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Formalia > Sinnvolle Entscheidungen: Der Bezirksausschuss hält an der Entscheidung gegen die Minna Thiel fest

Benjamin Brown

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
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Benjamin Brown

Es bleibt spannend um die Zukunft der Minna Thiel. Der Bezirksausschuss Maxvorstadt hat sich gegen die Verlängerung des Projekts um weitere drei Jahre ausgesprochen, die Entscheidung wird aber letztendlich der Freistaat treffen (mehr Infos gibt’s hier).

Nach der Entscheidung des Ausschusses wurde klar: Bei der Abstimmung spielten zahlreiche Missverständnisse (leider) eine tragende Rolle, das Votum basierte größtenteils auf Fehlinformationen. Die Minna Thiel soll, entgegen der Befürchtungen der Lokalpolitiker*innen, weder größer, noch lauter werden. Der Antrag war zwar als Bauantrag eingereicht worden, allerdings nur, um den Betrieb für weitere drei Jahre sicherstellen zu können. Alles sollte beim Alten bleiben, das beliebte Kulturprojekt sollte in seiner ursprünglichen Form weiterbestehen.

Man hätte sich im Bezirksausschuss eingestehen können, einen Fehler gemacht zu haben, um dann erneut – mit klarer Faktenlage – abzustimmen. Es hätte einfach sein können. Hätte.

Keine neue Abstimmung – trotz Fehler

Als der Ausschuss dann wenig später zusammenkam, um erneut über das Thema zu beraten, wurde klar, dass Formalien in der Maxvorstadt offensichtlich wichtiger als ein schlüssiges und reflektiertes Endergebnis sind. Erneut wurde der Antrag Daniel Hahns abgelehnt, erneut sprach sich der Bezirksausschuss gegen das Projekt aus, das in den Sommermonaten Leben in das ansonsten – abends – recht tote Museumsviertel gebracht hatte.

Aus der Maxvorstadt wird deutlich, dass viele Politiker*innen, die ursprünglich gegen den Antrag gestimmt hatten, die Minna Thiel unterstützt hätten. Sie waren in ihrer Entscheidung aber durch falsche Eindrücke geprägt worden.

Daniel Fritsch (SPD) hatte sich in der vorangegangenen Abstimmung für den Erhalt der Minna Thiel ausgesprochen – im Folgevotum aber gegen eine neue Entscheidung gestimmt. „Es lag kein neuer Antrag vor, zu dem wir eine Stellungnahme hätten abgeben können. Ich habe es daher wie eine Mehrheit der BA-Mitglieder quer durch alle Fraktionen abgelehnt, eine neue, quasi anlasslose Stellungnahme abzugeben“, erläutert Fritsch seine Entscheidung. Zudem halte er es für fragwürdig „so lange abzustimmen, bis das Ergebnis ‚passt'“.

Die Begründung mag Sinn ergeben. Aber jetzt mal im Ernst: wünschen wir uns wirklich eine (Kultur-)Politik, für die Formalia das Nonplusultra sind? Heißt gute, sinnvolle Politik, dass Entscheidungen, die offensichtlich auf Fehlinformationen beruhen nicht mehr redigiert werden können?

Bei dieser Frage geht es nicht um die Zukunft der Minna Thiel, es ist eine Grundsatzfrage, die wir uns stellen sollten.

CSU und HFF wollen den Erhalt der Minna Thiel

Und doch gibt es Stimmen im Bezirksausschuss, die das Vorgehen kritisieren und sich für den beliebten Spot vor der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) stark machen: Die CSU, allen voran der Stadtrat Prof. Dr. Theiss. In seinem Antrag heißt es: „Die CSU setzt sich dafür ein, diesen Ort urbaner Subkultur zu erhalten. München braucht solche ungewöhnlichen Kulturprojekte und „Minna Thiel“ braucht Beständigkeit.“

Auch die HFF spricht sich für den Erhalt der Minna Thiel aus. Das Projekt kam vor zwei Jahren auf Initiative des Lehrstuhls Creative Writing auf die Wiese vor der Hochschule. In dieser Zeit habe sich die Minna Thiel als besonderes Kultur- und Kooperationsprojekt etabliert, sagt Bettina Reitz, Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film München.

„Die Reaktionen auf die MINNA THIEL als Begegnungsstätte waren immer sehr positiv, sowohl von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern*innen der HFF als auch von Kollegen*innen aus dem Kunstareal oder Gästen, die zufällig bei einem Getränk ihre Eindrücke nachwirken lassen wollten – und dann erfreut waren, sich bei der MINNA THIEL und auf dem Rasen der Filmhochschule nicht nur in einer Bar, sondern auch an einem kreativen Ort zu befinden“, erklärt Reitz.

Inhaltliche Kritik an dem Kulturprojekt hatte sich häufig auf die Optik des ausrangierten Eisenbahnwaggons bezogen. So wünscht sich Katharina Blepp (SPD), dass die Minna Thiel „äußerlich etwas ansprechender“ gestaltet wird – und schlägt vor, die Container zusammen mit Studierenden der HFF neu zu gestalten. Die Hochschule wäre bereit sich zu engagieren, um diese Kritik aus der Welt zu räumen: „Kunst oder eine Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste, könnte hierbei hilfreich sein“, so Reitz.

Die Zeichen stehen also gut, dass die Minna Thiel letztendlich doch bleiben wird. Das Drama zuvor – und die damit einhergehende Planungsunsicherheit des Betreibers Daniel Hahn – hätte man sich aber sparen können.


Fotos: © Peter Kernwein

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