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Warum tut ihr das? Mit Leonie, Lara und Sabrina vom Turtle Magazin(e)

Florian Kappelsberger
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Kunst, Literatur und Kultur – von jungen Menschen, für junge Menschen: Das ist die Mission des Turtle Magazin(e)s, das im Herbst 2020 ins Leben gerufen wurde. Darin findet man Kunst in all ihren Formen, von Prosa und Lyrik bis hin zu Fotografien und Zeichnungen. Geleitet wird das Magazin von den drei Münchner Studentinnen Leonie, Lara und Sabrina. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen, was sie bewegt, warum das Projekt nach einer Schildkröte benannt ist und was sie für die Zukunft planen!

Was ist das Turtle Magazin(e)?

Sabrina: Die Turtle soll eine Plattform für junge Künstler und Künstlerinnen sein, um die eigene Kunst zu teilen und sich gleichzeitig selbst zu präsentieren. Es geht uns darum, dass man sowohl die Kunst wahrnimmt als auch den Menschen dahinter, und dass es ein Forum sein kann für Leute, um ein bisschen die Fühler auszustrecken, sich zu vernetzen und mit anderen in Kontakt zu kommen, damit vielleicht auch neue Kooperationen entstehen.

Lara: Es soll außerdem ein Trittbrett sein, um junge Künstler*innen dabei zu unterstützen, professionell zu werden und auch von Agenturen wahrgenommen zu werden.

Wie ist dieses Projekt entstanden?

Lara: Ursprünglich war es immer so, dass ich eine eigene Website zum Schreiben haben wollte. Im Endeffekt bin ich dann eben auf die Idee gekommen, dass ich es cool fände, das mit Leuten zusammen zu machen – eine Plattform, wo man seine eigenen Sachen hochladen, aber eben auch Kunst von anderen teilen kann, um das zusammen zu betreiben. Daraus ist die Turtle entstanden, zuerst nur auf Instagram. Zum Jahreswechsel hat sich das Team neu gegründet, mit neuem Logo, neuem Farbschema, neuem Konzept, und im März ist dann die Website online gegangen.

Sabrina: Im März kam auch unsere erste Issue-Ausgabe, “about writing”. Das ist aus einem Uni-Projekt mit Workshops und Seminaren zu irischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern hervorgegangen, mit Essays von den Teilnehmenden. Und ich finde es richtig cool, weil wir noch mittendrin sind, wir fangen gerade auch wieder viele neue Sachen an und probieren ein bisschen neue Formaten aus.

Wie kam es zu diesem Namen?

Lara: Der Ursprungsgedanke war die Verknüpfung mit den Künstlern in Rollkragenpullovern, so Sartre und Co., aber auch mit der Studentenbewegung aus den 60er Jahren und der Kunstbewegung, die Kunst wieder raus aus der Uni und an die Leute zu bringen. Außerdem passt es, weil wir alles ziemlich langsam machen (lacht), und weil wir uns Zeit nehmen wollen, um die Sachen wirklich anzuschauen.

Warum ist das Magazin zweisprachig?

Leonie: Zweisprachig deswegen, weil wir auch ein größeres Publikum ansprechen wollen – nicht nur Menschen, die Deutsch sprechen. So ist es viel offener, um im Endeffekt auch Leute überall auf der Welt zu verbinden: Wir haben Künstler*innen in Bulgarien, in Südafrika, in London.

Sabrina: Wir haben viele internationale Kontakte und wollten das irgendwie mit reinbringen, außerdem schreiben wir selbst teilweise auf Englisch. Wir würden auch gerne noch mehr Sprachen mit reinnehmen, aber am Anfang mussten wir uns irgendwie festlegen. Dann haben wir gesagt, wir machen Deutsch und Englisch.

Was ist neu und einzigartig an eurem Projekt?

Lara: Es gibt Tausende von Kunst- und Kulturmagazinen, wo man Sachen hochladen kann, wie Sand am Meer. Aber unsere Idee ist, das als Gemeinschaftsprojekt zu vereinen und einen Raum zu schaffen, wo man diese Sachen zusammen gestalten und auch in Kontakt treten kann. Das Ziel ist, dieses Netzwerk dann in professioneller Ebene umzusetzen. Besonders ist auch die Multimedialität: In unserem Magazin sind alle alle verschiedenen Kunstarten vertreten – Prosa, Lyrik, Essays, Fotografie, Malerei, Zeichnungen, Animation, Videos.

Sabrina: Das alles soll auch miteinander verbunden werden und sich gegenseitig ergänzen, zum Beispiel wenn Künstler einzelne Texte illustrieren oder andersrum. Wir lassen den Illustrator*innen da viel freie Hand, sie können sich kreativ total ausleben, gleichzeitig sind sie in Kommunikation mit den Autor*innen und mit uns.

Wie ist das Feedback von den Künstler*innen?

Sabrina: Das Feedback von den Künstler*innen ist ziemlich positiv bisher. Teilweise kommen die Leute auf uns zu, teilweise schreiben wir sie auch aktiv an oder nutzen unsere persönlichen Kontakte. Die Künstler*innen freuen sich dann total, dass wir anfragen oder etwas von ihnen teilen. Ich glaube, es ist sehr ermutigend für viele Leute, weil wir uns auch Zeit nehmen, die Texte anzuschauen und Feedback zu geben.

Lara: Deswegen versuchen wir zum Beispiel immer, wenn wir einen Text ablehnen, konstruktiv zu erklären, warum wir ihn nicht nehmen, und persönliches Feedback zu geben. In der Regel haben wir mehrere Feedback-Runden, die jeder Text durchläuft, und die Leute wissen das wirklich zu schätzen und sind sehr kommunikativ.

Was plant ihr für die Zukunft?

Lara: Im Moment ist unser wichtigstes Ziel, die Reichweite zu erhöhen. Außerdem nehmen wir gerade alle Texte und Gedichte auf, um die Website blindenfreundlich zu machen, damit man sich die Texte anhören kann. Manche Sachen sind auch einfach schön anzuhören: Lyrik ist zum Beispiel dafür gemacht, um gehört zu werden, und das Vorlesen gibt dem nochmal etwas ganz anderes. Es ist uns auch wichtig, die Diskussion über die Kunstwerke anzuregen. Deswegen haben wir auf unserer Website seit Kurzem unter jedem Beitrag eine Kommentarfunktion, wo man diskutieren kann und sich aktiv damit auseinandersetzt, statt es nur passiv einmal zu lesen.

Sabrina: Wir arbeiten auch an kleinen Mini-Podcasts, in denen wir ein bisschen über eigene Texte reden, vor allem über Lyrik. Aber da sind wir auch noch am ausprobieren. Letztes Wochenende haben wir außerdem ein paar Kunst-Workshops veranstaltet, und im Oktober wollen wir gemeinsam mit dem 20s Magazine ein großes Kunstwochenende mit Lesungen, Workshops, Ausstellungen und Live-Musik machen. Daneben akquirieren wir ständig neue Künstler*innen und arbeiten an unserem nächsten Issue, das sich mit dem Thema “So close: individual x society / Ganz nah: Individuum x Gesellschaft” beschäftigen wird.

Leonie: Gerade ist auch schon ein Online-Shop geplant – zum einen, um Kunst wie Fotografien und Zeichnungen zu drucken, aber auch, um Merch mit unserem Logo anzubieten, weil es immer ganz witzig ist, sowas zu tragen, und weil man dadurch auch immer seine Sichtbarkeit erhöht. Vor Kurzem haben wir außerdem einen Patreon-Account eröffnet, wo wir noch exklusivere Sachen zeigen und vielleicht auch einen kleinen Blick hinter die Kulissen geben wollen, wie wir Texte vorlesen oder besprechen. Das sind alles erste Schritte, aber langfristig ist unser Ziel, die Ausgaben für die Website zu decken und die Künstler*innen realistisch bezahlen zu können.


Beitragsbild: © Florian Kappelsberger

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