Kultur, Nach(t)kritik

Live dann auch die alten Fans überzeugt: Matisyahu im Backstage!

Alissa Muench

Ich bin meistens mit einem Buch in der Trambahn, zu Hause im Kuschelbett oder in der Weltgeschichte reisend anzutreffen.
Alissa Muench

„And now please… everybody, who wants to dance on the stage, feel free to climb up.“
Stille. Niemand bewegt sich. Niemand klettert auf die Bühne.
Plötzlich bahnen sich jubelnd drei Mädels den Weg hinauf – und das Eis ist gebrochen.
Innerhalb von Sekunden stürmt die Hälfte des Publikums auf die Bühne, sie lassen sich von ihrem Idol heraufziehen, in den Arm nehmen und feiern. Mittendrin Matisyahu, der einen Heidenspaß zu haben scheint und gar nicht so publikumsscheu ist, wie anfangs gedacht.

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Am Sonntagabend zeigte der Musiker, dass Vorstellung und Wirklichkeit eben manchmal weit auseinanderliegen. Wenn ich vor zwei Tagen noch gesagt habe, das neue Album sei trauriger und ruhiger als altbekannte Lieder – dann stimmt das zu Hause oder über Kopfhörer natürlich auch immer noch.

Live, inmitten dieser fröhlichen Menschen, die sich begeistert im Rythmus bewegen, gewinnen die ruhigeren Songs des neuen Albums aber eine ganz eigene Qualität. Man tanzt zwar etwas langsamer, aber der Bass vibriert noch immer in der Brust.

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Und das allerschönste daran: Ich kann nur drei leuchtende Bildschirme im Raum ausmachen, die Konzert per Video mitzuschneiden scheinen. Keine Massen bildschirmgesteuerter Handygugcker, die genauso gut zu Hause bleiben könnten, wenn es nach mir geht.

Alle Augen kleben regelrecht an der Bühne und den Künstlern. Und auch wenn Matisyahu die ersten paar Lieder ohne ein einziges Wort ans Publikum durchzieht, freut sich jeder umso mehr, als endlich das „Hello munich!“ ertönte.

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Am Ende war ich trotz allem kurz davor ein wenig enttäuscht zu sein – bis die Band zur Zugabe nochmal nach vorne stürmte, der Sänger seine Fans zu sich auf die Bühne einlud und endlich mein personlicher Favorit „One Day“ ertönte.

Fazit: Der Abend im Backstage hat gerockt! Und wer Angst hat, das neue Album sei nicht Reggae genug, kann sich wenigstens weiter auf Konzerte von Matisyahu freuen. Allein schon die Stimme ist unverkennbar dem „alten“ Genre verbunden.

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