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Clowns ohne Grenzen: Happy Welcome für Geflüchtete

Martina Kollross

Hauptstadtkorrespondentin
Martina Kollross

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Mit Plastiktüten und Pappkartons haben die vier Neuankömmlinge die Bayernkaserne erreicht, das Erstaufnahmezentrum für Flüchtlinge in Freimann. Zwei Männer und zwei Frauen sind es und sie sehen genauso komisch aus wie sie sprechen. Waschli, Kuki, Duda und Mädmoisel nennen sich die vier Clowns. Meistens reisen sie in ferne Krisengebiete. Doch in diesem Jahr sind sie, von der Kamera begleitet, auf eine besondere Deutschlandtour gegangen: In acht Erstaufnahmezentren spielten sie vor Menschen aus der ganzen Welt. Der Film „Happy Welcome“ läuft seit dem 19. November im Kino.

Der Dokufilmer Walter Steffen hat sie dabei begleitet und einen Film geschaffen, der ganz nah an tief menschlichen Begegnungen ist, ohne sie zu sentimentalisieren. Steffen ist selbst als Flüchtlingskind ins Allgäu der 50er Jahre gezogen, vielleicht kann er deshalb ganz genau deutlich machen, was für ein Wunder es ist, wenn traumatisierte Kinder von Herzen über die Späße von Clowns lachen können. Und nicht nur die Kinder freuen sich über die Abwechslung in Aufnahmezentren, die in ganz Deutschland gleich aussehen: sterile, umzäunte Blockbauten. Auch die Erwachsenen, die oft ausgezehrt und erschöpft scheinen, sieht man im Film aufblühen. Zunächst herrscht oft noch Skepsis, die sich allerdings schnell löst, und nach den Vorstellungen werden die Clowns von Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen umringt und umarmt. Der Film soll auch motivieren, auf Menschen zuzugehen.

06 Meßstetten

Denn die Arbeit der Clowns ist nicht nur eine Geste des Willkommen-Heißens oder eine Kinderbetreuung, in ihrer Aufführung thematisieren die Vier reale Probleme geflüchteter Menschen. Da fehlt zum einen die gemeinsame Sprache, ein Problem, das die Clowns schnell lösen können. Denn sie sind nicht schüchtern, sondern gestikulieren, deuten, packen an. Qualitäten, die es einfach braucht, um Menschen zu begegnen. Dann hat aber auch noch jeder seine Eigenheiten. Duda muss immer alles erst mal abbürsten, Mädmoisel bewegt sich nur über eine ausgerollte Klopapierrolle vorwärts, um ja nicht fremden Boden zu berühren. Kuki erschrickt jedes Mal, wenn Waschli ein lautes Geräusch macht. Nur gut, dass sich am Ende alles mit Scherzen und Lachen auflöst.

Hinter der Figur Waschli steckt der Musiker Stefan Knoll, 49, aus dem Landkreis Mühldort. Seit 2010 ist er beim Verein Clowns ohne Grenzen aktiv.

08 Köln PorzSeit 19. November läuft euer Film in den Kinos. Gab es Reaktionen?

Bisher habe ich ein durchweg positives Feedback bekommen. Gestern hat mich eine Traumatherapeutin aus Landsberg angerufen, die mir gesagt haben, wie wichtig unsere Arbeit für Traumapatienten ist.

Wie haben die Menschen vor Ort auf euch als Clowns reagiert?

Total überschwänglich. Nach dem Auftritt wollten alle Fotos mit uns die Kinder wie die Erwachsenen. Wie man das im Film auch sieht, hatten wir immer auch noch rote Schminke dabei, mit der gespielt wurde. In der halben Stunde nach dem Auftritt fand dann auch Austausch statt.

Seid ihr öfter in Flüchtlingseinrichtungen?

Vor 1,5 Jahren haben wir schon mal eine Deutschlandreise wie diese hier gemacht. Es bilden sich gerade verschiedene Regio-Gruppen, die in dem Bereich aktiv sind. Sonst sind wir aber eher im Ausland unterwegs. Die Miriam und der Andi waren in der Zwischenzeit in Flüchtlingslagern an der türkisch-syrischen Grenze. Dort hat der Andi auch Workshops gegeben, um Menschen vor Ort als Clowns auszubilden.

Ist Humor nicht kulturell sehr unterschiedlich?

Ich selbst war mit den Clowns ohne Grenzen in Georgien und in Indien, da sind zum Beispiel die Zaubertricks nur so halb angekommen, in anderen Ländern johlen die Menschen dabei auf. Aber generell gilt: Kinder sind Kinder. Bei Clowns gibt es zwischen einem deutschen und einem syrischen Kind keinen Unterschied. Und im Film sieht man auch, dass Menschen aus Afrika, Syrien und dem Balkan, die ganz durchmischt saßen, an den gleichen Stellen lachen.

Kinos in und um München, die „Happy Welcome“ zeigen:

Monopol Kino, München

Kino im Fools, Holzkirchen

Altstadt-Kinos, Ingolstadt

Maxim Kino, München

Kurtheater, Tutzing

Kino Sunset & Sunrise, Wolfratshausen

 

Fotocredits: Clowns ohne Grenzen

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