Eisbecher Eismeer
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Münchens erstes klimaneutrales Eiscafé – Das Eismeer im Glockenbach

36 Grad und es wird noch heißer. Die Lust in ein kaltes Eismeer abzutauchen wächst mit jedem Grad mehr und mehr. Aber wir wissen es ja alle: Eis ist nicht unbedingt gesund. Und durch exotische Zutaten und konstante Kühlung erst recht nicht nachhaltig. Wir wollen ja auch verhindern, dass es ist Deutschland tatsächlich 36 Grad und immer heißer wird (#stopclimatechange). Und trotzdem kann man im Sommer einfach nicht auf süße Eiscreme verzichten, sie ist ja auch so lecker. Wo liegt also der Kompromiss aus kaltem Genuss und Klimakiller? Ach, wenn es das nur gäbe! Dann könnten wir endlich unser Eis richtig genießen…

Aber halt Stopp! Das alles ist mittlerweile möglich, mit etwas Glück sogar direkt um die Ecke. Nachhaltiges selbstgemachtes Eis gibt es zum Beispiel im Eiscafé Eismeer im Glockenbachviertel. Wie du dem Titel wahrscheinlich schon entnommen hast, handelt es sich hierbei sogar um Münchens erstes klimaneutrales Eiscafé. Die Geschichte des einzigartigen Ladens möchten wir euch auf keinen Fall vorenthalten, also Vorhang auf für eine Geschichte von Natur, Selbstschaffung und Ausgrenzung. 

„Unser Konzept ist in erster Linie, dass wir in unserem Eis die Natur wiederfinden“

Dieser Satz ist der erste, den Robert uns in seinem geliebten Café Eismeer erzählt. Nebenbei füllt der Eismacher das gerade fertig produzierte Vanilleeis in die Becher um. In seiner eigenen kleinen Manufaktur hat er drei kleine Maschinen, die ihn dabei unterstützen, frische Eiscreme herzustellen. All das passiert in der ursprünglichen Lagerkammer im Hinterhof des Eiscafés. Ein halbes Jahr bastelte der Mitgründer an seiner Sorte Vanille, bis sie perfekt war: ein Vanilleeis mit echter Vanille, die hochkonzentriert ist und in Glukose aufgekocht wird, aus welcher später bis zu 60 Liter Vanilleeis entstehen. Dabei wird kein Ei verwendet, was unüblich ist. Die Aussage „Echte Vanille zu benutzen, ist zu teuer“, sei für ihn widerlegt, meint Robert.

Eismaschine Eismeer

Verantwortlich für die ausschließlich natürlichen Zutaten in den Eissorten, ist mehr oder weniger ein alter Eismacher in Sizilien. Robert erzählt uns von der Begegnung, die den Laden für immer prägte:

„Wir haben einen alten Weltmeister getroffen, der war schon über 80, in Sizilien und ich hab zu ihm gesagt, ‚Hey hast du nicht Bock mir ein bisschen was zu zeigen?‘ In seinem gebrochenen Deutsch erklärte er mir dann ‚Was soll ich dir zeigen? Schau in die Natur und folge der Natur. Und merke dir eins, siehst du mehr als 12 Sorten und sieht du Bergeis, renn um dein Leben.‘ Was er damit gemeint hat, haben wir erst später verstanden“ 

Robert

Warum du vor Bergeis rennen solltest

Das oben erwähnte „Bergeis“ birgt laut Robert ein fleischiges Geheimnis. Die Eisberge, die so lecker hinter den Vitrinen aussehen, seien meistens mit Schweinefett stabilisiert. Rein chemisch sei es unmöglich, Wasser und warme Luft ohne Stabilisator in dieser Form zu halten.
Die Devise also für Vegetarier*innen und Veganer*innen: Finger weg von Eisbergen hinter der Vitrine! Schlimmer sei es sogar noch für Veganer*innen, meint Robert. Häufig sei das als vegan ausgeschilderte Sorbet nicht vegan, da üblicher Zucker nicht vegan hergestellt würde. Der Süßstoff würde meist mit Knochen geklärt und sei deshalb für Veganer ganz klar ungeeignet. Das Problem liege laut Robert darin, dass die meisten Eisdielen nichts darüber wüssten. Wer industriell hergestelltes Eis verkauft, wisse eben oft selbst nicht, was darin stecke. Natürlich gibt es auch andere Eisdielen, die auf ihre Zutaten achten und ihr Eis auch selbst herstellen, nur eben leider der Großteil nicht.

Im Eismeer kommen keinerlei künstliche Fette, Zusatzstoffe oder Aromen ins Eis. Nur von Kohle geklärter Zucker wird verwendet, damit auch Veganer*innen ihren Spaß am Eis haben. Im Allgemeinen liegt der Zuckergehalt im Eis beim Café Eismeer unter 20%. Zum Vergleich: Die durchschnittliche industriell produzierte Eiscreme enthalte 50% oder mehr Zucker. 

„Wir wollen keinen ausgrenzen“ – Wie es zu den veganen Eisbechern kam

Gründer Eismeer

Die beiden seit 21 Jahren verheirateten Gründer Robert und Markus arbeiten schon seit einiger Zeit im Herzen vom Glockenbachviertel. Als schwules Paar ist ihnen Ausgrenzung kein unbekannter Begriff. Aus diesem Grund war den beiden von Anfang an klar, dass sie niemanden ausgrenzen wollen – auch keine Veganer*innen. Deshalb gibt es heute jeden Eisbecher auch als vegane Variante.  

„Selbst als schwuler Kampfsportler; also mich kann man sicher nicht zusammenschlagen aber in der Seele wehtun. Wir wissen, wie wir alle diskriminiert werden. Es ist halt leider so. Da haben wir gesagt, wir werden sicherlich eines nicht tun: hier Veganer ausschließen. Sondern wir werden versuchen alles was ist, gleichberechtigt zu tun. Das ist unser Credo.“ 

– Robert

Die allererste vegane Sorte sei allerdings per Zufall entstanden, auf Basis eines alten italienischen Rezepts. Da Milch zu teuer war, wurde für das heutige Schokoladeneis nur Wasser und Kakao verwendet. Dabei kocht der Kakao einige Stunden bei 90 Grad Celsius, bevor er weiterverarbeitet wird, weil genau bei dieser Temperatur die Schokomoleküle platzen. Als dann die Eisdiele von Veganern, die das Schokoladeneis essen wollten, eingerannt wurde, beschlossen die beiden, ihr veganes Sortiment zu erweitern. Komplizierter schien es ja nicht zu sein. 

Alles Bio, oder was?

Nein, die Produkte im Café Eismeer sind nicht zwingend bio-zertifiziert. Denn wie Robert sagt: „Bio ist nicht gleich Bio“. Den Besitzern ist nicht die Zertifizierung ihres Cafés wichtig, sondern tatsächlich die Qualität. Ihren Fokus legen sie deshalb auf regionale Produkte, was dazu führt, dass die Milch nicht Bio-Qualität ist, sondern von einem vertrauten Bauern aus der Gegend.

Und wenn es nicht regional geht? Dann eben anders. Zum Beispiel durch eigene Orangenbäume in Valencia. Mit dem Crowd-Farming Projekt haben die Gründer mit berliner Studierenden in Valencia Bäume angepflanzt, die wiederum von eigenen Bienen bestäubt werden – so funktionieren nachhaltige Lieferwege.

Falls du trotzdem auf der Suche nach 100% Bio-Eis bist, ist das Eismeer also die falsche Anlaufstelle. Zum Glück gibt es in München aber genug andere Eisdielen, die auf diese Zertifizierung wert legen.

Das erste klimaneutrale Eiscafé Münchens

Seit letztem Jahr gilt das Café Eismeer als erstes klimaneutrales Eiscafé Münchens. Nur 9 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr ist der Preis für das leckere Eis, mehr ökologischen Fußabdruck hat das Eismeer nicht. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Pro-Kopf Emissionsausstoß jährlich bei 9 Tonnen (Stand 2016). Das heißt, das Eismeer hat nur so viel CO2 Ausstoß wie eine durchschnittliche Privatperson. Der Grund, wieso es klimaneutral wurde? 

„Wir wollen den gesunden Weg finden zwischen Herstellung, kurzen Lieferwegen und Natur.“

– Robert

Stromrechnung, Spritrechnungen, Bilanzen – all das werde eingeschickt, um den Wert von 9 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr zu ermitteln. Diese werden dann wiederum durch den Kauf von Zertifikaten neutralisiert. Das Café Eismeer kauft Zertifikate im Bereich Frauenrechte und südafrikanische Gleichbehandlungsrechte. Dass vollständige Klimaneutralität natürlich ein Wunschtraum bleibt, ist dabei allen klar. Eine Kompensation des ohnehin schon geringen Ausstoßes ist dennoch das Mindeste, was man tun kann.

Eiscafé Eismeer

Um die Frage vom Beginn der Geschichte aufzugreifen: Es ist möglich seine Sorgen von Bord zu schmeißen und sich einfach in ein nachhaltiges, natürliches und vor allem transparentes wirtschaftendes Eismeer hineinfallen zu lassen. Wir freuen uns, dass auch die Eis-Industrie einen nachhaltigen Wandel durchmacht. Beim nächsten Eisdielenbesuch kannst du hier also guten Gewissens und ohne Genusseinbußen schlemmen!
„Life is like Ice-cream, enjoy it before it melts”.


Wir wurden vom Café Eismeer zum Eis eingeladen. Das ändert nichts an unserer persönlichen Meinung, die in diesem Artikel wiedergegeben ist.

© Fotos: Malina Wiethaus

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