Kultur, Nach(t)kritik

Two-hour-ride with the Death Cab

Birgit Buchart

Birgit ist absichtlich Münchnerin und kam vor drei Jahren aus dem fernen Österreich zu uns. Neben ihrem Hochdeutsch verbessert sie in München auch ihr Englisch und studiert an der LMU Anglistik. Weil das mit dem Englisch mittlerweile ziemlich gut klappt, ist sie jetzt ein bisschen in New York und berichtet auf mucbook alle zwei Wochen von den Abenteuern einer österreichischen Münchnerin in der ganz großen Großstadt.
Birgit Buchart

Über zwei Stunden feinste Indie-Klänge aus 17 Jahren Bandgeschichte – Death Cab for Cutie haben am Montag in der Muffathalle den Glauben an ein fast vergessenes Genre wieder hergestellt und vor allem gezeigt, dass der Ausstieg von Chris Walla auch für die Fans zu verkraften ist. 

Die Hoffnung starb an dem Abend aber leider zuerst. Da kommt doch wirklich eine junge vierköpfige Mädchenband auf die Bühne und stampft erst einmal jeglichen Glauben auf eine vielversprechende Indie-Zukunft in den Boden der Muffathalle. Wobei stampfen vielleicht das falsche Wort ist, da sich die Füße der Girls aus Seattle kaum bewegten. Ganz nach dem Motto „Wir spielen einfach so scheiße, dass es für Hipsters vielleicht schon wieder cool ist“ klimperten Chastity Belt sich weder in die Herzen noch im Takt.

Death Cab for Cutie stellten die besagte Hoffnung aber schnell wieder her und wandelten sie ebenso schnell in Gewissheit um: Die Band um Ben Gibbard ist auch nach 17 Jahren, 8 Alben und dem Ausstieg ihres zweiten kreativen Kopfes, Chris Walla, immer noch eine der wichtigsten Vertreter ihres Genres. Eine Tatsache die am Montag schnell klar wurde. Das Bühnenbild, wenn man es denn überhaupt so nennen darf, ist auf das Minimum reduziert und auch überflüssige Ansagen von Gibbard bleiben aus. Vor der Band steht immerhin zum Großteil auch ein Publikum, das keine Betitelung der einzelnen Songs braucht. Und auch sonst keinen Firlefanz. Die Musik steht bei Band und Publikum im Mittelpunkt und so kann man als Zuschauer an jenem Abend endlich einmal wieder ein Konzert genießen, ohne seinen Blick an hunderten Handydisplays vorbeidrängen zu müssen.

Es ist wie eine zweistündige Zeitreise durch die Geschichte der Indie-Musik, vorbei an ihren Meilensteinen und prägenden Songs, mit denen die Band um die Jahrtausendwende großen Einfluss auf ihre Entwicklung nahm. Während ruhigen Stücken, wie „I will follow you into the dark“ oder „Transatlanticism“ herrscht angespannte Stille im Saal. Es sind Momente wie diese, die einerseits so unfassbar schön zu genießen sind, andererseits Erinnerungen an die letzte Woche nicht verhindern können. Mit den einfachen Worten „I am proud that you all came here today“, spricht Gibbard aus, was bestimmt durch viele Köpfe in der Halle schwirrte. Auf Konzerten, wie diesem, fühlt man im Publikum eine ganze Reihe von Emotionen. Angst sollte als einzige nicht dabei sein.

Am Ende haben Death Cab for Cutie auf ganzer Länge überzeugt und Erinnerungen an einen mehr als gelungenen Konzertabend hinterlassen. Am Ende ist die Trauer um Chirs Walla’s Ausstieg gelindert, die beiden ersetzenden Neuzugänge passen musikalisch wie auch optisch bestens in die Band. Am Ende war es einfach ein perfektes Konzert. Am Ende ist Indie Musik aber noch lange nicht.

Fotocredit: Birgit Buchart

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