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Vom Beisl auf die große Bühne: Voodoo Jürgens in der Kongresshalle

Als der Wiener Musiker Voodoo Jürgens vor drei Jahren mit „Heite grob ma Tote aus“ ums Eck kam, war der Hype um den österreichischen Zungenschlag hierzulande längst entfacht. Wanda und Nino aus Wien sei dank: Eine Riege von jungen Musikern, die den Austropop alter Couleur so sehr schätzten, wie sie sich bisweilen auch ehrfurchtsvoll von ihm distanzierten.

Voodoo Jürgens spielte vorher lange Zeit relativ erfolglos in einer englischsprachigen Indie-Band. Erst mit seinem Mundart-Projekt schien er aber wirklich bei sich als Künstler angekommen zu sein – und kam schließlich auch beim Publikum an. Sänger Marco von Wanda war es dann auch, der den Voodoo ins Vorprogramm seiner eignen Band nahm und somit den Weg für den Erfolg ein Stück weit ebnete. Ein Erfolg, der fast über Nacht kam.

Mit Tschik und Goldketterl: Voodoo Jürgens beim Foto-Shooting

Nach dem Überraschungs-Hit das Album

Von One-Hit-Wonder aber keine Spur: auch der Langspieler „Ansa Woar“ konnte auf ganzer Spur überzeugen und fand bei Kritiker*innen Anklang. Live scharrte der zottelige Voodoo bald eine fünfköpfige Band um sich, die „Ansa Panier“. Eine bunte Truppe, die instrumental teils näher am Balkan, denn am Pop operiert. Das verlieh seinen auf der Gitarre geschriebenen Songs mehr Volumen, brachte Abwechslung in die Musik, ließ live Raum für Showelemente – zerstörte für manche vielleicht ein wenig die Intimität der frühen Solo-Auftritte in kleinen Kneipen.

Zwischen Waits und Wienerlied

In der Nische zwischen Pop und Wienerlied, zwischen Waits und Wolfgang Ambros richtet es sich der als David Öllerer geborene Voodoo Jürgens jedenfalls inzwischen selbstsicher ein. Halb als autobiografischer Songwriter und halb als faszinierende Kunstfigur, die eine gewisse verschmitzte Mystik nicht auflöst.

Auf dem neuen Album „‚S kloane Glücksspiel“ bringt er diese Formel erneut auf den Punkt. Die meisten Songideen entspringen den Unter- und Zwischenwelten der Wiener Großstadt, die er aus brotlosen Künstlertagen kennt. Und die er nun einem Publikum schildert, das damit meist nur wenig zu tun haben dürfte. Das macht die Geschichten für seine Zuhörer*innen freilich nicht uninteressanter.

Seine Geschichten entstammen einem Milieu, das auch seine Biografie immer wieder streift: Auf dem Friedhof hat er wirklich mal gearbeitet (ob er dort auch Tote ausgegraben hat, ist nicht überliefert), seinen Vater konnte er zeitweise nur im „Häfn“ (Gefängnis) besuchen, als dieser wegen Betrügereien einsaß – er könnte eine der halbseidenen Figuren sein, über die der Sohnemann so oft singt. Dem Musiker selbst will man ausgeprägte kriminelle Energien indes nicht wirklich zutrauen, von längst vergangenen und in seinen Songs dokumentierten Jugendsünden vielleicht einmal abgesehen – er bleibt der phantasievolle Chronist mit einem Herz für seine unperfekten Figuren.

Live in der Kongresshalle

Mit einem viel gelobten neuen Album und seiner Band im Gepäck, lässt sich der meist hemdtragende Schnauzbartträger nun auch hierzulande wieder blicken. Die Kritiken seiner ausverkauften Doppelshow in Wien waren begeistert. Das lässt auch für München auf einen gelungenen Abend hoffen. Nach Gastspielen im Unter Deck und in der Muffathalle, tritt er am kommenden Dienstag nun in der Alten Kongresshalle auf – ein Ort, der nun wirklich alles andere als Beisl-Atmosphäre verströmt. Wenn der Voodoo aber in München genau so viel und genüsslich auf der Bühne raucht wie kürzlich bei seinem Wien-Gig, wo seit kurzem auch ein strenges Rauchverbot in Kneipen und Hallen gilt, kann er der Illusion vielleicht für kurze Zeit auf die Sprünge helfen. Super wird’s bestimmt eh‘.


Was? Voodoo Jürgens LIVE (Vorband: Euroteuro)

Wann? Dienstag, 10. Dezember

Wo? Alte Kongresshalle


Fotos: (c) Ingo Pertramer

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