Kultur, Nach(t)kritik

Oper, verführerisch

Corinna Klimek

Ich reise gerne, gehe oft ins Musiktheater und lese viel. Manchmal kombiniere ich auch alles miteinander. Seit 7 Jahren schreibe ich darüber unter www.nacht-gedanken.de

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dongiovanni

In Münchens kleinstem Opernhaus, der Pasinger Fabrik, läuft noch bis zum 26. Februar die zweite Serie der umjubelten Don Giovanni-Inszenierung von Julia Dippel, die im Juni 2011 Premiere hatte.

Don Giovanni ist ein Verführer, der sich ohne die täglich neue Herausforderung, eine Frau zu erobern, nicht mehr selbst definieren kann. So lässt er auch seine Gattin Donna Elvira in der Hochzeitsnacht einfach stehen, denn das Ziel ist erreicht. Warum er sie überhaupt geheiratet hat, ist schleierhaft. Er versucht es bei Donna Anna, sein Diener Leporello muss Schmiere stehen. Donna Anna will aber nicht so recht, ihre Hilfeschreie wecken den Vater, der daraufhin von Don Giovanni ermordet wird. Er lässt eine gebrochene Donna Anna zurück, deren Verlobter Don Ottavio Rache für den Tod des Schwiegervaters in spe schwört. Sein nächstes Ziel ist ausgerechnet Donna Elvira, die er nicht erkennt. Ziemlich vergesslich, der Typ. Kein Wunder, dass Leporello versucht, Elvira mit dem Hinweis auf die zahlreichen Liebschaften (Italien 640, Deutschland 230, Frankreich 100, Persien 90, Spanien 1003, der Mann kommt rum) des DG zu trösten. Das dritte Opfer soll schließlich Zerlina werden, die kurz vor der Hochzeit mit Masetto steht. Wieder muss Leporello herhalten und den eifersüchtigen Fast-Ehemann ablenken. Am Ende holt DG jedoch sein egoistisches Verhalten ein, denn alle inklusive des toten Vaters verschwören sich gegen ihn.

Spritzig kommt sie daher, die „Oper aller Opern“, das ist sicher auch der ausgezeichneten modernisierten deutschen Textfassung der Regisseurin zu verdanken – und dem Umstand, dass sehr textverständlich gesungen wird. Martin Steinlein am Dirigentenpult leitet das Orchester in kammermusikalischer Besetzung ausgezeichnet und sehr sängerfreundlich. Quasi nebenbei begleitet er auch noch die Rezitative und spielt ein bisschen mit. Das ist einer der großen Pluspunkte der Inszenierung, sie spielt mit der Spielstätte und allen vorhanden Personen. Da irrt am Anfang Donna Elvira umher und zeigt ein Foto DGs, da werden die Mittelgänge zur zusätzlichen Bühne, da muss schon mal eine Frau aus dem Publikum nach vorne und sich von DG anschmachten lassen.

Die Bühne ist einfach, eine Treppe, die zu einem Podest führt, auf dem ein Bett steht. Seitlich davor ist das Orchester platziert. Das sorgt für optimale Akustik, zumindest auf meinem Platz. Der Zuschauerraum besteht aus vielen Bistrotischen, um die man in Vierergruppen sitzt. Hier wird während der Oper gegessen und getrunken, ganz so wie in den Anfängen des Musiktheaters. Dafür ist es aber erstaunlich ruhig und man kann den Abend ungestört genießen. Die Kostüme sind klassisch-zeitlos, genauso wie die Geschichte.

Ein wichtiger Punkt für das Gelingen eines Opernabends sind die Sänger und die waren an diesem Abend gut bis sehr gut. Dabei hatten die Männer die Nase vorn, allen voran Sebastian Campione als Don Giovanni. Seine kräftige, doch angenehm weiche Stimme passte perfekt zu der verführerischen Rolle und sicher schmolz auch so manches Frauenherz im Zuschauerraum. Sein Duett mit Diana-Marina Fischer, die als Zerlina die Frauenriege anführte, Là ci darem la mano, hier auf Italienisch/Englisch/Deutsch gesungen, war einer der Höhepunkte des Abends. Ebenfalls eine sehr gute Leistung boten Phillip Gaiser als Leporello , Wilko Döring als Komtur/Masetto und Adrian Sandu als Don Ottavio. Julia Chalfin beeindruckte als Donna Elvira und Ikumu Mizushima fügte sich prächtig in dieses hochklassige Ensemble ein.

Diese Produktion ist insbesondere für Opernneulinge gut geeignet, da hier große Oper mit den Vorteilen des kleinsten Opernhauses verbunden wird: es ist insgesamt etwas ungezwungener, man ist näher dran, es ist weniger steif als beispielsweise im Nationaltheater. Karten ermäßigt ab 21 €, über Münchenticket.

Foto: (c) www.pasinger-fabrik.com

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