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So fühlen sich Premieren an: King Charles III im Metropoltheater

Metropoltheater

Metropoltheater

Das Metropoltheater im Münchner Norden ist als freies Theater mittlerweile fester Bestandteil der Münchner Kulturszene und hat zudem auch überregionale Reichweite. In diesem Tagebook erzählt Suvi, die gerade ihr FSJ Kultur am Metropoltheater absolviert, über die neue Produktion KING CHARLES III. Als Regiehospitantin hat sie täglich Einblick in den Probenalltag und Entstehungsprozess der Inszenierung und hält hier regelmäßig ihre Eindrücke fest - bis hin zur großen Premiere des Stückes.
Metropoltheater

Die Spannung im Ensemble steigt. Die SchauspielerInnen müssen nun zwei Mal am Tag zum Proben kommen. In der letzten Woche vor der Premiere wird bis in die Nacht hinein geleuchtet, so nennt man es wenn die Scheinwerfer eingestellt werden, und Ton sowie Video eingerichtet. Und auch im restlichen Theater bereiten sich alle auf den Premierenabend vor.

Zur ersten Hauptprobe ist alles grob beisammen: Licht, Kostüme, Bühne.

Der Rahmen des Abends steht. In Kombination wirkt die Probe, wirkt der ganze Abend stimmiger, vollkommener. Wir alle sehen den Theaterabend schon vor unserem geistigen Auge.

Gut, dass gerade diese Probe die Fotoprobe ist. Jean-Marc Turmes, der schon mehrfach für das Metropoltheater fotografiert hat, knipst fleißig. Er bewegt sich viel im Theatersaal, um den besten Winkel zu erwischen. Vielleicht mag der ein oder andere denken, dass das Klicken der Kamera stört, vor allem die SchauspielerInnen, doch das wird eigentlich gar nicht beachtet.

Jeden Tag ist mehr beisammen: Die Technik im Endzustand, die Kostüme teilweise noch optimiert. So arbeitet sich das gesamte Ensemble mit eher wenig Schlaf der Premiere entgegen. Hauptprobe zwei, interne Voraufführung, Generalprobe. Die Zeit fliegt.

Die Premiere

Und dann ist der Tag, der so weit schien, in so ungreifbarer Ferne, endlich da! Der 7. Juni 2018 ist Premierentag. Die allerletzten Handgriffe an Requisiten werden gemacht, auf der Hinterbühne aufgeräumt, die Bühne und der Saal gesaugt. Vormittags besorgen manche auf den letzten Drücker noch Premierengeschenke für die anderen, aber vor allem sammeln die Schauspieler Kraft und Konzentration für den Abend.

Nach und nach trudeln alle ein. Wir haben uns schick gemacht.

Sie äußert sich bei jedem anders, doch man merkt allen die Nervosität an. Die Premierengeschenke werden verteilt. Sie haben meist etwas mit dem Stück zu tun und auf fast jedem steht Toi toi toi. Eine schöne Geste, denn so geht jeder mit einem Haufen Geschenke nach Hause.

Dann sammelt sich das gesamte Ensemble kurz vor der Vorstellungsbeginn auf der Bühne. Philipp dankt allen für die Probenzeit, den Weg und das Ergebnis. Motivierende Worte und Mutzusprechungen für die Schauspieler: Ihr schafft das! Danach kommt das Bespucken, das große Toi toi toi. Wir umarmen uns, sagen Toi toi toi über die linke Schulter des Kollegen. Damit wünschen wir viel Glück, Theateraberglaube eben, aber eine schöne Geste. Zu diesem Aberglauben gehört auch die Regel, dass man den Schauspielern erst in ihrem Kostüm Toi toi toi wünschen darf.

Wir räumen die Bühne. Nun kommen die Premierengäste. Gedanken kreisen in unseren Köpfen. Wie werden sie reagieren? Wird es ihnen gefallen? Bis alle Zuschauer sitzen, dauert es eine Weile. Doch endlich kann die Vorstellung beginnen.

Die Zuschauer lachen, fühlen mit, hören zu. Nach einiger Zeit ist die Aufregung wie verflogen. Immerhin läuft es gar nicht schlecht, wir sind zufrieden.

Nathalie Schott, James Newton, Michael Vogtmann.

Pause

Man schnappt bei Gesprächen Teile auf. Reden sie über das Stück? Man redet mit seinen eigen Gästen. Wie gefällt es euch bisher? Und währenddessen bereiten sich die Schauspieler in ihren Garderoben auf die nächste Szene vor. Und sehr, sehr bald kann es auch schon weiter gehen. Die letzten vierzig Minuten des Stücks laufen.

Nun fehlt nur noch der Applaus.

Das ist ein weiterer spannender Punkt: Wie lange dauert er? Wie enthusiastisch ist er? Die Schauspieler verbeugen sich mehrmals, nach einiger Zeit kommen „die Schwarzen“ auf die Bühne: Also wir, die Menschen hinter den Kulissen. Und genau dorthin gehen wir nach unserem Applaus, wir lassen die Schauspieler noch den Rest davon genießen.

Philipp Moschitz.

Alle sind erleichtert, überglücklich. Es ist geschafft! Wir haben es geschafft! Wir umarmen uns, beglückwünschen uns, bedanken uns für die Zeit und die Kraft, die jeder in dieses Projekt gesteckt hat. Wenn die SchauspielerInnen sich umgezogen haben, stoßen das Ensemble und das Haus gemeinsam an, bevor die Schauspieler sich raus zu den Zuschauern begeben. Und eine Überraschung gibt es: eine KING CHARLES III-Torte, die Tobias‘ Tochter als Geschenk gebacken hat. Fast zu schade zum Essen!

Draußen wartet schon ein Buffet auf die Schauspieler. Liebevoll hergerichtet zum Thema Großbritannien, zum Stück passend. Erst jetzt, wenn die Schauspieler da sind, dürfen auch die Premierengäste zuschlagen bei Fish and Chips, Scones und und und. Viele Komplimente gibt es für das Essen und auch für den Theaterabend. Dieser Abend wird zur Nacht, es wird geredet und gefeiert. Aber nicht zu lange, denn schon am nächsten Tag ist wieder eine Vorstellung!


 

KING CHARLES III
A Future History Play

Premiere 07.06.2018
von Mike Bartlett
Deutsch von Rainer Iwersen

Regie: Philipp Moschitz
Bühne: Thomas Flach
Kostüme: Cornelia Petz
Licht: Tobias Zohner
Bühnenbau: Alexander Ketterer

Mit: Ursula Berlinghof, Butz Buse, Adi Hrustemović, Edith Konrath, Diana Marie Müller, James Newton, Nathalie Schott, Tillbert Strahl, Michael Vogtmann

Weitere Informationen und Termine auf der Homepage. Reservierungen über 089/32 19 55 33.

Beitragbild: Jean-Marc Turmes

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