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„Schwabing ist kein Ort, Schwabing ist ein Zustand“ – ein Spaziergang

Heute sind wir, zumindest zu Beginn, per Pferd unterwegs.
Deshalb satteln wir unsere Gäule und reiten mit Gringo, Zorro, und Zabata durch das Siegestor.

…hab keine Angst vor den Sheriffs!

Kennst du den Boulevard Leopold, besser bekannt unter dem Namen
Leopoldstraße? Die Leopoldstraße steht für einen sehr besonderen Flair, der sich schwer in die heutige Zeit transformieren lässt. Es gibt einen münchnerischen Ausspruch, der ihn beschreibt: “Ois Easy“. Auch ein sehr eigenes  Publikum war hier, geprägt von der 68er Zeit, unterwegs. In dieser Zeit war die Straße Sammelpunkt von Künstler*innen. Die Stände waren auf dem Trottoir aufgebaut, und es war ein großes Vergnügen, vom Siegestor bis zur Münchner Freiheit zu schlendern. Ab und zu stehen zu bleiben und einfach nur zu schauen. So heiter war es allerdings in Schwabing nicht immer.

Schwabinger Krawalle

Bei den Schwabinger Krawallen ging es alles andere als gemütlich zu.

Zum Hintergrund: Eine kleine Gruppe von Straßenmusikanten machte am 21. Juni 1962 nach 22:30 Uhr Musik. Ein Münchner Stadtrat und einige Anwohner*innen der Leopoldstraße riefen die Polizei. Bei dem Versuch der Polizisten, die fünf Musiker festzunehmen, kam es zu Rangeleien und die Situation eskalierte. In dieser Nacht und an den folgenden Tagen kam es in der gesamten Umgebung der Uni zu Straßenschlachten zwischen bis zu 40.000 vor allem jugendlichen Protestierenden und der Polizei. Es wurden etwa 400 Personen festgenommen und die öffentliche Kritik an den Methoden der Polizei wurden immer lauter. Einer der Teilnehmer an den Krawallen war der damals noch eher unpolitische Andreas Baader. Seine Mutter sagte, dass er unter dem Eindruck der Krawalle gesagt hat:

Weißt du, Mutter, in einem Staat, wo die Polizei mit Gummiknüppeln gegen singende junge Leute vorgeht, da ist etwas nicht in Ordnung.

Andreas Baader

Die Schwabinger Krawalle haben den Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und den bayerischen Landtag gut beschäftigt und die Revolte der Studentinnen und Studenten gegen den Staat eröffnet. Von da an ging die Post ab.

Franziska zu Reventlows WG


Wir gehen jetzt weiter in die Kaulbachstraße. Du wirst fragen, warum die Kaulbachstraße: Hier hat Franziska zu Reventlow gewohnt. Fanny zu Reventlow war eine zentrale Frauenfigur zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und von ihr stammt das Zitat „Schwabing ist kein Ort, Schwabing ist ein Zustand.“ Sie hat, erstaunlich für eine Frau dieser Zeit, in einer WG gewohnt. Diese WG war in der Kaulbachstraße. Sie hat sich, im Widerstand zu ihrer Zeit, die Haare kurz schneiden lassen, war eine sehr mutige Frau und der Mittelpunkt der sogenannten „Schwabinger Bohème-Szene“. Einer ihrer Freunde war kein Geringerer als Erich Mühsam. Er war erklärter Anarchist und als politischer Aktivist 1919 maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt.  

Ob Erich Mühsam dieses Gedicht für sie geschrieben hat?

Es stand ein Mann am Siegestor
der an ein Weib sein Herz verlor
Schaut sich nach ihr die Augen aus

In Händen einen Blumenstrauß
Zwar ist dies nichts Besunderes
ich aber – ich bewunder es

Erich Mühsam

Wenn du mehr über Fanny zu Reventlow wissen willst, ihre Hinterlassenschaft liegt im Literaturarchiv der Monacensia.

Der Monopteros


Und weiter geht es in den Englischen Garten. Vom Monopteros aus hast du einen wunderbaren Blick auf die „Skyline“ von München, sprich die Theatiner Kirche, den Hofgarten und den Frauendom. In den 70er Jahren war der Monopteros ein beliebter Treffpunkt von musizierenden und diskutierenden Jugendlichen. Hier treffen sich auch heute noch junge Leute aus der ganzen Welt. 


Vom Monopteros aus schlendern wir den Eisbach entlang in Richtung Prinzregentenstraße. Wir wollen dir hier eine besondere Attraktion vorstellen: Das Surfen im Eisbach. Es finden sich immer Zuschauer*innen ein, die diese wagemutigen Sportler*innen bewundern. Weil wir noch etwas Zeit haben, gesellen wir uns dazu.

Gerade jetzt, kurz vor Sonnenuntergang, ist es besonders schön hier.
Wir gehen noch ein Stück weiter, an der Isar entlang bis zum Maximilianeum. Hier begegnen wir unseren Freunden vom Anfang wieder.


Unserer Meinung nach hat die Freiheit des Denkens und Handels in Schwabing ihren Anfang gefunden. Sie ist für uns ein sehr hoher Wert. Wir hoffen für dich auch!

Nachdem jetzt die kalte, nasse Jahreszeit in München einziehen wird, verlegen wir unsere weiteren Spaziergänge ins nächste Frühjahr.


Beitragsbild: Alistair MacRobert

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