Young Fast Running Man Live Akustisch
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Mit Angel und Akustikgitarre: Young Fast Running Man und sein neues Album „Young Birds“

Bald zwei Jahre ist es her, dass wir Young Fast Running Man alias Fabian Hertrich beim Release-Konzert für sein Debütalbum mit der Kamera begleitet haben.

Höchste Zeit also, nachzulegen: Mit „Young Bird“ kommt am 3. November der Zweitling des Münchner Folk- und Bluesmusikers auf den Markt, und das will natürlich gefeiert werden. Wie schon vor zwei Jahren ist es auch jetzt wieder die Bühne des Import Export im Kreativquartier, auf der der großgewachsene Sänger seine Lieder zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellt.

Wobei, nicht ganz zum ersten Mal: Damit du einen kleinen Vorgeschmack kriegst, haben wir Young Fast Running Man an einem der ersten kühlen Herbstabende getroffen und er hat uns zwei Songs vorgespielt – live, akustisch und ohne Herumdoktern im Nachhinein.

Die Videos kommen weiter unten, hier erstmal das Interview:

MUCBOOK: Nach zwei Jahren kommt dein zweites Album „Young Bird“ am 3.11. auf den Markt. Was hat sich seither musikalisch verändert?

Fabian Hertrich: Generell bin ich mir, meiner Musik und meinem Songwriting treu geblieben. Wie auch beim ersten Album sind verschiedene Elemente aus verschiedenen Genres miteinander verknüpft. So finden sich auch auf meinem zweiten Album Slide-Gitarren, Blues-Harps und Acoustic-Fingerstyle-Spieltechnik, die durch den Einsatz von Mandoline und Bläsern oder Instrumenten aus ferneren Kulturen wie Sitar, afrikanische Percussions und Didgeridoo verfeinert werden. Daraus ergibt sich eine Melange aus alt und neu, nah und fern, vertraut und ungewohnt. Im Gegensatz zum ersten Album, bei dem ich Material über einen längeren Zeitraum gesammelt und vertont hatte, habe ich die Songs für das neue Album innerhalb eines Jahres geschrieben.

Dieses Mal waren alle Bandmitglieder mehr am Arrangier-Prozess beteiligt. Wir hatten sehr produktive Proben und konnten beispielsweise vier Songs innerhalb eines Tages fertigstellen. Meine Bandmitglieder sind alle professionelle Musiker und haben ein gutes Verständnis für meine Intentionen. Darüber hinaus haben sie tolle Ideen und Vorschläge die Songs noch zu verfeinern. Zusammenfassend würde ich sagen, dass das Album kompakter und schlüssiger ist.

Hast du einen Song auf dem Album besonders gern oder ist einer deiner Meinung nach besonders gut gelungen?

Für mich persönlich sind alle Songs besonders gut gelungen. Daher habe ich keinen Lieblingssong. Letztendlich hängt es immer von der Stimmung ab, in der ich mich gerade befinde. Klar wäre es einfach zu sagen, dass die härteren, rockigen Lieder wie „Electrified“, „Love Bird“ und „Young Bird“ aufgrund ihrer Energie Highlights auf dem Album sind. Letzterer könnte als Beispiel für eine perfekte Entwicklung innerhalb eines Songs dienen. Er beginnt mit einem Intro auf der Akustikgitarre, wächst mit dem Einsatz von Sousaphone und Didgeridoo und endet mit einer Wand aus Bläsern. Aber manchmal bin ich auch in einer Stimmung für die Folksongs auf meinem Album, wie „Erich“ oder „Canola Sea“. Dabei erinnern mich die Texte an meine Kindheit und an die wichtigen Dinge im Leben: Familie, Liebe und Freundschaft. Auf „Canola Sea“ bin ich besonders stolz, da dieser eine wunderschöne Zusammenarbeit mit meiner guten Freundin Ella Priesnitz ist.

Dein Sound ist sehr traditionell folkig, bluesig, Roots- und Americana-geprägt. Kannst du dir vorstellen, jemals einen Song mit elektronischem Beat oder Synthies zu schreiben? 

Vor meinem jetzigen Solo-Projekt „Young Fast Running Man“ habe ich bereits schon in anderen Bands und Projekten als Gitarrist gespielt. So war ich Live-Gitarrist bei „Attune“. Es handelt sich dabei um die Band meiner Brüder und ist im Trip Hop/Downbeat einzuordnen. Hier durfte ich schon viel zu elektronischen Beats und Synthieklängen spielen und habe auch einen Einblick in das Arbeiten mit Samples bekommen. Ich bin großer Fan von Bands wie „Bonobo“, „Portishead“ und „Massive Attack“, bei denen wunderbar gezeigt wird, wie gut elektronische und synthetische Elemente mit natürlichen, organischen Instrumenten harmonieren können. Daher kann ich mir sehr gut vorstellen, meine Ideen und Lieder mit elektronischen Sound zu verbinden.

Warum ist Folkmusik 2018 noch relevant? Der Mainstream ist doch schon längst bei Electro und Hiphop angelangt.

Ich denke, in der Musik läuft es ähnlich wie in der Mode. Man greift immer wieder auf vergangene Elemente zurück. Mode und Musik sind sowieso sehr stark miteinander verknüpft. So konnte man ja in den letzten Jahren eine gewisse Retrobewegung beobachten. Besonders auf den Blues wird immer wieder zurückgegriffen. Schon in den 60er und 70er Jahren haben sich Größen wie Cream oder Led Zeppelin an ihm bedient und zum Teil Songs von Blues-Ikonen wie Robert Johnson gecovert. Die meisten Rocklieder basieren auf dem Blues und dessen Tonmaterial. Hört man sich die Soli und Riffs von Noel Gallagher, Jack White oder Rival Sons an, so hört man ganz klar den Blues heraus.

Außerdem finde ich, dass eine Musikrichtung nicht Mainstream sein muss, um relevant zu sein. Gerade die Underground-Musik ist für mich und viele andere Künstler, aber auch für Zuhörer genau das Interessante und Abwechslungsreiche. Dort befinden sich oft die Perlen der Musik. Nur lässt sich das nicht so gut vermarkten. Ich werde ja nicht anfangen zu Rappen, nur weil es mir der Mainstream vorgibt und ich dadurch mehr Chancen habe. Lieber bleibe ich unbekannt und spiele die Musik, die mir am besten liegt und zu der ich stehe.

Was magst du lieber, E-Gitarre oder Akustikgitarre?

Kommt auf den Background an. Das ist vielleicht ähnlich zu der Frage scharfer oder süßer Senf. Aber ich würde sagen Akustikgitarre. Ich würde gerne die E-Gitarre wählen, jedoch ist mir die Akustikgitarre vertrauter und ich kann damit besser umgehen.

Wenn man sich das Cover des neuen Albums und das Artwork generell anschaut, vermutet man eine gewisse Naturverbundenheit deinerseits. Stimmt das?

Absolut. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und war viel in der Natur unterwegs. Beispielsweise durfte ich schon als kleiner Junge mit meinem älteren Bruder zum Angeln gehen. Und das ist auch noch heute meine Passion. Dort kann ich abschalten, Kraft schöpfen und neue Ideen sammeln für meine Lieder. Ich habe sogar meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeite nun als Gewässerökologe. Meine Naturverbundenheit kann man auch in dem Artwork von Sonja Schamann sehen. Auf dem Cover befindet sich ein Vogel, dessen Beine aus Wurzeln bestehen. Diese Wurzeln beziehen sich unter anderem auf meine Kindheit in der Natur, das Angeln, das Leben auf dem Land.

München scheint eine sehr lebendige (und auch junge) Folk- und Blues-Szene zu haben, wie erklärst du dir das?

Meiner Meinung nach stimmt das nur zum Teil. Es gibt viele gute Künstler aus diesen Genres. Das wohl beste Beispiel zeigt sich bei The Whiskey Foundation, mit denen ich schon einige Male spielen durfte. Das ausverkaufte Konzert in der Muffathalle ist der Beweis, dass auch bei den Zuhörern nach dieser Musikart verlangt wird. Allerdings ist es für Künstler und Bands generell schwierig, in München Fuß zu fassen. Das betrifft nicht nur die Folk-Musik und den Blues. Es fehlen Proberäume, Bühnen und die Unterstützung seitens der Stadt, damit sich Musikszenen entwickeln können. Zum Glück gibt es aber Clubs wie das Import Export oder die Milla, die Bands aus jeder Musikrichtung Möglichkeiten bieten.

Zum Schluss: Was erwartet das Publikum bei der Release-Show im Import Export am 3. November?

Zunächst ein tolles Publikum mit vielen netten, offenen und alternativen Menschen, die keine Berührungsängste haben, was unter anderem auch an der Location liegt. Das Import Export ist ein toller Club mit sehr nettem Personal. Bei der letzten Release-Party vor zwei Jahren herrschte eine tolle Stimmung mit viel Freude in den Gesichtern.

Die diesjährige Vorband „Elephalooka“ wird mit ihrem souligen Bluesrock schon mal ordentlich einheizen und für eine tolle Atmosphäre sorgen. Anschließend werde ich mit meiner Live-Band „The Young Birds“ spielen und eine abwechslungsreiche Show bieten. Dabei werden, wie auch auf den Alben, verschiedene Instrumente zu hören sein. Zusätzlich haben wir dieses Mal ein Special vorbereitet. Lasst euch überraschen! Für die Aftershow-Party gibt es stampfende Hits von „Sina Magazina“ (Girls Of The Underground) mit Blues-, Beat-, Rock-, Psych-, Surf-, Garage- und Grunge-Hits aus dem Untergrund!

Vielen Dank für das Gespräch, Fabian!


In aller Kürze:

Was? Young Fast Running Man – Album Release-Konzert

Wann? Samstag, 3.11., Doors 20 Uhr

Wo? Import Export, Dachauer Str. 114


Beitragsbild: © Jan Krattiger / Cover-Artwork: © Sonja Schamann

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