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Hol dir was Gscheids am Habibi Kiosk der Kammerspiele

Münchner Kammerspiele

Ein Theater ist ein Ort der Begegnung – gerade auch abseits der Vorstellungen im Theatersaal. Beim Essen davor, dem Bierchen danach oder bei der Premierenparty. Und das Theater war auch immer schon ein Ort für politische und gesellschaftliche Diskussionen, mehr oder weniger verbunden mit der Bühnenkunst.

Das alles ist natürlich momentan schwieriger, aber nicht unmöglich! Einen neuen Begegnungsort gibt es nämlich ab sofort an den Münchner Kammerspielen: den Habibi Kiosk. Ursprünglich geplant als Treffpunkt im echten Leben, treffen wir uns vorerst eben im virtuellen Raum.

Gemeinsam mit dem Goethe-Institut erforscht der Habibi Kiosk die Frage, wie eine Gemeinschaft mit aktiver Teilhabe funktioniert, wenn der Kiosk niemanden reinlassen darf. Wie kommen wir zusammen bei allen Abständen und Unterschieden? Und an Orte, wo wir uns sonst aufhalten? Gemeinsame Ziele können nur formuliert und angegangen werden, wenn wir uns gemeinsam darüber unterhalten.

Vier Reihen erwarten euch jeweils Mittwochs im Livestream. Hier wollen wir sie kurz näher vorstellen:

Dr. Bergs Ferndiagnosen

​Online Praxis mit Fabian Moraw und Gästen

Fabian Moraw © Sandra Singh 

Mit Wunderheilung am Bildschirm hat Dr. Berg nichts im Sinn. Er ist ein seriöser Arzt und liebt Schlager und Breakdance. Manchmal hat er Liebeskummer. Wenn ihm die Arbeit zu viel wird, träumt er von seinem Sehnsuchtsort Schweden. Für Dr. Berg ist Corona sehr gefährlich. Deshalb muss er in seiner Praxis bleiben. Aber ein Bergdoktor ist mehr als ein Arzt in einer Praxis. Ein Bergdoktor fährt herum: Sein Rat ist wichtig für die Menschen. Deshalb bietet er jeden ersten Mittwoch Ferndiagnosen für Menschen in aller Welt über das Internet an. Die Welt wird eine heilere sein.

Jeden 1. Mittwoch im Monat, Livestream hier um 18 Uhr

The Fittest Will Survive?

Talk von und mit Nuschin Rawanmehr und Gästen

Nuschin Rawanmehr © Josef Beyer

Nuschin Rawanmehr ist eine stadtbekannte Sozialarbeiterin, Grenzgängerin, Multiplikatorin, Trainerin, Feministin, Umwelt-Liebhaberin und Kultur- und Kunst-Aktive. Sie ist Mitglied des KoordinatorInnen-Teams für Partizipation und Bürgerbeteiligung der Münchner Initiative für Nachhaltigkeit, kurz MIN. In der Stadt und im Habibi Kiosk wird sie sich auf die Suche nach Themen und Perspektiven begeben, die der gängige Diskurs übersieht. Denn wenn wir gemeinsam Zukunft gestalten wollen und fragen: „What Is The City?“ — dann brauchen wir antworten von allen Menschen. In München gibt viele Stimmen, die von der Mehrheitsgesellschaft nicht wahrgenommen werden. Die Reihe „The fittest will survive?“ (nach Darwin) ist ein Format des Empowerments und wird ihnen eine würdige Bühne bieten. Und wir hören dann einfach mal zu.

Jeden 2. Mittwoch im Monat, Livestream hier um 18 Uhr

Dies Das

Talk von und mit Tuncay Acar und Gästen

Tuncay Acar © Ümit Agirsaygin

Tuncay Acar ist Musiker, DJ, Blogger und Kulturschaffender aus München. Er widmet die Serie individuellen Lebensentwürfen. Von Menschen, deren Arbeit außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung stattfindet. Dies Das sendet Impulse und schafft Bewusstsein für die real existierende Vielfalt abseits der Leitkultur. Und so bleibt die Annäherung an individuelle Lebensformen auch immer individuell: Dies Das beinhaltet Radio, Talks, Lectures, Performances, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Screenings, Projektionen etc…

Jeden 3. Mittwoch im Monat, Livestream hier um 18 Uhr

Habibi Goethe – Eine performativ-internationale Diskussionsreihe

Von und mit dem Goethe-Institut e.V., Moderation: Rania Mleihi

Das Goethe-Institut ist weltweit in über 90 Ländern präsent und stellt eine Plattform für den künstlerischen Dialog zwischen Deutschland und den Gastländern dar. Die Gesprächsreihe erweitert den Habibi Kiosk um eine dezidiert internationale Dimension und bringt Positionen von Künstler*innen aus aller Welt in den Experimentierraum Kiosk. Nicht nur Film aus Brasilien, Performance aus Nigeria oder Klangkunst in Korea, sondern auch #metoo in Indien, postkoloniale Musikarchive in Indonesien oder inklusives Theater aus Kanada – die Themen dieser Reihe sind nach oben offen. Ein starker Bezug zu dem Münchner Kontext steht dabei immer im Vordergrund.

Jeden 4. Mittwoch im Monat, Livestream um 18 Uhr

Habibi Keks Radioshow

Von und mit Rania Mleihi & Sebastian Reier und Gästen

Das ist Community Radio aus dem Spannungsfeld zwischen Übersetzung und Fehlübersetzung. Jeden zweiten Freitag produzieren die Gastgeber*innen Rano & Booty eine neue vierstündige Marathon-Ausgabe – live im Habibi Kiosk. Es geht um Musik und Nachbarschaft – und globale Allianzen, um Erinnerungskultur, ums Sich-Zeit-lassen und die Schönheit des Teilens. Habibi Keks entsteht in Zusammenarbeit mit Disco Tehran, New York City. Deren Web-Radio-Station spielt Spenden für eine eigene Community-Küche ein. Und so wurden seit März 2020 bereits 80.000 Mahlzeiten an weniger privilegierte Menschen ausgeliefert.

Live-Aufzeichnung alle zwei Wochen Freitags, beginnend ab 12.2. immer um 20-24 Uhr. Erscheint hier.

Habibi Gig

Streaming-Konzertreihe

In Zeiten der Pandemie wurden schon allzu viele Pläne geschmiedet und wegen plötzlicher Quarantäne wieder verworfen. Aus der Not machen wir eine Wundertüte: Wir entscheiden am Montag vor dem Freitag gemeinsam mit Münchner Musiker*innen, was stattfindet. Das wiederum verkünden wir über die sozialen Medien.

Jeden zweiten und vierten Freitag um 18 Uhr

Through a window

Das läuft außerdem bereits seit Dezember und noch bis März: Eine Sammlung digitaler Kunstwerke der syrischen Künstlerin Sulafa Hijazi.

Ob wir in dem Kiosk rein dürfen oder nicht, ob wir die Kunstwerke durch das Fenster beobachten oder wir sie in Raum erleben können: Die syrische multimediale Künstlerin stellt im Habibi Kiosk eine Serie von animierten Sequenzen aus, gedruckt in der „Lentikular-Drucktechnik“. Diese Technik erzeugt Bilder, die sich ändern oder bewegen, sobald der Betrachter sich in Bezug auf sie neu positioniert. Dazu kommen zwei geloopte Videos, die unsere Beziehung zur Technologie kritisieren. Through a window ist Hijazis Antwort auf unsere sich ändernde Beziehung zu neuen Medien. Sie hinterfragt unsere soziale Verantwortung als Macher*innen und Konsument*innen der Nachrichten.


In aller Kürze:

Was? Habibi Kiosk

Wo? Münchner Kammerspiele, Falckenbergstr. 2 // Online

Was? wöchentliche Livestreams und Kunstwerke vor Ort

Wieviel? Eintritt frei

Mehr Infos


Beitragsbild: © Münchner Kammerspiele

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