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Indierock aus dem Iran trifft Hardcore-Klezmer

Sebastian Huber

studiert literatur in münchen und schreibt seit 2014 für mucbook.de und mucbook print.

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Sebastian Huber

Um ihre Tour zu finanzieren, haben die Langtunes, Indierocker aus dem Iran, eine Crowdfundingkampagne gestartet. Was dem Ajatollah Chamene’i gar nicht gefallen würde: Die Tourpartner der Langtunes sind Ramzailech, eine Hardcore-Klezmer-Band aus Israel. Mit ihnen touren sie im November durch Deutschland.

Im Heimatland der Langtunes ist Rockmusik verboten. Hier haben Sie bislang kaum Konzerte gegeben und riskieren, inhaftiert zu werden, falls Sie gegenüber den Behörden noch einmal auffällig werden. In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur erzählt Behrooz, der Sänger der Band:

„Einmal wollten wir mit Freundinnen zu einer Party. Wir hatten unsere Instrumente dabei gehabt und auch Alkohol. Unterwegs wurden wir angehalten und als sie unsere Gitarren und die Wodkaflasche entdeckt hatten, wurden wir verhaftet. Auch unser Aussehen und wie wir uns anziehen regt sie auf.“

Ätherischer Gitarrensound und ein klassischer Indiebeat, das ist der Stil der Langtunes aus Teheran.

Uns mag das verrückt vorkommen, aber im Iran reicht es, sich wie ein ganz normaler westeuropäischer Mittzwanziger zu benehmen, um 9 Monate Haft und 160 Peitschenhiebe zu kassieren. Dass solche Umstände den Musikern das Leben schwer machen, ist klar. Deshalb organisieren sie sich über das Internet und versuchen, in westlicheren Ländern Fuß zu fassen, wo Sie schon einige Fans haben.

Ihr neuer Coup ist die Secret Handshake Tour, bei der sie ab November diesen Jahres durch Deutschland touren. Fast überraschender als die Geschichte der Band selbst, ist ihr Tourpartner: die israelische Hardcore-Klezmer Band Ramzailech. Nachdem sich die zwei Bands Ende 2014 in Deutschland kennengelernt hatten, begannen Sie die gemeinsame Tour zu planen, die sie am 28.11.2015 auch nach München führen wird.

Typisch für Ramzailech: Klezmermelodien, ein fettes Schlagzeug und jede Menge Chuzpe.

Die Tour ist auch ein Projekt der Völkerverständigung und zeigt, dass Musik selbst dort Brücken bauen kann, wo sich die Politik gegenseitig mit Massenvernichtungswaffen droht. Inszeniert wird die Tour deshalb auch mit dem Spruch „Become a Peace Dealer“.

Und: Die Aufforderung ein Peace Dealer zu werden, geht an euch da draußen.

Weil das Equipment und die Anreise der Bands erstmal von den ihnen selbst finanziert werden muss, haben Sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Der Zielbetrag von 30.000€ ist zwar absolutes Low Budget für eine einmonatige Tour durch die Bundesrepublik, als Iraner aber ziemlich schwer aufzutreiben. Der Grund dafür ist nicht unbedingt der Teuro, sondern vielmehr der Ölpreisverfall, Spannungen zwischen Schwarzmarktkursen und den offiziellen Wechselkursen, sowie die erfolgreiche Sanktionspolitik des Westens. Hier ein kleines Diagramm zum Kursverfall des iranischen Rial gegenüber dem Euro.

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Da kann man nur noch Autsch sagen. Und den Langtunes unter die Arme greifen. Euer Geld ist natürlich gut aufgehoben, weil ihr über den gespendeten Betrag einen Platz auf der Gästeliste, CDs, oder sogar ein Konzert in eurem Wohnzimmer bekommt. Also werdet Peace Dealer, folgt den Jungs auf Facebook und geht zu Ihrem Konzert, wenn euch ihre Musik gefällt.

Die Langtunes, das sind Behrooz, Kamyar, Garen und Sam.

Ihre IndieGoGo-Kampagne findet ihr hier.

Das Konzert findet am 28.11.2015 in der Muffathalle statt.

Weitere Infos findet Ihr auf Facebook und in Kürze auch hier bei Mucbook.

Stay tuned!

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