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Blogbook stellt vor: Blicktausch.com – Begegnungen mit Geflüchteten

Kevin Brandt

Münchner Kindl ohne ausgeprägte Ortskenntnis. Politisches Wesen. Sprache ist Macht. Printanhänger. Schon immer schreibend. Schon immer suchend.
Kevin Brandt

Es ist September in München. Der Sommer bringt zwei Wochen lang eine Rekordhitze, die Stadt schwitzt. Mehr Menschen als üblich reisen dieser Tage zum Hauptbahnhof. Aber sie kommen nicht, um den Sommer in der Stadt zu genießen. Sie kommen, um Zuflucht zu finden – vor Bomben, Verhaftungen, Folter, Elend, Perspektivlosigkeit, Hunger, Tod.

Die Stadt wacht schnell auf aus dem Traumsommer, die Menschen brauchen Hilfe und München hilft. Karim Hamed ist einer der Helfer*innen. Seine Jugend verbringt der Deutsch-Tunesier in der Heimat seines Vaters, er lernt dort arabisch. Das nutzt er im Sommer in Notunterkünften und Erstaufnahmelagern, um als Übersetzer die Kommunikation zwischen den Helfern und Geflüchteten zu ermöglichen. Er spricht mit den neuen Nachbarn und erfährt ihre Geschichten. Irgendwann beschließt er, was er hört und sieht, aufzuschreiben – die Geburt von Blicktausch.

Über seinen Blog schreibt Karim: „Ich hoffe sehr, dass diese Berichte zu einem guten Zusammenleben in Deutschland beitragen. Deshalb habe ich mich entschieden, meine Texte zu veröffentlichen.“ Und: „Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, dann gebe ich die Gespräche wider, wie es mir erzählt wurde. Ich mache mir nichts vor: Es kommen tausende von Menschen zu uns. Nicht alle sind da einer Meinung. Warum sollte ich versuchen, etwas daran zu ändern? Alle diese Menschen haben gelitten und das unter verschiedenen Parteien. Alle haben das Recht, gehört zu werden.“

In der Blogparade stellt Karim seinen Blog Blicktausch vor.

1. Mein Blog soll auf keinen Fall…

… politisch missbraucht werden oder irgendeiner Propaganda dienen. Ich hoffe, niemals der Selbstdarstellung zu verfallen und den Fokus von der Sache abzubringen.

2. Mein idealtypischer Leser ist eine Mischung aus…

… allen Schichten der Gesellschaft. Ich freue mich, wenn offene, tolerante Menschen meine Texte lesen und verbreiten. Ich würde mich jedoch noch mehr freuen, wenn Menschen mit Vorurteilen und Vorbehalten – und wer hat die nicht – den einen oder anderen Text lesen würden und dadurch zum Nachdenken gebracht werden.

3. Die bisher schönste Überschrift…

… gibt es nicht, da alle Überschriften gleich aufgebaut sind. Ich verzichte mit Absicht auf reißerische oder besonders einfallsreiche Überschriften, um nicht zwischen den Schicksalen der Menschen zu unterscheiden.

4. Der bisher meist geklickte Blogeintrag…

Tag 13: Braunau/Simbach

5. Wenn ich diesen Blog nicht machen würde, hätte ich mehr Zeit für…

… meine Arbeit, denn ich gründe gerade eine Firma im IT-Bereich, das Fitnessstudio, meine Gitarre und auch zum Schlafen.

6. Leitspruch der Redaktion…

„Jede Geschichte muss erzählt werden.“ Das heißt, auch wenn jemand mir etwas erzählen würde, mit dem ich politisch nicht einverstanden bin, würde ich davon berichten, denn mein Anliegen ist es, die Erzählungen ungefiltert und ungeschönt weiterzugeben. Ich biete das Rohmaterial eines Konflikts. Jeder soll seine Schlüsse daraus ziehen und seine Meinung dazu bilden.

7. Online lese ich sonst noch…

… auf verschiedenen Nachrichtenseiten, wie Spiegel-Online, Süddeutsche Zeitung, lemonde.fr, aljazeera.net und bbc.com. Außerdem verfolge ich verschiedene alternative Informationsquellen auf Facebook.

8. Offline findet man mich in…

… bald in meiner Firma Skyitup am Agnes-Pockels-Bogen in München.

9. Mein liebstes Lied der Woche…

… ist „Life“ von Jehro, doch eigentlich höre ich vor allem engagierten Message-Rap aus der französischen Rap Szene.

10. München braucht dringend…

… menschlichere Politiker, so wie übrigens auch der Rest der Welt.

 

Fotocredit: Karim Hamed

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