Kultur, Live

I Heart Sharks im Interview

Stefanie Witterauf

Stefi ist eine junge Journalistin aus München. Sie liebt Neologismen, Dadaismus und Kaffee. Den trinkt sie am liebsten auf Reisen. Bevor sie dreißig Jahre alt wird, möchte sie alle europäischen Hauptstädte gesehen haben.

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Stefanie Witterauf

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Am 3. Mai spielen die Jungs von I Heart Sharks im Strom. Ich konnte mich mit Pierre Bee in Berlin treffen. Bei Kokusnusswasser und Bier haben wir uns über ihr neues Album, gescheiterte Beziehungen und das Singen unter der Dusche unterhalten.

mucbook: Eure Musik wird als tanzbarer Indie-Pop bezeichnet. Siehst du das auch so?

Pierre Bee: Das ist lustig, viele Leute sagen es ist Indie. Ich finde, es ist ziemlich ehrliche Popmusik. Popmusik, die in der gleichen Liga spielt wie Popmusik, die wir aus den 80ern kennen. Die Songs gehen schnell ins Ohr. Die Musik ist Pop, aber wir als Band sind ziemlich unperfekt und nicht wie man sich eine Popband sonst vorstellt. Wegen unseren Fehlern, die wir nicht verstecken, wirken wir ehrlich.

Vergleicht man euch mit euren früheren Songs, seid ihr ernster geworden. Wieso ist das so?

Während wir die Platte aufgenommen haben, habe ich die verschiedenen Phasen des Verliebtseins durchgemacht. Als wir angefangen haben, die Songs zu schreiben, war ich frisch in jemanden verliebt. Deswegen sind ein paar Stücke sehr glücklich und positiv. Dann war ich mit dem Mädchen zusammen und die Songs beinhalten eine Sicherheit, die ich gespürt habe. Und dann kommt der Schluss. (lacht) Da sind viele Songs auf die Platte gekommen und die sind ein bisschen melancholisch. Vielleicht klingen wir auch ernster, weil meine Stimme sich verändert hat. Sie ist tiefer geworden. Außerdem hab ich auf der ersten Platte, die Songs haben wir schon 2009 geschrieben, sehr laut singen müssen, damit man mich neben dem Schlagzeug und der Gitarre noch hört. Jetzt nehme ich Gesangsunterricht und fühle mich auch viel sicherer.

Verarbeitest du immer deine gescheiterten Beziehungen in deinen Songs?

Es ist komisch. Ich fang an einen Song zu schreiben und eine Geschichte zu erzählen und es ist schon oft passiert, als er dann fertig war, dass ich den Schmerz verarbeitet habe. Auf dem neuen Album ist ein Song „Half a Heart“, der ist sehr ehrlich. Ich habe keine Metaphern benutzt. Ein bisschen Liebeskummer ist gar nicht mal so schlecht für unsere Musik. Ein wenig Schmerz hat noch nie jemanden weh getan. Wenn wir Singles machen, dann erleben wir das sehr intensiv und wir möchten nichts halbarschig machen. Authentizität gehört dazu.

Das klingt ein bisschen abgeklärt. Kannst du deine Gefühle so stark steuern, dass du sagst, okay genug gelitten, jetzt hab ich wieder gute Laune?

Ja, ich bin zwar ein sehr nostalgischer Mensch, aber Liebeskummer hält bei mir nicht lang an. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nie geschafft habe, die Brücke vom Verliebtsein zur Liebe zu überqueren. Verliebt war ich schon oft, aber geliebt habe ich noch nie. Meinen Bandkollegen geht es da anders. Die sind beide in einer glücklichen Beziehung.

Singst du denn unter der Dusche?

Nein. (lacht) Ich singe nicht viel für mich allein. Wir hören immer Musik. Wenn wir uns fertig machen oder im Tourbus läuft immer Musik, aber vor mich hin singen, das mach ich nicht.

Was hört ihr dann für Musik? Eure eigene?

Nein, wir hören glaub ich alle unsere eigene Musik gerne zu Hause. Es ist lustig, wie sich die Songs auf dem Album anhören und verändert haben. Wir hören The Cure, die finden wir alle gut. Von den Bands die jetzt noch neue Sachen rausbringen, höre ich total gerne The National oder Passion Pit. Besonders Passion Pit find ich richtig gut. Das ist die Musik, die wir dann auch im Tourbus anmachen.

Da ihr euch in einem Elektroschuppen kennengelernt habt, mögt ihr ja auch Techno. Hört ihr euch auch elektronische Musik im Tourbus?

Kontext definiert einfach alles. Electro funktioniert nur im Club. Wenn etwas im falschen Kontext ist, dann ist einfach alles falsch. Zum Beispiel House auf dem Laptop fühlt sich nicht richtig an. Das geht einfach nicht. House im Club ist perfekt. Genauso wie The National nicht im Club funktioniert, meiner Meinung nach. Für Techno gehen wir immer noch ins Berghain.

Was machst du sonst mit deiner freien Zeit?

Als Musiker wartest du die ganze Zeit. Das ist das, was du wirklich immer machst. Gestern waren wir bei Circus Hallo Galli. Wir waren sechs, sieben Stunden da und haben davon fünfzehn Minuten geübt, fünfzehn Minuten Maske gehabt, eine Stunde Aufnahme gehabt und dazwischen wartest du. Das sind dann eigentlich fünf Stunden warten und da ist es super ein Buch dabei zu haben, damit dir nicht langweilig wird.

Also hängst du nicht nur an deinem Handy?

Oh, mein Handy ist mein größter Feind. In der Band machen wir alles selbst, das heißt das ganze Social Media Zeug mache ich. Ich hänge deswegen schon sehr viel an meinem Handy, weil es viel ist, was man machen muss. Eigentlich wollte ich kein Smartphone, weil die tote Zeit, in der du dich langweilst, super wichtig ist. Wenn ich zum Beispiel auf einen Zug warte und nichts zu tun habe, da kommen mir die besten Ideen. Aber nur, wenn ich in der Zeit nicht auf Facebook rumhänge.

Eine Freundin von mir hat 2007 mit euch auf Myspace gechattet, wann ihr zum Beispiel ein Konzert in München gebt und solche Sachen. Antwortet ihr da wirklich selbst?

Ja und das ist uns sehr wichtig. Viele Leute glauben, dass wir alles im Auftrag machen lassen. Das ist aber nicht so. Ich war heute schon dreimal bei der Post, Merch abschicken. Die Vinyls verschicken wir in größeren Kartons, dass sie nicht kaputt gehen, von denen kann ich so sechs Stück tragen. Wenn es mehr sind, muss ich halt öfters gehen. Ich hab auch die Regel im Kopf, dass ich alles beantworte, außer es ist echt sehr banal.

Glaubst du, dass sich das ändern wird, wenn ihr größer werdet?

Nein, die Antworten werden vielleicht länger dauern, aber ich möchte weiterhin selbst unseren Fans schreiben. Wenn wir größer werden, werden wir weniger Zeit haben in unserer Freizeit. Aber man gewöhnt sich daran. Auch keinen Alkohol zu trinken, weil man sonst einen Kater am nächsten Tag hat.

Ihr habt euch beim Feiern kennengelernt. Geht ihr noch viel zusammen weg?

Simon und ich auf jeden Fall. Martin weniger, weil wir ihn nicht so oft sehen, weil er in Leipzig wohnt. Aber er trinkt auch gar keinen Alkohol, was für Simon und mich ein großer Vorteil ist, weil wir so immer einen nüchternen Fahrer haben. (lacht) Aber wir gehen gerne zusammen auf Konzerte. Martin und ich waren bei The National als sie in Berlin waren. Simon auch, aber mit Martin bin ich mehr auf Konzerten und mit Simon feiern.

Am 3. Mai spielt ihr im Strom in München. Was hältst du von München?

Wir sind oft in München und finden es richtig gut. Viele fragen, wie denn die Konzerte in München sind, weil das Publikum angeblich sehr steif ist und sich wenig bewegt, aber das hab ich nie so wahrgenommen. Wir haben dieses Jahr schon bei Starmelt in der Muffathalle gespielt. Das Publikum war großartig! Wir haben viel Neues gespielt und die Leute sind darauf abgegangen, nicht nur auf die alten Hits. Deswegen verbinde ich nur gute Sachen mit München. Ich mag auch wie die Stadt aussieht. Und wir freuen uns, im Mai dort zu spielen.

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