nicht sonderlich viel anfangen kann. „Ist ganz schön da“, antwortete ich meistens nur, um einer Diskussion über Fußballvereine oder Fleischkonsum aus dem Weg zu gehen. Beides spielt in meiner Vorstellung von München nämlich keine große Rolle. Ich denke an eine Stadt, die groß genug ist, um ständig etwas Neues zu entdecken und klein genug, um keine Weltreise hinter sich bringen zu müssen, falls man jemanden in einem anderen Viertel besuchen möchte. Eine Stadt, deren Schönheit man nicht erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt, sondern die einen förmlich anschreit und in der es sich tatsächlich lohnt, hin und wieder mal raus in die Natur zu fahren. Die Frage lautet also: Warum nicht München?

Next Stop: Neuhausen

Mit einem geliehenen Auto, vollgepackt mit ein paar Umzugskartons, meinem Fahrrad und einem gemischten Gefühl aus Vorfreude und Nervosität erreiche ich meine neue Hood: München Neuhausen. Ein kurzes Aufatmen, als mir sicher sein kann, dass ich bei meinem Online-WG-Casting nicht reingelegt wurde und das Haus sowie die Wohnung genau dort sind, wo sie sein sollen. Wenige Tage später ist es dann so weit, mein erstes Treffen mit meiner neuen Halte. Gespannt schlendere ich die Leonrodstraße entlang und schwelge in Gedanken an meine Verflossenen, die Halten meiner Vergangenheit, welche in mehr oder weniger guter Erinnerung geblieben sind. Aber kaum bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass sie mir doch alle sehr treu waren, habe ich mein Ziel auch schon erreicht.

Großstadt trifft auf Dorfcharme 

Tadaa, das ist er also, der Rotkreuzplatz. Weit und breit keine Hipster-Cafés, in denen gut gekleidete Student*innen ihre Açai-Bowls löffeln, keine prachtvollen Altbauten, wie man sie bei der Nähe zum Nymphenburger Schloss vielleicht erwarten könnte und nicht einmal eine auffallend hohe Dichte an BMW-Fahrer*innen. Bin ich überhaupt in München? Vorzufinden ist ein Platz der sich in jeder deutschen Kleinstadt befinden könnte, inklusive Galeria Kaufhof (ja, gibt es noch), McDonalds und einem Eiscafé Venezia. Zwischen dem auffälligen Schwesternwohnheim des Bayrischen Roten Kreuzes, welchem der Platz vermutlich seinen Namen zu verdanken hat, einer nach Hausmannskost aussehender Gaststätte und einer großen Auswahl an Apotheken, befindet sich der Rotkreuzplatz geschmückt mit einem kleinen Brunnen aus Steinfiguren und einem einsamen Gemüsestand. Begeistert von dem Charme dieser ungenierten Bodenständigkeit, tauche ich dann in die U-Bahnstation Rotkreuzplatz ab, welche mich freundlich mit ihren ausgebleichten gelben Fliesen begrüßt. Mit einem überwürzten Bulgursalat für 3,60 €, den es hier unten zu erwerben gibt, warte ich auf die U1 in Richtung Schickeria und Hipster-Cafés. 

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