Kinogucken

Klettern am Ende der Welt

Thomas Empl

Diesem Text zur Extremkletterer-Dokumentation Jäger des Augenblicks sei einfach mal der einzige Kritikpunkt vorangestellt, den man an ihr finden kann und der sich in folgender Frage manifestiert: Was macht Jens Lehmann in diesem Film? Wenn man sieht, was diese Extremsportler leisten, wie sie tagelang an und in (!) einer Felswand leben… wozu braucht man dann noch die Meinung eines mäßig talentierten Fußballtorwarts? Oder anders ausgedrückt, besonders im Vergleich zu diesen Urtypen: Wer ist schon Jens Lehmann?

Ein-Berg-von-einem-Berg

Nun wäre es unangebracht, sich noch weiter zu diesem Thema auszulassen. Denn die drei Männer, die im Mittelpunkt dieser Doku stehen, bedürfen keiner prominenten Unterstützung. Der Bayer Stefan Glowacz, Deutschlands erfolgreichster Sportkletterer, begleitet von Holger Heuber und seinem Mentor Kurt Albert, wurde über Jahre hinweg bei den Vorbereitungen und beim Versuch begleitet, den Tafelberg Roraima (gelegen im Dreiländereck Venezuela, Brasilien und Guyana) zu besteigen. Ein schier unglaubliches Unterfangen, wollen sie diesen völlig senkrechten Klotz von einem Berg doch auch noch „by fair means“, also ohne künstliche Hilfsmittel, bezwingen.

Das bedeutet unter anderem, dass auf eine Anreise per Flugzeug verzichtet wird. Stattdessen kämpfen sich die drei Männer erst mal ein paar Tage durch den Urwald. So zeigt sich dann auch gleich schön ihr Draufgängertum. Im Angesicht eines Krokodils wird zum Beispiel biologisch fragwürdig festgestellt: „Ihr braucht nicht zu flüstern, die hören eh nicht so gut.“ Kann man machen.
Wundervolle Naturaufnahmen sind dabei natürlich auch enstanden. Der Kollege neben mir verbrachte den Großteil des Films damit, seinen Notizblock vollzukritzeln. Wahrscheinlich hat der jetzt die bessere Kritik geschrieben – allerdings auf Kosten einiger Aufnahmen, die das inflationär oft verwendete Attribut „atemberaubend“ wirklich verdient haben.

In-der-Wand

Was deshalb am Anfang vielleicht kurz wie ein Red Bull – Werbevideo anmutet (ja, die machen jetzt auch noch Filme und haben die Reise gesponsert und den Film produziert), erweist sich außerdem sogar als psychologisch interessante Dokumentation. Der Kampf gegen’s Aufgeben, Rückschläge, Scheitern und Verlust… zu all diesen Dingen haben diese Herren etwas zu sagen. Sie müssen’s wissen. Denn, „du darfst das Feuer in den Augen nicht verlieren, selbst wenn du drei Tage durch ein Schlammloch kriechen musst.“

Jäger des Augenblicks startet am 25.04.. Laufzeiten für München gibt’s hier.

Ende-der-Welt

(Und keine Sorge, Jens Lehmanns übliches selbstverliebtes Gerede dauert nur gut zwei Minuten. Hätt’s trotzdem nicht gebraucht.)

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