Kultur, Live

Die Farben Rios – brasilianisches Feuer in der Unterfahrt

Einen Megahit wie „Umbrella“ verjazzen? Das kann fantastisch klingen, wenn eine Sängerin wie Lisa Wahlandt dahinter steckt. Sie schert sich nämlich nicht um Genregrenzen,sondern sucht Songs aus, die ihr gefallen und hat sehr schnell eine Vorstellung davon, wie es klingen soll. Schnell spürt sie, wie sie die Melodie singen will und dann „fühlt es sich fast an, als hätte ich den Song selbst geschrieben.“ Für ihr Konzert Ende Juli in der Unterfahrt in München – gemeinsam mit Lula Ribeiro – hat sie aus der Schatztruhe Brasiliens einige Perlen herausgesucht.

„Ich arbeite gerne auch mit dem Text. Egal, ob er romantisch, komödiantisch oder melancholisch ist. Schau mir gerne die Akkorde an, um sie bei Bedarf umzuändern. Versuche, nie das Original in irgendeiner Art und Weise zu adaptieren.“

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Foto: Zrenner-Wolkenstein

Was fasziniert Dich an brasilianischer Musik?

„Wenn man mit brasilianischen Musikern spielt, fällt dieses Holpern und Verschieben der Rhythmen auf. Diese für uns eher  „krumme“  Weise, den Rhythmus zu spüren und zu spielen. Das, was wir evtl. als „Oha, das ist jetzt aber nicht mehr in time“  bezeichnen. Oder die Art und Weise, wo die gefühlte Eins für uns und die wirkliche Eins für die Brasileiros ist. Das liebe ich. Das will man spüren und begreifen lernen.“

 

Warst Du schon einmal da?

„Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nur einmal auf einen „Kurztrip“  in Rio de Janeiro war und sich mein Kontakt zur Musik hier im beschaulichen München mit meinen Brasilianischen Kollegen abspielt. Die kommen aber auch sehr gerne hierher…“

Brasilianische Musik lebt auch von speziellen Percussion-Instrumenten. Wie setzt ihr den Sound und die Grooves auf der Bühne um?

„Marco Lobo ist einfach ein unglaublicher Zauberer an der Percussion. Man muss es selber hören, spüren und sehen – am besten Live. Wir setzen uns auf seinen Groove und wollen mit ihm reisen -in sein Land, in seine Welten. In seinen Sound.“

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Lula Ribeiro?

„Letztes Jahr hatte ich mit Lula Ribeiro (und Marco Lobo) eine kleine Tour durch Deutschland. Unser zweites Zusammentreffen im Tourbus endete damit, dass wir 2 Stunden aus vollem Herzen gesungen haben. Wir haben einfach ALLE Lieder gesunden, die ich kenne; vornehmlich aus den 50er/60er Jahren: Bossa Nova Aera. Diese Nostalgie machte ihm große Freude. Zumal er ja  in der mpb zu Hause ist und eigene Songs schreibt.“ (mpb=musica popular brasileira/modernen brasilianischen Musik)

Du hast in einem Interview gesagt, dass Du froh bist, in einer Zeit ohne „the Voice“ und „DSDS“ aufgewachsen zu sein – mit viel Live-Musik in der Familie. Was würdest Du heute anders machen, wenn Du noch mal 15 wärst und singen deine Leidenschaft?

„Schwierige Frage. Ich würde versuchen, meinen Vater zu überzeugen, dass er mir in diesem zweiten Leben Gitarrenunterricht und Ballettunterricht genehmigen sollte… ja, Ballett, das wollte ich damals tatsächlich. Ansonsten würde ich genauso Musik machen wollen. Auf dem Land. Mit den Familienfesten. Mit Musikern, Bands und Projekten. Live und im Studio.“

Wie entwickelst Du Ideen für Deine Konzerte und wonach wählst Du die Songs aus?

„Ich kann auf einen großen Fundus an Songs zurückgreifen, weil ich seit meiner Kindheit Musik in allen Sparten hörte (von Schlager über Jazz zur Klassik). Daher habe ich endlose Ideen zu unseren Konzerten. Die Songs wähle ich einerseits nach den Musikern bzw. der Band aus, mit der ich arbeite, und natürlich nach dem Thema. Wenn ich ratlos bin, recherchiere ich so lange, bis mir was in die Arme bzw. in die Ohren(ge)fällt…“

Wir danken Frau Wahlandt für das Gespräch.

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