Leben, Was machen wir heute?

LOVE SELLS – Interview mit GLIMPSE-Gründerin Nathalie Schaller

Anika Landsteiner

Anika Landsteiner

Autorin und Bloggerin. Man kann mich locken mit Rotwein, Jazz und die drei ???, am liebsten bin ich jedoch barfuß am Strand, irgendwo in fernen Ländern und mit einem Buch in der Hand.
www.anidenkt.de
Anika Landsteiner

Sex sells, ah, gähn. Love sells? Interessant, erzähl mal. Für GLIMPSE, ein humanitäres Fashionlabel, steht nicht nur der Trend des fairen Handels im Vordergrund, sondern auch, über die Dreckwäsche der globalen Gesellschaft aufzuklären: Dem Menschenhandel. Wir haben mit Gründerin Nathalie Schaller über das Konzept hinter der Marke gesprochen und sind mit ihr virtuell nach Indien gereist.

Das Team von GLIMPSE

Das Team von GLIMPSE

MUCBOOK: Warum habt ihr euch für den Namen GLIMPSE entschieden? Da steckt doch sicherlich was dahinter…

Nathalie Schaller: Ein GLIMPSE (engl.) beschreibt eigentlich immer einen kleinen Teil von etwas Größerem, z.B. wie bei dem Ausdruck „GLIMPSE of Hope“ (Hoffnungsschimmer). Mit dem humanitären Konzept unserer indischen Nähwerkstatt möchten wir für die Näherinnen ein GLIMPSE, also ein kleiner Teil, auf dem Weg in ein neues eigenständiges und selbstbestimmtes Leben sein.

Labels, die rein regional produzieren und/oder zu fairen Konditionen verkaufen, schießen seit Jahren wie Pilze aus dem Boden. Womit könnt ihr euch von der fair-trade Masse abheben?

GLIMPSE ist nicht nur bio und fair, sondern auch humanitär. Die Mode ist bei uns eigentlich Mittel zum Zweck und dient der Reintegration von Frauen, die aus der Zwangsprostitution befreit werden konnten. In unserer Nähwerkstatt in Indien bekommen diese Frauen eine Ausbildung zur Näherin, Schulunterricht, psychologische Betreuung und damit eine neue Perspektive für ihr Leben.

_Frauen

Ihr fördert die Näherinnen in Indien und habt dort eine Nähwerkstatt, die von euch auch regelmäßig besucht wird. Könnt ihr uns einen Einblick geben, wie man sich den Arbeitsalltag dort vorstellen kann?

Die Frauen starten um 9 Uhr morgens mit einer Austauschrunde und ein paar Liedern in den Tag. Mit einer Tasse Tee geht es dann an die Nähmaschine. Manche der Frauen nähen bereits sehr gut und können in die Produktion mit einbezogen werden. Ein paar der Frauen machen nur sehr langsam Fortschritte und üben sich an kleinen Nähaufgaben. Nach einer halben Stunde Mittagspause geht es für die Frauen unterschiedlich weiter. Denn neben dem Nähen bekommen die Frauen am Nachmittag auch individuellen Unterricht in Englisch und Mathematik und psychologische Betreuung von einer Sozialarbeiterin.

_Lilly und Debbi beim Nähen

Auf eurer Seite habe ich gesehen, dass ihr ein echt junges und kreatives Team seid. Wie kann man bei euch mitmachen, wenn man beispielsweise frisch von der Modeschule kommt oder evtl. ein Praktikum machen möchte?

GLIMPSE lebt von jungen Leuten, die ihre kreative Begabung für einen guten Zweck einsetzen wollen. Wir können eigentlich in allen Bereichen Unterstützung gebrauchen. Und nicht nur in Deutschland. Wir entsenden regelmäßig deutsche Modedesignerinnen für ein paar Monate nach Indien, die dort beim Training der Frauen helfen.

Mit welchen Kunden arbeitet ihr zusammen?

Wir beliefern mittlerweile mehrere Läden in Deutschland, Schweiz, Österreich und Niederlande. In welchen Läden wir vertreten sind, kann man auf unserer Homepage nachschauen. Außerdem haben wir viele Freunde, Bekannte und auch eine Stuttgarter Firma, die uns regelmäßig mit Spenden unter die Arme greifen. Denn ohne zusätzliche Spenden könnte die intensive Betreuung und Schulung der Frauen nicht finanziert werden.

_Werkstattleiterin Ramona

Was könnt ihr uns zur Sommerkollektion erzählen? Habt ihr Lieblingsteile?

Die Sommerkollektion 2015 steht unter dem Motto „birds have wings“. Wir vergleichen die Frauen in unserer indischen Nähwerkstatt mit ganz individuellen Vögeln, die langsam erste „Flugversuche“ unternehmen. So haben mehrere Frauen eine weiterführende Abendschule angefangen. Drei der Frauen sind mittlerweile glücklich verheiratet. Für die Frauen geht es also aufwärts.

Die Kollektion ist dementsprechend locker luftig geworden und jedes Teil wurde nach einem indischen Vogel benannt. Natürlich gefallen uns alle Teile – aber wir sind ja auch voreingenommen! Für Münchner Mädels ist jedoch unser Kleid „Peacock“ (engl. Pfau) mit den blauen Kreuzen auf weißem Hintergrund die perfekte Sommertracht für den bayerischen Biergarten.

_S9A8758

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Wo können wir eure Sachen in München erwerben?

In München gibt es GLIMPSE Kleidungsstücke im DearGoods (Baaderstraße 65) und in unserem Ladenatelier in der Brudermühlstraße 3.

Vielen Dank, Nathalie, und weiterhin viel Erfolg!

 

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