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Gähnende Leere in der Innenstadt – haben wir den Einzelhandel getötet?

Dass der Einzelhandel massive Probleme hat, ist definitiv keine überraschende Neuigkeit. Trotzdem wird das Thema in München in den letzten Tagen hitzig diskutiert. Auslöser dafür war unter anderem ein Post, in dem ein Schaufenster in der Hohenzollernstraße zu sehen ist. „Wenn ihr das nächste Jahr alle Geschenke online kauft gibt es bald keine kleinen Läden mehr. Checkst du’s?!“, steht voller Trotz und Bitterkeit in der Scheibe.

Der Raum dahinter steht leer. Es ist ein Bild, das man in allen Innenstädten beobachten kann: Kleine, unabhängige Läden weichen den Filialen großer Ketten, die nun auch schließen.

Warum überhaupt offline-Shoppen?

Klickt man sich durch die Kommentare unter dem besagten Post, stellt man schnell fest, dass zu dem Thema Diskussionsbedarf besteht und dass es zwei ziemlich klare Lager gibt:

  • Die, für die Einkaufen (mal abgesehen von Lebensmitteln) eine willkommene Abwechslung vom Alltag und eine Art Hobby ist, und
  • die, die es scheinbar als die lästigste Pflicht der Welt sehen und Einkaufen wie die Pest hassen.

 

Für letztere Gruppe findet sich die optimale Lösung im online-Shopping. Unfreundlicher Service, die viel kleinere Auswahl und höhere Preise sind Argumente für sie, nicht den lokalen Einzelhandel zu unterstützen, und lieber gemütlich vom Sofa aus ihre Besorgungen zu erledigen.

Shopping-Fans schätzen wiederum die direkte Verfügbarkeit beim Einkauf im Laden, die Beratung und Interaktion, die Möglichkeit, Produkte anfassen zu können und die Individualität, für die Geschäfte in der Innenstadt sorgen.

Keine Mietpreisbremse für Gewerbeflächen

Kleine eigenständige Geschäfte sehen sich allerdings häufig mit einer problematischen Situation konfrontiert: da es keine Mietpreisbremse für Gewerbeflächen gibt, können sie sich eine Existenz schlicht nicht mehr leisten. Mieten werden innerhalb kürzester Zeit extrem erhöht und steigen ins Unermessliche. In der Hohenzollernstraße zeigt sich das mittlerweile offensichtlich. Ob Kettengeschäfte in der Innenstadt wirklich dasselbe Problem haben, wie kleine unabhängige Läden, bleibt offen.

Fakt ist, dass sich das Einkaufsverhalten von uns allen in den letzten Jahren so drastisch verändert hat, dass der Einzelhandel das zu spüren bekommt. Ladensterben ist überall in der Stadt zu beobachten, in Protestaktionen wird zusätzlich darauf hingewiesen.

Klar ist: Neue Konzepte müssen her, um weiter in Geschäfte zu locken.

Doch wie wird das Einkaufen in der Zukunft aussehen?

Hier gibt es bereits eine ganze Reihe an Modellen, die so oder ähnlich bereits in München und anderen Städten umgesetzt werden.

  • Concept Stores und Moderne Kaufhäuser wie das Coco Monaco oder Karusa, in denen ähnlich wie auf einem Markt mehrere Brands unter einem Dach verkauft werden.
  • Kleinere Stores, die nicht nur mit einem regulären Einzelhandelsangebot locken, wie zum Beispiel der Homegirl Store, mit Aktionen wie Flohmarkttagen.
  • Läden, die Programm bieten, mit dem man das Eingekaufte gleich erleben kann – Autoradios vor Ort im Auto testen oder Trainingsstunden im Laden, in dem man auch die Sportkleidung kauft.
  • Showrooms, in denen das anprobierte bestellt und bequem nach Hause geliefert wird.
  • 24-Stunden-Supermärkte, in denen man allein den Einkauf erledigen kann, egal wann man möchte.
  • Eine Shoppingnacht mit langen Öffnungszeiten  und eine App für kleine Läden, wie von Findeling geboten.

 

Die Liste der modernen Ladenkonzepte ist lang. Eine Gemeinsamkeit haben die meisten Ideen allerdings: das Erlebnis wird weiter in den Fokus gestellt und der Entertainment- und Luxusfaktor betont. Denn darauf werden Läden in Zukunft viel setzen müssen, wenn sie sich gegen den Onlinehandel behaupten möchten.

Was macht dein Viertel zu deinem Viertel?

Unterhält man sich über Vorzüge, die das Leben in der Stadt oder sogar einem speziellen Viertel mit sich bringt, kommt häufig der Punkt zur Sprache, dass die Einkaufmöglichkeiten vor Ort viel besser sind. Wenn allerdings die Mietpreise weiterhin so ansteigen, dass sich unabhängige Läden ihre Verkaufsflächen nicht mehr leisten können, wird die Auswahl an diesen „netten kleinen Geschäften“, die den Ort so prägen schnell immer kleiner.

Vielleicht denkt man nächstes Mal darüber nach, bevor man das nächste Buch/Geschenk/Shirt online bestellt.


Beitragsbild: © Unsplash/Evan Wise

Sophia Hösi

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi
1Comment
  • M. Gruber
    Posted at 13:08h, 22 Februar

    So wird es dem kleinen Eisenwarenladen der seit 130 Jahren in der Schleißheimer-Str. 21 ist auch bald ergehen. Die Fa. J. Wörle mit Eisenwaren, Werkzeuge und Beschläge

    ist seit fast 130 Jahren am Ort .

    Die Frage ist in was für einer Stadt wir leben wollen, im Zentrum Büros und Imbissbuden, den Rest außerhalb im unpersönlichen Großmarkt kaufen ?

    Mal schnell was reparieren lassen oder mal eine Schraube für das Fahrrad oder den Kinderwagen ist dann nicht mehr. Gute Beratung fällt flach, weil andere setzen auf sich

    selbst verkaufende Produkte und der sog. Verkäufer meist nur noch Wegweiser zum Regal ist.

    Dem Tante Emma weint man auch hinterher, ja hinterher ist man immer klüger.

    Aber alles kommt zurück….

    Wie in den 70er die Menschen heimlich an dem Tante Emma Laden vorbeigefahren sind um in den tollen bunten Supermärkten einzukaufen. Danach kam die Müllflut und sonstige Probleme die die Vermarktung in Supermärkten mit sich brachten.

    Da sind heute die Rentner die mit dem Rollator durch den Ort laufen und jammern, dass es bei ihnen nichts mehr gibt, mehr ein Beispiel dafür, wie alles zurück kommt.

    Früher meinte ich, dass solange in den Supermärkten eingekauft wird, bis die Leute selbst an der Kasse sitzen, heute sage ich sie betteln bereits um die Jobs.

    Aber wenn der Preis das einzige ist was zählt, dann ist alles andere, auch die Qualität, nur noch Nebensache.

    Egal, der Mensch bekommt was er will, ob es dann schmeckt oder nicht hat er selbst zu verantworten.

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