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„iam.serafina“: Warum die erste Snapchat-Soap der Welt ein Reinfall wird

Julius Zimmer

Ein Kommentar von Julius Zimmer.

So ziemlich jeder Mensch aus München unter 34 Jahren kennt den Sender „PULS“.  Das „junge Programm“ vom Bayrischen Rundfunk, ist eigentlich vorallem dafür bekannt, nicht ganz so beschissene Musik aufzulegen. Die haben eine recht unkonventionelle Musikauswahl, ein regional sehr bekanntes Musikfestival und sogar prämierte Formate wie „Die Frage“.

Ja, die PULS-Redaktion hat sogar schon Preise bekommen. Doch mit ihrer neusten Idee dürften sie wohl vor allem eins bekommen. Einen Shitstorm. Inklusive Windgeschwindigkeiten mit bis zu 250 km/h.

iam.serafina – und ich will was mit Mode machen

Auf den ersten Blick sieht die Pressemitteilung des „Bayerischen Rundfunks“ aus wie ein perfekt inszeniertes Stück Satire. Die Story? Der Sender „PULS“ startete gestern eine gescriptete Seifenoper à la „Mitten im Leben“. Die Weltneuheit? Das ganze läuft auf der Videochat-App „Snapchat“ 24 Stunden am Tag live. Mit der 19-Jährigen Münchnerin Serafina.

Klar, ich dachte natürlich auch sofort an das:

Das Drehbuch, das im Gegensatz zu Serafinas Dialogen vorgeschrieben wurde, behandelt die Geschichte einer jungen Frau, die in München die ersten Schritte ins Erwachsenenleben macht. Dabei erlebt sie „die ‚ganz normalen‘ Ups and Downs einer 19-Jährigen“.

Ihr großer Traum ist es im Modegeschäft Fuß zu fassen. Doch der Weg dahin ist natürlich sehr steinig. In 14 Tagen der Liveübertragung erlebt der Zuschauer, wie sie ihr erster Freund betrügt und warum man sich vor einem Praktikum bei einer renommierten Modedesignerin keinen Vollrausch gönnen sollte.

Doch die große Erleuchtung kommt Serafina scheinbar erst im Laufe der Soap: „Irgendwann realisiert sie, dass sie durch das permanente Selbstdarstellen auf Snapchat ständig vor sich selbst wegläuft und langsam droht, sich selbst zu verlieren“ heißt es in der Pressemitteilung

Dass es total bescheuert ist, sich 14 Tage lang mit einem Handy zu filmen, hätte ich der lieben Serafina auch schon vorher sagen können. Wenn man dabei auch noch einem RTL-ähnlichen Drehbuch folgt und das ganze ins Internet stellt, dann ist der Shitstorm perfekt.

Den ersten Trailer finden Interessierte auf Youtube. Er hat bereits 2.969 Aufrufe, 15 Likes und 22 Dislikes. Die Kommentare sind bis jetzt eher verhalten:

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Aber macht euch am besten selbst ein Bild:

Liebes PULS-Team, was habt ihr euch dabei gedacht?

Also jetzt mal ehrlich. Entweder ihr dachtet euch, „Okay yolo, das hat noch keiner gemacht, also machen wir es doch einfach, egal wie mies es wird.“ Oder „Wenn wir uns zielgruppentechnisch an 12-jährige Mädchen wenden wollen, dann wird das Ding ein Knüller!“.

Ich habe Respekt vor eurem Programm, vor euren Moderatoren und euren Formaten. Aber wenn ich so auf die Wettervorhersage für nächste Woche schaue, dann sehe ich da einen Shitstorm auf euch zukommen.

Vielleicht habt ihr in eurer Pressemitteilung auch einfach ein bisschen übertrieben? Gut, das Konzept gab es so noch nicht. Aber von einem „komplett neuen Storytelling“ zu sprechen, obwohl die Storys selbst auf RTL und Sat.1 schon zigmal erzählt wurden, ist meiner Ansicht nach etwas weit hergeholt.

Außerdem, war es wirklich eine so gute Entscheidung, Serafina als „Hauptdarstellerin, Kamerafrau und Cutterin in einem“ zu engagieren? Wer will das Nachmittagsprogramm der privaten Sender denn jetzt nochmal in wackliger Kameraperspektive sehen?

Einen Menschen, der allerdings dauernd einschalten wird, habt ihr aber doch schon gewonnen: Mich. Ich werde für unsere Leser versuchen, „The Best of Serafina“ zu präsentieren. Das ist vielleicht Werbung für euch, aber auf jeden Fall ein Heidenspaß für mich.

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