Inhaber der Kunstoase
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Abgetaucht ins Lampenmeer der Kunstoase

Leonie Meltzer

Leonie Meltzer

Her mit den Wörtern, den großen der Zeit, den prägenden, die jeden betreffen und über die wir diskutieren. Angst, Hass, Liebe, Mut? "Wieso, weshalb, warum?", frage ich mich und fange eure Münchner Stimmen ein über all jene Wörter, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen.
Leonie Meltzer

Schon die Hofeinfahrt hat irgendwie etwas Majestätisches an sich. Links und rechts von mir hängen goldene, silberne und hölzerne Spiegel an der Wand, deren Rahmen zum Teil mit Ornamenten verziert sind. Im Innenhof sehe ich schon diverse Gegenstände vor mir in der Sonne funkeln. Ein goldener, asiatisch anmutender Drache, orientalisch angehauchte Lampen, eine Marienstatue an der Hausfassade und das bunte, gekachtelte „KUNSTOASE“-Schild stechen mir sofort ins Auge. Ich schreite die sich inmitten der Gegenstände befindende steile Treppe im Hof der Hohenzollernstraße 58 hinunter und fühle mich, als würde ich mit jeder Stufe langsam eine andere Welt betreten, hinein in Tausendundeine Nacht.

Leises Wassergeplätscher und klassische Musik empfangen mich. Ich befinde mich nun in einem Keller.

Von der Decke glitzert und funkelt mir ein Meer aus pompösen Lampen und Lüstern entgegen.

Sie ist geradezu vollbehangen mit den Kronleuchtern. Vor mir erstreckt sich ein Sammelsurium aus Teppichen, Lampen, Gemälden, Spiegeln, Bilderrahmen und alten Möbeln. Aladin würde hier sofort anfangen nach seinem fliegenden Teppich zu suchen, denke ich mir. Sollte ich auch mal an einer Lampe reiben? Einen Versuch wäre es Wert… Ich tauche stattdessen ein Stück weiter hinein in die Antiquitätensammlung und bestaune die Vielzahl der Gegenstände, die sich hier aneinander reihen, aber das mit System.

Mitten drin sitzt der Kunstmaler und Inhaber Manfred Wambsganss.

Nachdem es den Architekt und Kunstmaler 1974 nach München verschlagen hatte, präsentierte und verkaufte er seine Gemälde zunächst in verschiedenen Ausstellungen. Dann wollte er sich von Galeristen unabhängig machen und kaufte sein jetziges Geschäft. Seit 1984 schon, gibt es sein Antiquitätengeschäft. „Viele die hier reinkommen sagen, ‚das fühlt sich an wie in einer anderen Zeit‘. Ist es irgendwie auch. Die ganzen Sachen, die sind über 100 bis 200 Jahre alt. Mir ist die Atmosphäre wichtig“, erklärt Manfred weiter. „Laissez-Faire“ könnte außerdem sein Motto lauten; den Verkauf gestaltet er eher gemütlich:

„Ich lass die Kunden laufen und wenn sie was brauchen, dann helfe ich gerne. Aber ich will sie nicht beschwatzen. Das habe ich dick sowas. Entweder sie finden was, oder nicht. Ich mag keinen Stress. Ich sitze hier rum, wie du siehst, und dann fragen mich die Leute als ‚gehören Sie hier dazu‘, dann sage ich ‚ja manchmal‘.“

Er scherzt, lacht und das auf gelassene, fröhliche Art und Weise. Seine Kundschaft gestalte sich Querbeet. Auch Prominente, wie Helmut Dietl waren schon bei ihm zu Gast. Finden könne jeder etwas, auch mit kleinem Geldbeutel: „Kleine Lüster fangen bei 150 Euro an und handeln tun aber sowieso alle. Ich hab aber auch Lüster für 4000-5000 Euro.“

Die ältesten Stücke in seinem Laden seien ein Biedermeier-Schrank aus dem Jahre 1870, Kirschholzkommoden, und von ein noch älterer Schrank aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Für den Verkauf brauche es heutzutage jedoch einen guten Mix aus Gegenständen, die alten Schränke verkaufen sich mittlerweile nicht mehr so gut.

„Man braucht nicht alles, aber es gehört zum Schönheitsbedürfnis der Münchner – schöne Kerzenhalter, schöne Spiegel, alte Rahmen.“

Die Gegenstände bekomme er von Kleinhändlern, die ihm regelmäßig einen Besuch abstatten. Seine Leidenschaft und Lieblingsstücke seien immer noch die Gemälde. Als Kunstmaler möge er einfach schöne Bilder und deren Rahmen, erklärt er.

Später zeigt er mir seine Lieblinge im Laden, von ihm angemalte Rahmen in Blautönen mit goldenen Ornamenten. „Ich versetze mich immer in den Designer von den Rahmen rein, der das gemacht hat damals zum Beispiel. Mit welcher Liebe und Akribie die das gemacht haben, vor 150, 200 Jahren! Heute ist alles maschinell gemacht, alles billig raus und fertig. Ich finde das schrecklich. Mir geht’s um die Ästhetik.“


Öffnungszeiten: Mo. bis Fr.: 9.00 – 19.30 Uhr Sa: 9.00 – 18.00 Uhr,
Adresse: Hauptgeschäft KUNSTOASE, Hohenzollernstr. 58 (Keller im Hof), 80801 München

Text: Leonie Meltzer, Fotos: Sebastian Gabriel


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