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Licht an, Protest aus – Was war das für 1 Wiesn-Gerücht?

Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 22. September, ohne Angaben von Quellen, über einen geplanten Protest der Schausteller des Oktoberfestes. Demnach sollten am Donnerstagabend um 21:00 Uhr mehrere Budenbetreiber als Zeichen des Protests, gegen die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen der Stadt München, ihre Lichter löschen.

Susanna Huscher und Linda Otto haben sich ein eigenes Bild der Lage gemacht und mehrere Schausteller auf die diesjährigen Umstände des größten Volksfestes der Welt angesprochen. Die von uns befragten Personen wollten aus persönlichen Gründen anonym bleiben.*

Was hat das noch mit „gmiatlich“ zu tun?

Selbst bei sonnigem Wiesn-Wetter blieben im Weißbiergarten die Besucher aus.

Schon auf dem Weg dorthin hörte man durch die großen Lautsprecher, die rund um das Gelände verteilt aufgestellt wurden: „Rucksäcke und große Taschen verboten.“ Für mich als Münchner Kindl war das ein ernsthafter Schock. Was hat das noch mit „gmiatlich“ zu tun?

Drei Reihen Security-Check. Die erste Reihe ist genau so aufgestellt, dass immer nur eine Person zwischen den Security-Ordnern durchkommt. Sie checken Taschen und Rucksäcke ab. Die zweite Reihe ist dazu da, die Leute, die das Gelände verlassen zu kontrollieren. Wozu die dritte Reihe da ist, war uns nicht ganz klar. Hinter den Ordnerreihen sorgen fünf Bundespolizisten für zusätzliche Sicherheit.

Die Kontrollen folgen einem deutlichen Muster

Ein Schausteller, dessen Stand direkt am Haupteingang steht kritisiert das Vorgehen an den Einlasskontrollen: „Generell lässt sich ein deutliches Muster erkennen, wer beim Einlass kontrolliert wird. Besonders Schwarze und Menschen mit einem ausländischen Aussehen wurden von den Polizisten herausgezogen.“ Was ihn besonders schockierte: Im Verdachtsfall werden Personen bis auf die Unterhose entkleidet, damit sie neben Schweizer Taschen- oder Trachtenmesser, keine weiteren „Waffen“ mit auf’s Oktoberfest nehmen.

Die Wirte und Schausteller geben dem Wetter die Hauptschuld

Am ersten Wiesntag war das Hackerfestzelt zeitweise zu 3/4 leer und die Fahrgeschäfte schlechter besucht. Allerdings liegt das laut den Schaustellern in erster Linie am regnerischen Wetter und nicht an den neuen Sicherheitsvorkehrungen.

Ein Fahrgeschäftbestizer weist die Schuld von der Stadt München: „Wir können noch keine Prognosen stellen, ob es dieses Jahr schlechter läuft als sonst. Zum Wiesn Anfang war das Wetter nicht gut ja, aber es geht auch erst ab der zweiten Woche richtig los.“

Eine Wiesn-Bedienung erzählte uns, dass alle anderen Volksfeste dieses Jahr schlechter besucht seien. Selbst an Familientagen, blieben die Besucher aus. Ob es am Wetter, zu hohen Preisen oder der Angst vor Terror liegt, bleibt offen.

Ein Schausteller erklärt uns: „Es mag sein, dass den ein oder anderen dieser Zaun entmutigt, da er uns vor einer Terrorgefahr schützen soll. Vielleicht sind viele auch schon von den Warnungen in der U-Bahn abgeschreckt, die auf längere Wartezeiten beim Einlass hinweisen.“
Er geht davon aus, dass ein ungeschultes Personal an den Einlasskontrollen die Besucher einschüchtern könnte. Mit dem Blick zum Eingang, bei dem in den letzten Tagen noch kein großer Andrang herrschte, sorgt er sich: „Jetzt haben sie ja noch Alles im Griff, aber wie werden die Ordner mit einem größeren Ansturm bei schönerem Wetter umgehen?

Laut einem Schießstandbesitzer gäbe es dieses Jahr so wenig Hinweise für einen Terroranschlag wie noch nie. Er bestätigt uns: „Sicherheit ist gut, aber dann bitte gewährt durch geschultes Personal. Wenn man mal ehrlich ist, falls ein Attentäter einen Terroranschlag verüben möchte, dann wird das keine spontane Aktion sein. Ein Zaun oder vier Reihen Security-Check, werden einen Terroristen nicht davon abbringen.

Von einer Protestaktion wusste niemand was

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Gähnende Leere im Kassenhäuschen.

Als wir die Schausteller zu dem geplanten Protest befragten, wusste davon so gut wie niemand etwas. Einige hatten davon in der Zeitung gelesen und sich gefragt, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat. Dazu wollten wir mit dem Vorsitzenden des Verbands der Münchner Schausteller und Marktkaufleute sprechen, der jedoch zum gestrigen Zeitpunkt zu keiner Aussage bereit war.

Abschließend bleibt ein komisches Gefühl zurück.

Warum und von wem genau wurde dieses Gerücht eines Protests verbreitet – Auf der Wiesn haben wir die Antwort darauf jedenfalls nicht gefunden.
Ist es überhaupt noch möglich,  dass die Menschen in Zeiten des Terrors gar nicht aus Angst Massenveranstaltungen wie das Oktoberfest meiden?
Vielleicht sind die niedrigen Besucherzahlen auch ein Zeichen für etwas ganz anderes. Vielleicht haben es immer mehr Menschen einfach satt, sich in unsicheren Zeiten wie diesen, die Welt mit überteuertem Bier schön zu trinken.


*Anmerkung der Redaktion

Fotocredit: Susanna Huscher

 

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