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„Gemeinsam entwickeln statt einkaufen“: Interview mit „Out Of The Box“-Macherin Martina Taubenberger

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Die whiteBOX ist kein Museum. Die whiteBOX ist ein Treffpunkt für die jungen
Unternehmen, KünstlerInnen und AnwohnerInnen des Werksviertels – und für
BesucherInnen aus ganz München und darüber hinaus. Sie ist Plattform und Bühne
für KünstlerInnen aus aller Welt und präsentiert kreative zeitgenössische
Formate abseits des Gewohnten und Gewöhnlichen.

In der whiteBOX wird Kunst gelebt.
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Mit dem Musikfestival Out Of The Box verlässt die whiteBOX im Januar und Februar nicht nur die eigenen vier Wände, sondern begibt sich bewusst und mit Lust zwischen sämtliche Genre-Grenzen der Musik. Von 11. Januar bis einschließlich 3. Februar erwarten die ZuschauerInnen Konzerte auf Instrumenten aus Eis oder unter Wasser, Projektionen und digitale Medienkunst im Zusammenspiel mit akustischem Raumklang und Live-Improvisation, Kinderkonzerte und Workshops.

Wie dieses außergewöhnliche Festival entstand, erzählt Martina Taubenberger (2. v.l.), Geschäftsführerin der whiteBOX, im Interview:

Wie kam es zur Idee für dieses Festival?

Martina Taubenberger: Zum Teil hat das etwas mit dem Gelände zu tun, auf dem wir uns befinden. Anders gesagt: Das Werksviertel-Mitte bietet so viele Möglichkeiten, es gibt unzählige spannende Orte und Locations – teilweise noch alte Werkshallen, Container, Dachflächen, Baustellen, Neubauten. Und hier ist so viel mehr möglich als in einem „normalen“ öffentlichen Stadtraum, weil das Areal Privatbesitz ist. Das macht vieles einfacher. Man könnte also sagen: Der Ort war die Inspiration.

Der zweite Anlass war, dass ich die Eismusiker entdeckt habe und sofort wusste: Das will ich machen! Und zwar im Januar. Open Air! Vielleicht auch ein bisschen, weil ich seit vielen Jahren das Bangen um schönes Wetter bei Sommer-Open-Airs kenne. Das brauchen wir hier nicht. Wir hoffen jetzt auf kaltes Wetter.

Wie lange habt ihr für die Planung gebraucht?

Die Idee hatte ich schon vor drei Jahren. Konkret mit der Planung begonnen haben wir dann tatsächlich erst im Juni/Juli 2018. Wir mussten ja auch erst die Finanzierung absichern. Und dann war die Zeit auch schon wieder wahnsinnig knapp. Aber wie sagt man so schön: Wenn es die letzte Minute nicht gäbe, würde nie etwas fertig werden.

Und das Wichtigste: Wer hat sich das Programm überlegt? 

Das ist tatsächlich komplett meinem „Hirnkastl“ entsprungen. Es ist deshalb auch ein echtes Herzensprojekt. Das Schöne dabei ist aber, dass alle im whiteBOX-Team von Anfang an total begeistert waren und wir alle an einem Strang ziehen. Es ist dann irgendwann nicht mehr wichtig, wessen Idee das mal war, weil alle es sich zu eigen machen. Und unabhängig vom Programm gibt es ja noch unendlich viele kleine Details zu gestalten. Manchmal wundere ich mich selbst, dass wir nur eine Handvoll Leute in der whiteBOX sind – hauptsächlich Freiberufler.

Und wo findet man so außergewöhnliche Künsterlnnen? 

Das sind fast ausschließlich Künstler, die ich irgendwann mal durch andere Künstler kennen gelernt habe oder die mir empfohlen wurden oder die ich rein zufällig, teilweise vor Jahren, irgendwo gesehen habe. Ich habe oft Situationen, in denen ich denke: Irgendwann will ich mit dem oder mit der mal was machen. Und dann warte ich auf den passenden Moment.

Es ist auch bezeichnend, dass wir bei keiner einzigen Produktion mit Agenturen zu tun haben, sondern immer mit den Künstlern direkt. Das war nie eine bewusste Entscheidung, sondern es ist halt so. Ich denke, es hat etwas mit diesen außergewöhnlichen Projekten zu tun – die sind so besonders und so speziell zugeschnitten auf die Räume im Werksviertel. Das kann man nur gemeinsam entwickeln und nicht einfach bei einer Agentur „einkaufen“.

Gibt es internationale Vorbilder, die euch inspiriert haben?

Inspiration natürlich schon. Vorbilder nicht wirklich. Es gibt an vielen Orten Festivals, die außergewöhnliche Produktionen realisieren. Das Südtirol Jazzfestival Alto Adige macht zum Beispiel viel in den Bergen und in der Landschaft rund um Bozen. Da entstehen oft unglaubliche Sachen. Oder das Perugia Jazz Festival, das die gesamte Altstadt von Perugia involviert.

Nicht zu vergessen: Terje Isungset’s Ice Music Festival selbst, das ursprünglich in Geilo in Norwegen ins Leben gerufen wurde, und das wir jetzt aus dem Gletscher in die Stadt holen. Das Beispiel zeigt auch schon, dass der Ort und die Art der Inszenierung entscheidend sind – es ist dann nie zweimal dasselbe – im Unterschied zu Festivals, wo einfach nach Technical Rider überall das selbe Setting aufgebaut wird. Wenn man Projekte spezifisch auf den Raum zuschneidet, in dem und für den man arbeitet, dann werden sie automatisch unverwechselbar.

Habt ihr einen Ersatzplan, falls es für die Eisinstrumente nicht kalt genug ist?

Die Temperatur ist gar nicht so das Problem. Die Instrumente werden im Kühl-Lkw gelagert und kurz vor Konzertbeginn erst auf die Bühne gebracht. Direkt danach kommen sie wieder in die Kühlung. Regen wäre kritisch. Dann würden wir in die Indoor-Location im München Hoch5 gehen. Die Konzerte finden also auf jeden Fall statt. Lediglich die Eisskulpturen des Bildhauers Eric Mutel, die auf dem Dach aufgebaut werden sollen, könnten wir dann nicht realisieren. Aber der Wetterbericht sieht gut aus. Aktuell haben wir eher die Sorge, dass es uns alles einschneit da oben. Wir werden jeden Tag viel Schnee räumen müssen auf dem Dach. Ein schönes Problem…


In aller Kürze: 

Was? Out Of The Box-Festival

Wann? 11. Januar bis 13. Februar

Wo? Werksviertel Mitte

Wieviel? Je nach Veranstaltung unterschiedlich, Tickets hier


Fotos: © Charlotta de Miranda / Jens Peter Engedal (hochkantes Bild) / Teamfoto: © Lia Sáile

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