Foto: Fabian Christ
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„Optisch nicht angemessen für das Weltkunstareal“ – keine Minna Thiel diesen Sommer?

Für Daniel Hahn kam die Nachricht überraschend. Der Bezirksausschuss Maxvorstadt, der bei seiner letzten Sitzung über die erneute Genehmigung für das Kulturprojekt Minna Thiel abstimmte, hatte sich gegen eine Erlaubnis des Kulturorts auf der Wiese der Filmhochschule München entschieden. Der ungewöhnliche Bahnwaggon, der sich die beiden letzten Sommer großer Beliebtheit erfreute und dem nachts sonst eher ausgestorbenen Kunstareal Leben eingehaucht hat, soll weg.

„Das Projekt war sehr originell, aber als Dauereinrichtung unerwünscht“, erklärt Hans-Stefan Selikovsky (SPD), der Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses Verkehr und öffentlicher Raum, das negative Votum. „Wenn sich das drei Jahre lang etabliert hat“, so die Befürchtung, „dann kriegen wir das nicht mehr weg.“

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Daniel Hahn, der die Gastronomie und Kulturstätte Minna Thiel in Kooperation mit der Filmhochschule München betreibt, habe den Zeitraum von drei Jahren für das Genehmigungsverfahren vor allem aus pragmatischen Gründen angegeben. „Wir wollen uns vor allem auf den Betrieb und die Inhalte konzentrieren und nicht jedes Jahr aufs Neue dieses sehr aufwändige Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen.“ Er möchte nun versuchen, bis zur nächsten Sitzung sein Vorhaben noch einmal dem Bezirksausschuss zu erklären und mögliche Missverständnisse aus dem Weg räumen. „Ich habe das Gefühl, dass unser Antrag vom Bezirksausschuss falsch verstanden worden ist. Der Ausschuss hatte scheinbar die Sorge, dass das Projekt größer wird. Das stimmt nicht.

Dem Anspruch des Weltkunstareals nicht gerecht?

Doch den Bezirksausschuss beschäftigen nicht nur organisatorische Gründe, auch ästhetisch stößt die Minna Thiel bei dem Bezirksgremium auf wenig Gegenliebe: „Das Bierzelt und der grüne Container sind nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Der Shabby-Look ist optisch nicht angemessen für das Weltkunstareal und wird seinem Anspruch nicht gerecht.“

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Diese ästhetische Einschätzung teilen freilich nicht alle. „Der alte Bahnwaggon ist natürlich Geschmackssache, aber das Zelt ist kein Bierzelt, sondern ein altes Zirkusstallzelt – da lege ich schon wert darauf“, betont der Betreiber Daniel Hahn.

Dr. Angelika Nollert, Direktorin der Neuen Sammlung München, dagegen empfindet die Minna „als Bereicherung des öffentlichen Raumes und damit auch des Kunstareals, weil dort eine sehr individuelle Stätte der Begegnung geschaffen wurde. So wurde aus dem Zivilisationsmüll eines ausrangierten Schienenbusses ein kommunikativer Ort für Studierende, Anwohner und Interessierte.“ Wie in einem Film laufe in ihrem Kopf jedesmal der Plot der berühmten Novelle von Gerhart Hauptmann ab, wenn sie die Installation sehe, an der sie fast täglich vorbeikomme. Sie findet: „Die Entscheidung sollte bei der HFF liegen.“

Auch Daniel Hahn hat bisher andere Erfahrungen gemacht, wie die Menschen im Kunstareal sein Projekt auffassen. „Wir bekommen viel positives Feedback von Museumsbesuchern, die ganz überrascht sind, dass es nicht nur eine Installation ist, sondern es auch Programm und was zu trinken gibt. Gerade auch internationale Besucher*innen, die im Kunstareal unterwegs sind, finden die Minna Thiel großartig und kommen mitunter richtig gezielt zu uns. Das ist auch für die Stadt toll. Hier kommen Hoch- und Subkultur zusammen.“

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Zudem nutze die Filmhochschule die Minna als gerne Treffpunkt, Drehort und für eigene Veranstaltungen. Die Creative-Writing-Studierenden von Doris Dörrie haben zum Beispiel wöchentlich öffentliche Drehbuchlesungen veranstaltet und wollen natürlich auch in diesem Jahr wieder daran anknüpfen.

„Es ging im Wesentlichen um einen Anwohner“

Die Angst vor der Erweiterung der sogenannten Feierbanane (Sonnenstraße – Stachus – Maximiliansplatz), die ebenfalls in der Sitzung zur Sprache gekommen war, teilt Hahn weniger. Auch die Gäste der Minna und die Studierenden der Hochschule würden gerade keine Feierbanane wollen.

Auf Nachfrage muss auch Hans-Stefan Selikovsky vom Bezirksausschuss Maxvorstadt zugeben, dass die Bedenken, die Feierbanane könnte in die Maxvorstadt hineinwandern, eher theoretischer Natur sind. Anwohnerbeschwerden habe es gegeben, „aber es ging im Wesentlichen um einen Anwohner.“

Wie es weitergeht mit der Minna Thiel bleibt vorerst ungewiss

Selbst wenn der Bezirksausschuss sein Votum nicht revidieren sollte, hat der Freistaat – zu dem die Filmhochschule gehört – das letzte Wort in der Sache. Wenn es nach Daniel Hahn gehen würde, könnten sich die Waggontüren bald wieder öffnen: „Wir wollen so schnell wie möglich eröffnen, aber das hängt maßgeblich vom Genehmigungsverfahren ab.“


Beitragsbild: © Fabian Christ

4 Comments
  • Reinhard Lisowski
    Posted at 17:20h, 05 April

    Das kann doch nicht wahr sein!!! Wenn nicht da, wo sonst!!! Einst war der BA Maxvorstadt als einer der progressiveren in der Stadt aufgefallen.
    Und nun wird’s selbst dort spießig und muffig. Wie um die MK: dort wird Intendant Matthias Lilienthal mit’m gesamten solidarischen Ensemble
    für ihr Weiterentwickeln der Münchner Theaterlandschaft weg gemobbt.
    Ist nur noch aufgemotztes SchickiMicki und falscher SpiegelGlanz in München möglich – echt SCHADE und die einstige, lebendige Vielfalt.
    Leider setze ich wenig Hoffnung auf die Platzbesitzer. Hoffentlich täusche ich mich.

  • Wildfleck
    Posted at 23:17h, 05 April

    Auf youtube gibt es eine Meinung von einem Einheimischen.

  • Wildfleck
    Posted at 23:17h, 05 April

    Hier eine Meinung auf youtube

    https://www.youtube.com/watch?v=Q6HlZysrzUc&t=1s

  • Gabelsberger
    Posted at 21:19h, 08 April

    Schnell weg mit dem Ding und lieber noch eine Schotterwüste wie an der Pinkothek der Moderne um die HFF legen, damit sich doch ja niemand aufhält.

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