Aktuell, Nachhaltigkeit

Warum Plastikmüll und Wertstoffinseln nicht gut zusammenpassen

Als ich nach München gezogen bin, war ich erstmal baff von dem Konzept des Mülltrennens. Keine gelben Säcke, keine gelben Tonnen! Um Plastikmüll getrennt zu entsorgen, muss man als Münchner*in zu einer Wertstoffinsel laufen, so viel weiß ich jetzt auch. Diese Inseln gibt es zwar überall in der Stadt verteilt, das System bringt aber auch einige Probleme mit sich.

Das System der Wertstoffinseln

Jede*r kennt das Dilemma des immer größer werdenden Müllbergs zu Hause und die Überwindung, die es kostet, diesen zu entsorgen. In München wird’s einem gar nicht so leicht gemacht, denn man muss für die Entsorgung des Plastikmüll erstmal zu einer der 1.000 Wertstoffinseln laufen. Dieses System ist laut dem Kommunalreferat klimaschonender als der gelbe Sack und die gelbe Tonne; hier müssten nämlich deutlich mehr LKWs durch die Münchner Innenstadt fahren und an ca. 100.000 Orten gelbe Säcke und Tonnen abholen. Einen positiven Effekt hat die Wertstoffinsel also schon. Doch es gibt auch viele Gründe, dieses System in Frage zu stellen.

Was ist das Problem?

Zu allererst sollte jede*r Münchner wissen, dass der Plastikmüll, der in einem Container landet, am Ende trotzdem in unseren Weltmeeren enden könnte. Ja, richtig gehört. Es werden nämlich von den vorgeschriebenen 58 Prozent nur 18 Prozent des Plastikmülls recycelt, was laut Verpackungsgesetz gesetzwidrig ist. Ein Problem der Wertstoffinsel ist die Intransparenz der Wege unseres Plastikmülls.

Hinzu kommt, dass München die niedrigste Gewichtszahl von Plastikmüll in ganz Deutschland aufweist: Während der Bundesdurchschnitt 30 Kilogramm jährlich pro Kopf beträgt, kommt München nur auf etwa 5,4 Kilo Plastikmüll pro Kopf im Jahr. Das könnte an dem sehr unbequemen System der Wertstoffinseln liegen. Niemand schleppt gerne einen Berg an Plastikmüll zu einem Container, auch wenn es nur fünf Minuten sind. Wir Menschen sind ja bekanntlich ziemlich faul. Daher trennen manche ihren Müll einfach gar nicht.

Ein weiteres Problem ist der Platzmangel in den Containern. Nach einiger Zeit erinnert eine überquellende Wertstoffinsel an eine miefende Müllhalde, die niemand gerne freiwillig besucht. Gerade in Zeiten von Corona und Homeoffice hat sich dieses Problem zugespitzt: Wir konsumieren mehr und der Berg des von uns produzierten Plastikmülls wächst somit deutlich schneller. Bei den Glascontainer, die meistens neben den Plastikcontainern sind, sieht es dann auch nicht besser aus. Der sich anstauende Müll wird nicht regelmäßig genug entleert und gesäubert.

Wie kann das System optimiert werden?

Der Stadtrat ist sich einig, dass das System der Wertstoffinseln deutlich optimiert werden muss. Zu allererst sollen die Container von nun an häufiger geleert und gesäubert werden. Durch die Zusammenlegung von Plastik- und Metallcontainern soll außerdem mehr Patz gespart und somit verhindert werden, dass die Container zu schnell überquellen. Zusätzlich soll eine bessere Beschwerdenkommunikation mit den verantwortlichen Entsorgungsfirmen eingereicht werden. Ich zumindest bin gespannt, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.


Beitragsbild: CHRISTIAN WIEDIGER on Unsplash

1Comment
  • Robert
    Posted at 17:34h, 12 November

    Die „Wertstoffinseln“ sind eine Katastrophe. Ich kenne viele in München, die ihren Kunststoffmüll in die Restmülltonne stopfen, darunter zum Beispiel Menschen, die ihn wegen ihres hohen Alters oder einer Behinderung gar nicht zur nächsten „Wertstoffinsel“ bringen können. Dass diese Art den Müll zu sammeln, ingesamt „kimafreundlicher“ sei, als eine gelbe Tonne am Haus, glaube schon deshalb ich nicht.

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