Aktuell, Stadt

Wenn hinter Drohnen Drohnen drohen

Offen und mitfühlend soll man ja sein in diesen stürmischen Zeiten, wo sich die diskursiven Fronten immer mehr verhärten. Drum versuche ich das jetzt mal und versuche, mich in eine dieser Personen hineinzuversetzen, die mit ihren Kameradrohnen mittlerweile wie die lästigen Wespen überall herumschwirren und mir meine Freizeit zu ruinieren drohen.

Vor ein paar Wochen zum Beispiel im Urlaub

Auf der Insel am Sandstrand in einer gemütlichen kleinen Bucht: kaum Leute da, es herrscht eine entspannte und erholsame Stimmung. Ich liege auf meinem Badetuch im Sand und widme mich meiner Sommerlektüre, nur um von einem nervigen ZZZZZZZZZZZZZZ jäh unterbrochen zu werden. Ich löse gezwungenermaßen meinen Blick von den Buchstaben und blicke in eine drei Meter entfernte kleine Kameralinse, die an einer Drohne befestigt ist.

Also, räusper, offen und mitfühlend: vielleicht filmt sie mich ja gar nicht. Der nette, bierbäuchige Mann Mitte Vierzig, der am anderen Ende der schnuckeligen kleinen Bucht steht und die Fernsteuerung bedient – mit glänzenden Augen, wie ich sie sonst nur von Kleinkindern zu Weihnachten kenne – ist sicher ein aufrechter Urlauber, der meine Persönlichkeitsrechte im Blick hat. Der möchte lediglich ein paar nette Luftaufnahmen von seinem Urlaub mit nach Hause bringen, um damit seine Verwandtschaft zu langweilen. Eher würde er auf seine Klicks bei Youtube verzichten, bevor er ein Video online stellt, in dem ich klar erkennbar zu sehen bin.

Oder an der Isar

Wenige Wochen später. Mühsam fahren wir mit dem Rad in der Affenhitze den Flaucher entlang und haben endlich irgendwo hinter der Braunauer Eisenbahnbrücke ein einigermaßen unbevölkertes Plätzchen ge-ZZZZZZZZZZZZZZZZ.

Ok, ich verstehe es ja: Die Isar, die Lebensader der Stadt, ummantelt von Grün, mit den vielen sonnenhungrigen MünchnerInnen als farbige Punkte verstreut auf dem Bild: Das gibt ein Knaller-Video, das garantiert voll reinballert auf Facebook. Das gibt einen ultranicen viralen Hit.

Aber eben, offen und mitfühlend: Der Kameramann (es waren bis jetzt immer Männer) filmt ja garantiert aus sicherer Entfernung, so dass ich in keiner Weise auch nur halbwegs zu erkennen sein werde. Es sind ja alles nette und rücksichtsvolle Menschen, diese Drohnenpiloten.

Und am Königsplatz

Zu guter Letzt: Ein sommerlicher Sonntag Nachmittag mit Freunden, kühle alkoholische und nichtalkoholische Getränke und ein paar Snacks, Picknickdecke, was halt so dazugehört. Eigentlich auch ganz schön, denke ich, so ein Urlaub zuhauZZZZZZZZZZZZZZ.

Ich muss an der Stelle wohl nicht weiter ausführen, was passiert ist. Und auch hier: ja, es war die perfekte Gelegenheit für einen schönen Drohnenflug. Der Königsplatz in der prächtigen Nachmittagssonne, ein paar Leute, die den Sonntag genießen – ein perfektes Sujet für dein Travel-Video, das sich kein Mensch je anschauen wird.

Aber dürfen die das überhaupt?

Die kurze Antwort: Ja. Denn verboten ist das Drohnenfliegen nur über:

  • Menschenansammlungen
  • Einsatzorten der Polizei und Rettungskräfte sowie Krankenhäusern
  • Wohngrundstücken
  • Naturschutzgebieten
  • Industrieanlagen, Flugplätzen und Bundesfernstraßen
  • Verfassungsorganen, Bundes- und Landesbehörden

Des weiteren gibt es von der Stadt genau ausgewiesene Gebiete, in denen das Fliegen erlaubt ist, eine kostenlose Drohnen-App und auch weitere nützliche Hinweise.

ZZZZZZZZZZZZ

Aber ZZZZZZZ irgendwZZZZZ ist halZZZZZZZZZ auch maZZZZZZZZZZZZ zuviel dZZZZZZZZZZZZZ Guten und man ist mehr mit Drohnenabwehr beschäftigZZZZZZZZZZZZZ als mit dem wohlverdienten Genuß seiner Freizeit. Und wohin das führen kann, wissen wir ja alle.

Sollte man das Drohnenfliegen auf Stadtgebiet also verbieten?

Ich bin mir nicht sicher, ob das die richtige Lösung wäre. Eine gewisse Lärmtoleranz soll man ja auch von Stadtbewohnern verlangen dürfen. Aber der Lärm ist nur das eine, das Filmen das andere. Da bleibt wohl nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass die Drohnenpiloten unsere Persönlichkeitsrechte respektieren und uns nicht filmen oder fotografieren. Oder zumindest so, dass wir auf dem Bildmaterial nicht zu erkennen sind. Wirkliche Gewissheit kann man nicht haben, aber was im Zweifel immer hilft, ist auf die Leute zugehen und sie kurz darauf anzusprechen.

Und zum Schluß noch ein kleiner Lichtblick: Wir müssen zumindest jetzt und hier in Deutschland (Stand 14.8.2018, wer weiß wie das noch weitergeht) noch keine Angst davor haben, dass die Dinger bewaffnet sind.


Beitragsbild: © William Stitt on Unsplash

1Comment
  • Die Wahrheit
    Posted at 22:47h, 18 März

    Was für ein Spießer muss man sein um sich über so was aufzuregen. Aber wie sagt man kleine Geister bewegen kleine Sachen.

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