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Das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ stellt sich vor

Short Fact: Nur zehn Prozent an Mehrkosten würde es verursachen, wenn man sämtliche Kinderbetreuungs- und Kantinenbereiche im Einfluss der Landeshauptstadt München mit Fleisch aus nachweislich artgerechter Tierhaltung versorgt. Zehn Prozent!

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein unabhängiges Gutachten von a’verdis, das im Februar in Auftrag gegeben wurde. Ich bin mir sicher, viele von euch hätten diesen Betrag um einiges höher angesetzt. Bei Empfängen und Großveranstaltungen lägen diese Kosten bei geschätzt bis zu zwanzig Prozent. Dennoch. Es ist eines der gewichtigsten Argumente des Aktionsbündnisses „Artgerechtes München“. Ihre zentrale Forderung an die Stadt München lautet: München muss artgerecht werden! Und die Landeshauptstadt soll sich per Stadtratbeschluss dazu verpflichten, dies im Rahmen ihrer Gestaltungsmöglichkeiten umsetzen. Eben in Schulkantinen, Krankenhäusern, Kultureinrichtungen, auf Stadtfesten etc.

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Logo des Aktionsbündnisses Artgerechtes München

Letzten Dienstag fand im Presseclub München dann eine Pressekonferenz statt, auf der sich das Bündnis der Öffentlichkeit vorstellte. Wir waren vor Ort.

„Artgerechtes München“, das sind Menschen der Münchner Stadtgesellschaft, Künstler, Landwirte, Mediziner, Wissenschaftler, Sportler, Unternehmen, Institutionen und Organisationen, allesamt engagierte Menschen aus dem Großraum München.

In den Reihen der anwesenden Unterstützer war auch Münchens wohl bekanntester YouTube-Satiriker Harry G . Ganz ungewohnt schlug dieser ernste Töne an: „Das, was ich in München beobachte, ist einfach pervers“, echauffiert er sich über den unreflektierten und unverantwortlichen Fleischgenuss vieler Bürger. Die Zahlungbereitschaft ende oft beim SUV, dem teuren Latte Macchiato oder auch dem Markengrill. Für wertiges, faires Fleisch sei dann aber kein Geld mehr übrig. Das ärgert ihn.

Vor trügerischen Etiketten warnt Dr. Rupert Ebner, Tierarzt und Vorstand von Slow Food Deutschland : „EU-Bio ist Bio-Soft“. Der massive Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung sei zudem ein gesundheitliches Problem für Mensch und Tier. Das bedrohe dann aufgrund des enormen Preisdrucks auch faire Tierhalter in ihrer Existenz, weiß Josef Schmid, Landwirt und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.
Ist dieses Dilemma denn eigentlich ohne konkrete Maßnahmen wie strengere Gesetze und stärkere Kontrollen zu ändern? Darüber herrscht keine komplette Einigkeit auf dem Podium.

 

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So lebt’s sich eigentlich ganz gut: artgerecht auf der Weide (Foto: Anna via Creative Commons 2.0)

 

Vegan leben ist nicht konsensfähig“ konstatiert Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a.D. und Professor für Philosophie und politische Theorie an der Universität München. Konsumenten hätten aber eine Macht, die sie einsetzen können. Der Respekt für nicht-menschliche Lebewesen verlange, dass man diesen zumindest ein artgerechtes Leben ermögliche, auch wenn sie Nutztiere sind. Artgerechte Tierhaltung ist also das Minimum an Konsens, den man seiner Meinung nach gesellschaftlich herstellen müsse.

Große diskursive Grabenkämpfe sind angesichts der Forderungen des Bündnisses womöglich auch gar nicht zu erwarten. Laut einer TNS Emnid-Umfrage würden 75% der Münchner eine derartige Selbstverpflichtung der Stadt begrüßen. Sogar 85% wären bereit, den dafür erforderlichen Mehrpreis zu zahlen. Bleibt abzuwarten, ob die Stimmung dann auch im Stadtrat so einhellig ist.

 

Mitmachen kann beim Aktionsbündnis übrigends jeder. Zum Beispiel unter www.artgerechtes-muenchen.de/.

Aktuelle Infos findet ihr außerdem auch regelmäßig auf Facebook.

 

 

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