Good Luck, Kultur, Was machen wir heute?

„Nicht immer konform“ – Balbina im Interview

Sharon Brehm

ist in München verliebt und in der Welt zuhause - und damit unverschämt glücklich. Weil Liebe ihre Passion ist, ist sie systemische Paartherapeutin & Love Coach: lovemoves.de
Sharon Brehm

B wie bezaubernd – oder eben wie Balbina. Würde auch gut passen. Zumindest wäre „bezaubernd“ das Wort, mit dem ich das Interview mit der Berliner Liedermacherin beschreiben würde. Nicht weil ich eine kleine Schleimerin bin, sondern weil es um Themen wie geometrische Traumlandschaften, Zeitsprünge in Balbinas Vita und Nonkonformität geht. Wie bei Dali ist ihr Zugang zur Welt ein wenig surreal, aber ohne Frage ehrlich und sympathisch.

Balbina – im Übrigen ihr echter Name – kennt man vielleicht als Festivalact, Vorband von Herbert Grönemeyer oder Gesangsstimme in dem ein oder anderen Rap-Song. Auf ihrer Deutschlandtour hat man nun die Möglichkeit, sie mit ihrem philosophischen Gedankenkosmos des zweiten Albums noch besser kennen zu lernen.

In deinem Song „Goldfisch“ singst du „Wir erinnern uns nicht gern.“ Das klingt fast so, als wäre Vergesslichkeit ein Vorsatz.

Auch Vorsatz kann natürlich ein Grund sein, warum wir im Alltag vergesslich sind. Vor allem, wenn man etwas verdrängen möchte. Aber das ist nur ein Denkansatz von vielen in diesem Lied. Meine Vergesslichkeit rührt bestimmt auch daher, dass ich nicht über alle Dinge nachdenken möchte und deshalb ad acta lege. Nicht zuletzt um auch Platz für Neues zu schaffen.

Umso bewusster frage ich dich nach deiner skurillsten Erinnerung auf der Bühne.

Ich bin einmal gestolpert, umgefallen und auf dem Hinterkopf gelandet, aber ich habe einfach weiter gesungen. Ich sah aus wie ein Käfer auf dem Rücken, aber das muss man mit Humor nehmen. (lacht)

Auf was können sich Konzertbesucher noch freuen?

Bis jetzt war ich vor allem auf Festivals oder als Vorgruppe. Die Performance war also eher kurz. Diesmal haben wir einfach Balbina-Zeit in vollster Aufführung. Heraus sticht wohl meine Bekleidung, aber ansonsten fokussiere ich mich auf Musik und Gesang.

In „Langsam langsamer“ heißt es „Ich bin so müde vom Sprint durch die eigene Vita“. Wenn du jetzt an einem richtig schönen Punkt stehen bleiben dürftest, um Luft zu holen, welcher wäre das?

Ganz ehrlich: Ich würde meine Einschulung in die Grundschule nochmal erleben wollen. Meine ganze Familie aus Polen war da und ich hatte diese tolle, blaue Garfield-Schultüte. Alles war so aufregend und ich wollte auch unbedingt in die Schule. Damals, als kleines Kind, war man noch unbeschwert.

Wie setzt du deine Musikvideos um, die zwischen Traum und Minimalismus hängen?

Wenn ich mit meinen spontanen, wahnwitzigen Ideen für diese geometrischen Traumlandschaften ankomme, verdrehen alle zuerst die Augen und bekommen Nervenzusammenbrüche. Aber dann ziehen wir diese Videos als Freunde durch und hämmern, sägen und malen gemeinsam.

Andere LiedermacherInnen singen überwiegend zu Beziehungsthemen. Interessiert dich das Thema Liebe weniger oder sind andere Fragen einfach wichtiger für dich?

Liebe in all ihren Facetten interessiert mich natürlich und darüber gibt es immer viel Redebedarf. Aber das ist nur ein Teil meines Alltags. Von Montag bis Sonntag spielt ja nicht nur dieses Thema eine Rolle. Dann vergisst du mal was, kommst zu spät, musst dich entscheiden, fühlst dich einsam oder bist überfordert. Mir sind diese alltäglichen Philosophien wichtiger, weil sie oft die Basis dafür bilden, wie man agiert und schließlich auch wie man liebt. Aber es gibt ein Liebeslied: „Heizung“.

In deinen Musikvideos und auch in der Vita schlägst du eher unkonventionelle Wege ein. Welchen Tipp hast du, wenn es ums Anders-Sein geht?

Meine Schulzeit in der Mittelstufe war wie ein Boot-Camp, in dem ich gelernt habe, mich durch zu schlagen und eine Kraft von Innen heraus zu entwickeln. Ich weiß, dass man selbst ausweglose Situationen immer irgendwie meistert. Das Urteil anderer Menschen kann dabei sehr begrenzend sein und deswegen sollte man sehr genau darauf achten, wessen Meinung wirklich Wert hat.  Manchmal muss man sich auf seinen Hosenboden setzen, überlegen, wer man seien möchte, und das durchziehen. Das ist nicht immer konform, aber das ist auch okay.

Balbina, Danke für das Interview!

Danke dir!

Noch nicht genug von diesem erfrischenden Blick auf den Alltag? Dann like, teile oder kommentiere diesen Beitrag auf Facebook und gewinne 1×2 Karten für das Konzert!

 

Was? Über das Grübeln Tour 2015 mit Okan Frei als Support
Wo? Milla Club, Holzstraße 28
Wann? 14. Oktober, Beginn 21:00 Uhr
Karten? 18,88€ im VVK, 19€ an der Abendkasse, 16€ bei Reservierung über: reservierung@milla-club.de

 

No Comments

Post A Comment

Die Start-up Ausgabe

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons