Leben

Prahl singt Prahl

Schauspieler Axel Prahl kennen die meisten eher aus dem Fernsehen. Aber der Münsteraner Tatort-Liebling musiziert auch seit seiner Jugend. Heute Abend wird er im Brunnenhof mit seinem Inselorchester auf der Bühne stehen. Mit seinem Album „Blick aufs Mehr“ hat er sich einen Jugendtraum erfüllt. Wir haben ihn im Interview nach weiteren unerfüllten Jugendträumen gefragt und was denn zukünftig noch alles ansteht.

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Dein Album wurde bereits im Jahr 2011 veröffentlicht und das Livealbum dazu gibt es seit letztem Jahr. Mit der eigenen Platte in den Händen hast du dir einen Jugendtraum erfüllt. Gibt es denn noch weitere bisher unerfüllte Jugendträume von dir?

Ja es gibt noch einen weiteren Jugendtraum. Ich wollte mal ein Reetdachhaus mit Meeresblick. Das wäre noch ein weiterer unerfüllter Jugendtraum. Das werd ich mir sicherlich noch irgendwann erfüllen, aber da muss ich noch ein bischen sparen, weil das Zeug ist ja dann doch ganz schön teuer.

Wie würdest du selbst deinen Musikstil beschreiben?

Oh das geht quer durch alle Genres. Das geht los mit Klassik, geht weiter über Chanson bis hin zu Singer/Songwriter und ein bischen Rock/Pop ist auch dabei.

Wenn man Songs hört wie „Schön dass du da bist“, der eher in die melancholische Richtung geht, wird man teilweise doch ein bischen traurig gestimmt. Was bringt dich zum Weinen?

Allgemein gesehen gibt es heutzutage etliche Unzulänglichkeiten in der Welt. Wenn Kinder hungern müssen oder teilweise sogar verhungern müssen aufgrund politischer Verhältnisse oder wenn blödsinnige Kriege angefangen werden und wenn ein Mensch aus solchen Dingen nicht lernt, dann ist das manchmal schon zum Heulen.

Du bist in Neustadt in Holstein aufgewachsen, also direkt am Meer und hattest dort eine „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ Kindheit. Wie ist es für dich in deinen Heimatort zurück zu kommen und hast du dort noch Wurzeln?

Jo meine Eltern wohnen noch immer dort in der Nähe von Neustadt und da bin ich gelegentlich auch.

Kommen in dir dann wieder heimatliche Gefühle auf?

Mittlerweile ist für mich Berlin Heimat. Aber es ist natürlich schon so, dass wenn man in die alte Heimat schert – die Geburtsheimat – dann ruft die Geburtsheimat auch wieder andere Gefühle hervor, so eine tiefe Verbundenheit und manchmal empfindet man auch eine Sehnsucht danach mal wieder hinzukommen und in diesem Falle sind es aber auch bestimmte Orte dieser alten Heimat. Das ist für mich das Meer und das Meer ist im Grunde genommen überall.

Was bedeutet Heimat für dich?

Was bedeutet Heimat für mich? Das ist ja immer ein Mix aus vielen unterschiedlichen Dingen: Zum einen natürlich das Visuelle, die Bilder, die gewisse Emotionen hervorrufen, zum anderen natürlich auch Gerüche und manche Dinge, die man fühlen kann, wenn man z.B am Strand liegt.

Berlin ist mittlerweile deine Heimat. Als Schauspieler und Musiker bist du ständig unterwegs und dein Terminkalender ist voll. Was tust du, um in einer schnelllebigen Stadt wie Berlin mit vollem Terminkalender abzuschalten?

Bisher hatte ich eher selten die Gelegenheit etwas zu machen, um wieder herunterzukommen. Aber was mir sehr viel Ruhe gibt ist mein kleines Haus direkt am See, mein Wochenendhaus. Wenn ich dort bin und ein Feuerchen machen kann, dann komm ich schon ganz gut runter.

Hast du im Laufe deiner Karriere oft oder öfter mal an dir gezweifelt?

Das tu ich immer wieder. Ja natürlich und ich stehe schon offenen Auges in der Gewissheit, dass auch irgendwann mal ein Abgrund kommen kann. Das Scheitern gehört auch mit dazu. Da ist es ganz gut, dass ich gelernt habe, dass das Scheitern Bestandteil des Lebens sein muss und dass man eigentlich ohne Scheitern gar nicht weiter kommen kann.

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Würdest du dich selbst eher als Kopfmensch oder Bauchmensch sehen?

Ich bin von Haus aus mehr der Bauchmensch, der Dinge aus dem Bauch heraus entscheidet. Ich würde aber durchaus auch behaupten wollen, dass der Kopf auch eine wesentliche Rolle spielt, wenn es beispielsweise darum geht, Drehbücher anzunehmen oder abzulehnen. Man liest sie im Vornherein erstmal gründlich durch und denkt über viele Dinge nach, wie das wohl hinterher aussehen könnte und über dieses Denken kommt man eben zu dem Gefühl – sage ich ab oder zu.

Seit 2011 arbeitest du mit dem Inselorchester zusammen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? War es für dich von Anfang an klar, dass du lieber mit einem Orchester statt einer Band auftreten möchtest?

Nein das hat sich eigentlich eher sukzessiv entwickelt. Ich habe mit dem Danny Dziuk, der die Arrangements für meine Stücke gemacht hat, ungefähr ein Jahr lang zusammengesessen und wir haben im Studio die Stücke nach und nach erarbeitet. Danny hat diese zum Teil sehr schönen orchestralen Sachen erdacht und erfunden. Darüber war ich sehr glücklich. Die Stücke durften wir mit dem Babelsberger Filmorchester aufnehmen und wir standen dann vor der Problematik, wie wir das letztendlich auf die Bühne übertragen ohne dass das einen zu großen Unterschied zu den Originalaufnahmen auf der CD oder der Schallplatte hat. So kamen wir zu dem Schluss, dass es wohl das Beste sei, zumindest ein Quartett live auf der Bühne zu haben mit Bratsche, Cello, Violine und gestrichenem Kontrabass und wir das Ganze dann mit einem Synthesizer auffüllen.

Bist du an diesem musikalischen Punkt glücklich oder würdest du gerne selbst noch etwas ändern wollen?

Ich finde alles ziemlich großartig. Erstens macht es mir saumäßig viel Spaß und zweitens ist es natürlich auch ein fließender Prozess. Wir machen weiter, arbeiten an neuen Stücken. Ich bin weiterhin am Schreiben und habe beispielsweise jetzt kürzlich für ein Hörbuch ein neues Lied komponiert mit dem Titel „Da brennt ein Boot auf hoher See“. So geht es munter weiter: Ich habe Freunde, die jetzt Clubversionen mixen. Es wird also demnächst auch ein Clubalbum geben. Es ist echt spannend und macht tierisch Spaß.

Gibt es denn im musikalischen oder im schauspielerischen Bereich noch eine Person, mit der du gerne einmal zusammenarbeiten würdest?

Oh da gibt es sicherlich noch einige. Eine Person mit der ich gerne musizieren würde wäre beispielsweise Peter Gabriel. Das würde mich sehr freuen.

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Wer also bei diesem Miesepeter-Wetter nicht zu Hause sitzen möchte, sondern einem Herzblutmusiker, der bereits in Spanien Straßenmusiker war, lauschen möchte, der darf heute um 20Uhr im Brunnenhof vorbeischauen. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Musikerlebnis Brunnenhof Open Air

Axel Prahl & Das Inselorchester

20 Uhr, Residenz Brunnenhof

Residenzstraße 1

Tickets ab 35 Euro

Fotos: © Tibor Bozi

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