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Was soll die Stadt denn machen? – Zum Abriss des Skatespots im Olympiabahnhof

Thomas Stöppler

Als Social Media Manager ist man wohl – sagen wir mal – unhöfliche Kommentare gewöhnt und das ein oder andere Mal rechnet man auch mit einem Shitstorm – gerade wenn man für die Politik arbeitet. Aber der Social Media Manager der SPD-München wird sich am vergangenen Mittwoch wohl doch ein wenig gewundert haben.

Die wütenden Kommentare hatten wohl wenig mit der Baumarkt-Yoga-Achtsamkeits-Ästhetik des Bildes oder der etwas dürftigen Aussage zum halben Feiertag zu tun und lustigerweise auch nichts mit der SPD. Die ist zwar an vielem Schuld, aber das Kommunalreferat München ist kein SPD-Ortsverein unter dem großen Vorsitzenden Dieter Reiter, sondern immer noch eine Behörde und als solche für die Geschehnisse im ehemaligen S-Bahnhof Olympiazentrum verantwortlich. Alle Skater können jetzt den nächsten Absatz überspringen, die wissen Bescheid. Für alle anderen:

Einstürzende Subkultur

Dort steht seit ein paar Wochen oder vielleicht auch schon seit ein paar Jahren ein Skatepark, den Skater selbst gebaut haben. Ohne jede Genehmigung natürlich. Einmal weil wir ja über Skater reden und zum anderen, weil das ja im Olympiapark quasi Tradition hat. In München sind Skateparks eh ein rares Gut (was ist in München eigentlich im Überfluss vorhanden, was nicht Kapital generiert? Man stelle sich mal die Theresienwiese ohne das Millionengeschäft Oktoberfest vor…) und überdachte Skateparks gibt es schlicht überhaupt nicht. „Seit 2006 haben wir im Winter und bei Regen keinen Ort für unseren Sport“, erklärt Stefan Lindner, Vorstandsmitglied vom Verein Skateboarding München.

Das Kommunalreferat hatte aber triftige Gründe, die Rampen und Pipes abzureißen:  Zum einen ist der Bahnhof schlicht einsturzgefährdet und der Skatepark nicht sicher. Jedenfalls nicht so sicher, dass die Stadt das tolerieren kann. „Das Gebäude des alten Olympiabahnhofs ist potentiell einsturzgefährdet und schadstoffbelastet. Da Gefahr für Leib und Leben nicht ausgeschlossen werden kann, darf das Gelände nicht betreten werden,“ ließ das Kommunalreferat dazu verlauten. Schließlich wäre sie im Falle eines Unfalls (ganz zu schweigen von einem Einsturz) rechtlich haftbar. Und eine Rampe an einer Brüstung von der es fünf Meter in die Tiefe geht, bietet halt doch einige Risiken sich selbst mehr als eh üblich beim Skaten zu verletzen.

Zum anderen mögen zwar die Skater seit nun fast 15 Jahren einen mühsamen, langatmigen Kampf mit der Stadt kämpfen und mit dem Ergebnis (dazu später mehr) unzufrieden sein, aber die Stadt kann sich auch nicht erpressen lassen. Und genau so wird das halt aufgenommen, wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

Stefan Lindner hat dafür auch Verständnis: „Wir sind nicht sauer, dass es abgerissen wurde – das war absehbar. Aber wir hätten uns gewünscht, dass man vorher mit uns spricht.“ Lindner hat dabei die Eisbachsurfer im Kopf. Jahrzehntelang war das Surfen illegal, weil bei einem Unfall die Stadt haftbar gewesen wäre. Jahrzehntelang wurde es dennoch toleriert und dann schließlich eine Gesetzeslücke gefunden, die die Surfer in die Legalität holte. Eine ähnliche Lösung hätte sich Lindner auch hier gewünscht.

Ob das machbar gewesen, ist zwar fraglich, aber – und das ist Lindner wichtig – wurde auf jeden Fall mit niemandem über irgendetwas gesprochen. „Wir haben das natürlich nicht gebaut, aber trozdem hätten die sich mal melden können. Unsere Telefonnummer haben sie jedenfalls.“ Außerdem stellt Lindner klar, dass niemand einen Bauzaun aufgebrochen habe wie in der AZ behauptet. Und Skater seien auch nicht die einzigen gewesen, die sich auf dem Gelände aufgehalten hätten. „Da gab es andauernd Instagram Fotoshootings“, sagt der 36-Jährige.

2023 ist zwar noch lange hin, aber…

Wenn man wie Lindner seit Jahren dafür känpft, dass es endlich überdachte Orte zum Skaten gibt, ist die Aussicht auf 2023 ein schwacher Trost. Dann soll nämlich in Pasing eine neue Skatehalle stehen. Aber das sind eben noch drei Jahre – wenn die Bauzeit sich nicht verlängert. Aus Perspektive der Stadt ist es allerdings ein großes Zugeständnis, eine 800qm Halle trotz Corono-Haushaltsdefizit zu bauen, an der sie kein Geld verdient.

Am Ende ist das alles vor allem blöd gelaufen. Allein die rechtliche Situation ließ dem Kommunalreferat wohl keine andere Handhabe und das wäre in Berlin oder Hamburg genauso gelaufen. Aber miteinander reden wäre vielleicht schon drin gewesen.

Beitragsbild: Unsplash/Warren Wong

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