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Meine Halte: Westpark – Hinter’m Harras geht es weiter

Joscha Faralisch

Schreibt für MUCBOOK — am liebsten über Musik, Kunst, Essen und Politik.
Joscha Faralisch

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Bevor ich hierher gezogen bin, endete die U6 für mich an der Implerstraße. Vom Harras hatte ich noch eine schemenhafte Vorstellung, alles was danach kam, war Niemandsland für mich. Dabei sind es von hier gerade mal zehn Minuten bis zum Sendlinger Tor — natürlich plus die zehn Minuten, die man wartet, weil man die Bahn mal wieder knapp verpasst hat.

„Wo am Westpark?“

Wenn ich sage, dass ich am Westpark wohne, kennen zwar alle den Park, aber fast niemand die Station. Ich muss dann meistens erst mal erklären, dass ich weder in Sendling noch im Westend wohne, sondern ein kleines Stückchen weiter draußen — auf der falschen Seite der 8 Mile.

Genau genommen würde es den U-Bahnhof ohne den Park auch gar nicht geben. Denn es ist eine von drei Haltestellen, die 1983 extra zur Internationalen Gartenausstellung im Westpark eröffnet wurden. Ihr Eröffnungsjahr kann die Station auch nicht verleugnen: Die Achtziger gehen hier nie vorbei. Selbst die Werbeplakate zwischen den bunten Fließen haben sich zumindest in den gut eineinhalb Jahren, die ich hier wohne, kaum geändert.

„Am Westpark nichts Neues“

Damals wie heute ist der Westpark eigentlich auch der einzige Grund, hier auszusteigen. Die Gegend besteht überwiegend aus Ein- und Mehrfamilienhäusern, in deren Erdgeschossen sich hier und da ein Friseursalon, ein Nagelstudio oder ein Copy Shop befinden. Das Highlight ist ein russischer Supermarkt — Bars, Cafés oder Restaurants sucht man fast vergebens.

Fast: Denn im Café Fonel bekommt man neben Salaten, belegten Bagels und griechischem Gebäck einen besseren Iced Coffee als in den meisten Läden rund um den Gärtnerplatz. Und mit Romina’s Bar, benannt nach der Tochter der Besitzerin, gibt es auch hier die obligatorische Boazn, in der man bis spätabends noch ein Bier und etwas zu Essen bekommt.

„Four Seasons“

Ich habe noch nie in einer Gegend gewohnt, deren Attraktivität so stark von der jeweiligen Jahreszeit abhängig ist. Denn während es im Winter nichts zu tun gibt, außer sich durch den Gegenwind zur U-Bahn zu kämpfen, um in die Stadt zu fahren, tun sich im Sommer plötzlich ungeahnte Möglichkeiten auf: Der ganze Westpark verwandelt sich in ein Naherholungsgebiet mit Sonnenterrassen, Sportplätzen und Barbecue-Areas. Kein Münchner Biergarten hat eine schönere Aussicht als der am Rosengarten. Das Open Air Kino Sonne, Mond und Sterne zeigt alle Filme, die man im Laufe des Jahres verpasst hat. Und natürlich ist auch das Café Gans am Wasser nur einen Spaziergang entfernt. Als ich aus der Maxvorstadt hierher gezogen bin, hatte ich etwas Angst, „hier draußen“ zu versauern. Ironischerweise bin ich seitdem ich hier wohne aber viel mehr in verschiedenen Teilen München unterwegs. Denn wenn die eigene Gegend nicht so viel zu bieten hat, muss man sie eben öfter verlassen. Und wie gesagt: Mit der U6 sind es nur 10 Minuten ins Zentrum. Wenn sie fährt…

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