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„Gschmeidig again“: Der Nußbaumpark wird zum Biergarten mitten in der Stadt

Seit einigen Tagen ist klar, was viele sicher gehofft haben: Zehra Spindler und ihre Urban League arbeiten wieder fleißig daran, den Nußbaumpark am Sendlinger Tor temporär in einen gemütlichen Off-Space zu verwandeln. Los geht’s auch schon am Freitag, 6. Juni – mit ein paar Neuerungen.

„Biergartiger“ soll’s werden, verrät uns die erfahrene Veranstalterin dazu vorab am Telefon. Das heisst: weniger Formate mit Diskurs und Inhalt, dafür mehr gepflegte Gemütlichkeit. Akustische Konzerte und DJ-Sounds in gediegener Lautstärke ergänzen das Wohlfühl-Ambiente an sommerlich-warmen Tagen. Mehr hat uns die „Zwischennutzungskönigin“ (sz.de) im ausführlichen Gespräch erzählt.

Was gibt’s Neues?

Craft Beer aus der Flasche gibt’s nicht mehr, soviel schon mal vorweg: „Obwohl es uns Spaß gemacht hat, die Craft-Beer-Brauer im Wechsel vorzustellen, wünschten sich doch einige Gäste mehr Biergartenflair mit frisch Gezapftem zu bezahlbaren Preisen.“

Die Devise wird dieses Mal lauten: Weniger Vorgaben. Das Programm soll eher nebenbei und simultan entstehen. „Durch die Voraussetzungen und die strengen Auflagen im Klinikviertel war von Beginn an klar, dass wir uns inhaltlich und logistisch vorsichtig herantasten werden.“ erläutert Spindler. „Wir haben Rückmeldungen und Wünsche von Anwohnern und anderen Besuchern so gut wie möglich zu berücksichtigen versucht, um den Auftritt mehr in Richtung Biergarten zu definieren. Es war ja wortwörtlich eine ‚ungmahde Wiesn‘ hier.

Deshalb gilt auch: „Mit Ideen für die Nutzung hier kann man jederzeit auf uns zu kommen.“

Die Biergarten-Kernkompetenz übernimmt Nick Manu (ehemals Funky Kitchen und MC Müller): Er schenkt Ayinger Bräu-Bier aus. Tom Zufall – bekannt aus dem kultigen Frühstückscafé „München 72“ im Glockenbach – übernimmt dagegen die feste Kost. Hier vertraut die freie Kulturmanagerin alten Freunden: „Ich bin mir sicher, dass in der Konstellation etwas Ambitioniertes auf die Beine gestellt wird. Außerdem wird das Programm in diesem Jahr gemeinschaftlich gestaltet. Musikalisch bedeutet das, dass es keine Schubladen geben wird. Vor allem die neuen Kollegen buchen heuer zum Großteil die DJs, während über mich in erster Linie die Bands kommen. Ohnehin läuft die Musik eher im Hintergrund. Es gelten die besonderen Lärmbeschränkungen – man kann sich also unterhalten, ohne schreien zu müssen. Lesungen und kulturpolitische Diskussionen wird es diesmal nicht mehr geben, das Angebot wurde im letzten Jahr eher mäßig angenommen.“

Eine Idee, die dagegen erneut realisiert wird, sind beliebten Hochbeet-Patenschaften für Hobbygärtner, die vom Verein Green City e.V. zur Verfügung gestellt werden. Wer hier mitmachen will, sollte sich aber besser bald melden, da die Plätze schon sukzessive vergeben werden.

Geheimtipp mitten in der Stadt…

Für die Unwissenden: Der Park als solcher ist eigentlich eine kleine, von vielen unentdeckte, Perle mitten in der Stadt. Er liegt unweit des Sendlinger Tors, ist durch Tramgleise, die doppelspurige Lindwurmstraße und Matthäuskirche von Fußgängern eher abgeschirmt und daher im Bewusstsein vieler Münchner kaum verankert. Zumindest nicht als Ort der Wonne. Das hat auch mit gewissen Vorbehalten zu tun.

…mit sozio-kultureller Brisanz

Im unmittelbaren Umfeld des Parks befindet sich nämlich eine Tagesklinik für Suchtkranke. Der Ort gilt deshalb auch als Umschlagplatz für den Konsum von ärztlich verordneten Substituten oder ganz konventionellen Rauschmitteln – angefangen beim Bier von den umliegenden Kiosken. Patienten, Obdachlose und Tagelöhner treffen hier des Öfteren in Gruppen zusammen. Das macht den Park nicht gerade zum Familienidyll. Dieses Stammklientel des verwinkelten Parks, das gewissermaßen zuerst da war, wollte das Team um die Urban League aber keinesfalls verdrängen, betonten sie letztes Jahr.

Hat das geklappt?

„Letztes Jahr bekamen wir von einigen Besuchern den Satz zu hören: ‚Danke, dass ihr da was dagegen macht.'“ Dazu erklärt Spindler: „Ganz im Gegenteil: Wir haben den Kontakt zum Parkklientel gesucht und mit ihnen gesprochen. Bei uns wurden alle bedient, die sich an einfachste Benimmregeln gehalten haben. Ein tolerantes Miteinander war für uns die Grundvoraussetzung für die erneute Auflage. Wenn das Aufeinandertreffen auf Dauer nicht besser als erwartet gelaufen wäre, wäre es bei unserer ‚Operation Gschmeidigmachung‘ bei einer einmaligen Veranstaltung geblieben. Das Risiko einzugehen, einen so genannten ‚Unort‘ zu bespielen, an den sich bekanntermaßen bisher kein Veranstalter herangetraut hat, hat aber auch den Reiz an der Sache ausgemacht. Wir wollten damit experimentieren und es hat ganz gut funktioniert.“

https://www.instagram.com/p/BmsbAp9nrf_/

Drei Jahre Nutzung waren bereits genehmigt

Kopfzerbrechen bereitete die Entscheidung zur erneuten Nutzung des Parks aber doch: „Den Nußbaumpark zu machen, ist ein großer Aufwand für uns. Dass es wieder stattfindet, hat uns nicht nur unter kaufmännischen Aspekten, an einem von den Auflagen und Beschränkungen schwierigen Ort, lange zögern lassen. Den letzten Kick, es zu tun, hat vor allem mit den Rückmeldungen von den Besuchern, aber auch der Behörden zu tun, die wir erhalten haben. Gerade von den Anwohnern gab es viel positives Feedback, das kennt man ja eher selten als Veranstalter in der Innenstadt. Es wurde oft via Facebook nachgefragt, wann wir denn heuer aufmachen. Die Entscheidung dazu fiel wirklich sehr kurzfristig.“

Ursprünglich hatte die Urban League 2018 bereits den Zuschlag für drei Jahre Nutzung von den Behörden erhalten, was der kurzfristigen Entscheidung für eine erneute Durchführung sicher nicht abträglich war.

https://www.instagram.com/p/ByA8KnPINTm/

Schön also, dass es wieder klappt. Spindler ist dabei nur der sichtbare und kreative Kopf der „Urban League“ – ihr Team im Rücken, über das sie verdammt froh ist: „Mit der Urban League habe ich vor allem sehr viele zuverlässige Leute hinter mir, die die Logistik und die Technik stemmen können. Ich bin ja eher der kreative Part, da hilft es mir total, dass ich mich 100% auf die Leute verlassen kann. Bei zu vielen Kreativen auf einem Haufen entsteht nämlich auch schnell Chaos.“

Die beste Nachricht zum Schluss: dieses Jahr darf sogar länger geöffnet sein!

Bis Mitternacht, um genau zu sein. Zumindest an Freitagen und Samstagen. Unter der Woche läuft der Betrieb bis 23 Uhr – für den ein oder anderen Berufstätigen vielleicht eine ganz vernünftige Zeit für die letzte Halbe. Los geht’s bereits diesen Freitag, am 7.6.2019. Na dann, Prost!


In aller Kürze:

Was? Biergarten im Nußbaumpark

Wann? Ab Freitag, 7.6.2019 bis Freitag, 30.8.2019, jeweils 11-23 Uhr bei schönem Wetter

Wo? Nußbaumpark, gleich beim Sendlinger Tor

Weitere Infos hier


Beitragsbild: © Instagram Nußbaumpark

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus

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