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Oana geht no? – Das Oktoberfest in Zahlen

Ende September und halb München ist auf den Beinen am Oktoberfest. Alleine am ersten Wochenende 2022 sollen es rund 700.000 Gäste gewesen sein, die das Oktoberfest besuchten. Keine Spur also von Infektionsangst oder ausbleibenden Tourist*innen. Während manch einer ja die Qualität der Wiesn schätzt – das gute regionale Essen, das süffige Bier – widmen wir uns heute mal der Welt der Zahlen, also der quantitativen Dimension der Wiesn. Wir haben den Wiesnengel Aloisius gefragt und er hat uns ein paar interessante Fakten verraten.

Ozapft is’! – So kräftig ist das Wiesn-Bier

Nach zwei Mass könne man unter Umständen noch Autofahren, behauptete Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein einst. Womit er eher Unrecht hatte: Zwei Liter Wiesn-Bier enthalten etwa 96 Gramm Alkohol, was einen Promillewert von etwa 1,3 ergibt. Somit heißt es in jedem Fall: Auto stehen lassen. Auch an S-Bahn-Endstationen.

Überhaupt ist das Wiesnbier stärker als normales Bier – das ist weitgehend bekannt. Durchschnittlich sechs Prozent Alkohol enthält das extra von den Brauereien für die Saison gebrauchte Bier. „Normales“ Bier dagegen hat meist zwischen 4,7 und 5,2 % Alkoholanteil.

Insgesamt wurden zur letzten Wiesn übrigens um die 7,3 Millionen Mass Bier über die Ladentheke beziehungsweise den Biertisch gereicht. Das bedeutet die 6,3 Millionen Besucher*innen haben im Durchschnitt etwas mehr als eine Mass getrunken. Gemessen am kompletten Bierabsatz in Deutschland (69,5 Mio Hektoliter) macht die Wiesn also 1 Promille des Gesamtumsatzes der Brauwirtschaft in Deutschland aus. Oder anders formuliert: jedes tausendste in Deutschland getrunkene Bier fließt durch die Kehle eine*r Wiesn-Besucher*in.

Nach der Pandemie-Pause müssen die Münchner*innen für das Festbier übrigens richtig tief in die Tasche greifen bei Preisen zwischen 12,60 EUR (Museumszelt Oide Wiesn) und 13,80 EUR (Poschner). Die deutlichste Preissteigerung gab es beim Fisch-Bäda (mehr als zwanzig Prozent Aufschlag). Im Durchschnitt ergibt sich ein Aufschlag von 15,8 Prozent gegenüber der letzten Wiesn 2019. Ein weiterer Vergleich: 2016 kostete eine Maß noch zwischen 10,40 und 10,70 Euro.

Angezapft wurde das erste Wiesn-Fass 2022 natürlich wieder vom OB der Stadt, Dieter Reiter, mit drei routinierten Schlägen. Den Negativrekord beim Anzapfen hält dabei OB Thomas Wimmer 1950 mit ganzen 16 erfolglosen Versuchen bis zu einem treffsicheren 17. Schlag. Es sei ihm nachgesehen: Er war als OB damals spontan eingesprungen, weil die vorhergesehene Person verhindert war, und hat – als Ungeübter – diese Tradition überhaupt erst ins Leben gerufen. Erst seitdem setzt der OB Münchens traditionell die ersten Schläge am ersten Bierfass. Mit anschließenden Erfolgsschrei: „Ozapft is’!“. Auch das eine Eingebung von Wimmer damals. Den Positiv-Rekord hält indes Alt-OB Christian Ude mit nur zwei Schlägen: das ist ihm insgesamt viermal geglückt.

Es war einmal eine Hochzeit – die erste Wiesn

Die erste Wiesn fand 1810 statt. Anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese gab es ab 12. Oktober des Jahres zahlreiche private und öffentliche Feiern in der Stadt – darunter ein Pferderennen auf der heutigen Theresienwiese am 17. Oktober. Auf dieses geht das Oktoberfest zurück.

Seitdem findet die Wiesn jährlich statt und ist längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Allerdings feiern wir 2022 erst das 187. Oktoberfest. Immer wieder gab es Jahre mit Wiesnpause – meist waren Pandemien oder Kriege der Grund. Zwischen 1811 bis 2021 gab es so ganze 26 Absagen. Wie etwa in den letzten beiden Jahren. Die längste Pause war kriegsbedingt zwischen 1939 bis 1948.

O’gsteckt is’ – die Wiesn und Corona

Nicht jede Münchner*in ist begeistert vom Massentrubel unter den Augen der Bavaria. Ganze 34 Prozent wollen dieses Jahr laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio auf einen Wiesnbesuch verzichten. Als Begründung werden zuvorderst die Angst vor Menschenmassen (61,8 Prozent) sowie die gestiegenen Preise (55,9 Prozent) genannt. Auch Corona beziehungsweise die allgemeine Ansteckungsgefahr ist ein Faktor für viele aus dieser Gruppe (46 Prozent).

Apopros Corona: Auf eine Skala von 1 bis 10 sei die Ansteckungswahrscheinlichkeit nach mehreren Stunden bei einer 9 bis 10, antwortete der Virologe Oliver T. Keppler (LMU München) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. „Viel mehr geht nicht“, so seine Einschätzung. (Das könnte Millionen an Neuinfektionen innerhalb von zwei Wochen im Großraum München ermöglichen.)

Dass Volksfeste in der derzeitigen Pandemielage die Infektionszahlen in die Höhe schnellen lassen, ist übrigens bereits durch eine Reihe von Kleinstädten belegt. Im Landkreis Kulmbach etwa schraubten sich die Inzidenzen infolge der „Bierwoche“ auf teils über 1400 an – zu dem Zeitpunkt Spitzenwert in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit einer neuen Virus-Mutation durch weltweit größte Volksfest schätzten Virolog*innen laut einer Nachfrage des BRs indes als nicht sehr hoch ein.

Hendl und andere Schmankerl

Eine deftige Mahlzeit gehört für viele zum Wiesnbesuch einfach dazu: Rund 435.000 Branthendl wurden 2019 auf der Wiesn verkauft. Besonders hungrig (auf Backhendl) waren die Besucher*innen aber 1991, als 807.710 Hendl verspeist wurde – diese Zahl ist bis heute unübertroffen. Vor der Pandemie verzehrten die Gäste zudem ganze 130 Ochsen. Der gesellschaftliche Trend zu mehr vegetarischer und veganer Ernährung dringt aber ebenso zur Wiesn durch – wenn auch recht langsam.

Energie und Verbrauch

Ganz aktuell ist dieses Jahr natürlich auch noch das Thema Energie-Verbrauch. Insgesamt 3 Millionen Kilowattstunden (kWh) Stromverbrauch werden den 17 Tagen Wiesn benötigt, hat das Portal 123energie.de berechnet. Das entspräche in München „dem Jahresbedarf von 1.200 Haushalten und 15 Prozent des Tagesbedarfs“, erklärten die Stadtwerke. Gleichzeitig werden 200.000 Kubikmeter Erdgas und 120 Millionen Liter Trinkwasser verbraucht. Mit der Menge an Erdgas wären 85 Einfamilienhäuser ein Jahr lang versorgt. Die öffentlichen Bereiche der Wiesn werden übrigens mit Öko-Strom der Stadt versorgt. Ebenso beziehen viele Wirte und Fahrgeschäfte ihren Strom inzwischen von Öko-Anbietern laut eigenen Aussagen.

Besucher*innenzahlen und die Festzelte…

Jetzt haben wir schon einiges gelernt zur sogenannten „fünften Jahreszeit“ in München. Aber wir haben noch mehr auf Lager. Nochmal zu den Besucherzahlen: Die meisten Besucher*innen aller Zeiten kamen zu einer Jubiläums-Wiesn: Rund 7,1 Millionen Menschen besuchten das Oktoberfest 1985 und feierten den 175. Geburtstag. Bis heute Rekord! Im aktuellen Jahr bleibt abzuwarten, wie sich das Publikum verhält. Schlägt die Infektionsangst durch oder lockt der dreijährige Wiesnentzug besonders viele Gäste zurück? 2019 kamen übrigens 21% aller Gäste aus dem Ausland (davon 3,9% aus Italien, 3,7% aus den USA und 2,9 % aus Österreich). 62 Prozent kamen aus München und Umland.

Das größte Festzelt ist die Hofbräu-Festhalle mit etwas über 10.000 Plätzen. Ein echter Geheimtipp dagegen ist der Glöckle Wirt – mit gerade einmal 90 Plätzen der kleinste Wiesn-Bierzelt und bekannt für seine detailreiche Dekoration. Ein Geheimtipp dort ist der kleine Biergarten mit dem eingerechnet man auf 306 reguläre Plätze kommt. Das kleinste Cafézelt ist das Kaffeehaferl Schiebl mit Platz für gerade etwa 100 Menschen. Ein besonderes Schmankerl im Glöckle Wirt: Unter der Woche kostet jede Weißwurst bis zum Mittagsläuten um 12 Uhr dort nur 99 Cent pro Stück.

Alles in allem hat das Festgelände auf der Theresienwiese eine Fläche von 34,5 Hektar. Darauf befinden sich 17 große und 21 kleine Bierzelte, etwa 180 Schaustellergeschäfte sowie 2.189 Marktkaufleute. Insgesamt sind nach Schätzungen circa 13.000 Personen auf dem Oktoberfest beschäftigt. Davon rund 700 Sicherheitskräfte auf dem gesamten Areal.

Mehr Außergewöhnliches und Verblüffendes kannst du hier auf der offiziellen Oktoberfest-Seite der Stadt nachlesen.

Und damit genug der Zahlen. Danke Aloisius. Ein wenig wertvolles, wichtiges, unnützes, kurioses sowie vergnügliches Wiesn-Wissen hast du uns mitgegeben. Vielleicht bringst du uns damit ja direkt mit den Banknachbar*innen ins Gespräch. Auf eine friedliche Wiesn!


Beitragsbild: © Carla Borengässer

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/bayern/nach-zwei-mass-bier-darf-beckstein-noch-fahren-1.703819

https://www.kenn-dein-limit.de/fakten-ueber-alkohol/oktoberfest-und-alkohol

https://de.statista.com/infografik/28263/bierausschank-und-besucher-des-muenchener-oktoberfests/

https://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberfest

https://www.gq-magazin.de/lifestyle/artikel/oktoberfest-bierpreise-2022-biersorten-masspreise-kosten

https://www.tz.de/muenchen/wiesn/euphorie-besuch-oktoberfest-wiesn-muenchen-umfrage-91732098.html

https://www.tz.de/muenchen/wiesn/oktoberfest-wiesn-corona-prognose-virologe-superspreading-news-91734028.html

https://www.br.de/nachrichten/bayern/oktoberfest-2022-mediziner-erwarten-corona-wiesn-welle,TFUuvWG

https://www.br.de/nachrichten/bayern/einfach-glueckselig-700-000-besucher-zum-wiesn-auftakt,THnKpKJ

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/oktoberfest-wiesn-muenchen-2022-100.html

https://www.oktoberfest.de/informationen/service-fuer-besucher/der-bierpreis

https://wiesnkini.de/zelte/

https://www.t-online.de/region/muenchen/id_100053150/strom-besucher-bier-die-irren-zahlen-rund-ums-oktoberfest.html

https://www.123energie.de/privatkunden/magazin/energiefakten-oktoberfest_a145

Florian Kraus
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