Kultur, Nach(t)kritik

Nichts bereut. | Die Startrampe in der Milla

Anika Landsteiner

Die Startrampe hat mit den drei Bands Cosby, James Hersey und AnnenMayKantereit einen fabulösen Abschluss gefeiert und sich von allen dreien gebührend verabschiedet. Und die von ihnen. Und wir von den Bands. Und überhaupt wars richtig schön.

Ich bin da ganz ehrlich. Ich habe mich für AnnenMayKantereit beim Gewinnspiel beworben. Es gab nämlich keinen üblichen Kartenverkauf, sondern die harte Challenge, den Namen der Wunschband rückwärts aufzusprechen und die Sprachnachricht dem Team von Puls zukommen zu lassen. Nachdem ich echt geübt habe, weil ich mir natürlich den schwierigsten Namen heraussuchen musste, habe ich das Ding abgeschickt und hatte famoses Glück.

„Ich will nicht jeden Morgen von neuem die letzte Nacht bereuen“.

Cosby und James Hersey haben mich überzeugt, doch gewartet habe ich auf die drei Jungs, die ich bereits in der ausverkauften Muffathalle gesehen habe. Man möchte mich Groupie schimpfen, ich sage da nur: Besser spät als nie, diese Phase habe ich nämlich in meiner Jugend nicht durchlebt.

„Immer wieder Warten. In leisen Telefonaten. Worauf genau, weiß ich nicht, vielleicht auf dein Gesicht.“

Wenn Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und ihr Bassist Malte Huck die Bühne betreten, fragt man sich unweigerlich und erneut, wie das sein kann. Mit diesen Texten, dieser Stimme, dieser Wucht an geballter Lebensfreude und gleichzeitigem jugendlichen Trotz, gepaart mit dem Singen über die ganz großen Liebesgeschichten. Als hätten sie alles bereits erlebt, aber dann drehen sie das Blatt und Henning ruft uns zu:
„Du bist 21, 22, 23 und du kannst noch gar nicht wissen, was du willst.“ Alle nicken, auch die jenseits dieses Alters. Also ich. „Und du bist 24, 25, 26 und du tanzt nicht mehr wie früher.“ Und alle tanzen. Egal wie.

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Ich weiß nicht genau, was es ist, aber das muss ich auch nicht. Denn meine Konzertbegleitung, die mich vorher noch mit meinen großen Tönen aufgezogen hat, schaut mich nach der halben Stunde, die den Jungs zur Verfügung stand, an und zeigt mir ihre Arme. „Ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut.“ Sag ich doch.

Mein großer Dank gilt der Startrampe, einem fabelhaften Format aus dem Hause Puls, bei dem junge Bands in einen Oldtimerbus gepackt und auf einen Road Trip geschickt werden. Was bewegt sie, wo wollen sie hin, was wünschen sie sich für diesen Ausflug und was geben sie von sich preis?

„Nicht nichts ohne dich, aber weniger, viel weniger für mich.“

Es war ein unglaublich schöner Abend und vielleicht einer der letzten, an denen man die Intimität der Texte so intensiv spüren konnte. Denn blinzelt man kurz, stehen AnnenMayKantereit bereits im Sommer auf den Bühnen der ganz großen Festivals. Das wird sicherlich nicht minder schön, aber vielleicht hat es nicht mehr ganz so viel Magie wie an diesem einen Abend in der Milla.

Und wie überbrücken wir die Zeit dazwischen? „Wird schon irgendwie gehen“, sagen die Jungs, sage ich, sagen alle und wir legen die Platte auf und versuchen so zu tanzen wie früher.

Fotocredit: Privat

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