Bogenhausen Spaziergang Muenchen
Hidden Places, Nachhaltigkeit, Stadt, tagebook von Grün&Gloria

München entdecken: Ein Stadtspaziergang an Bogenhausens unbekannte Ecken

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Ganz nach Goethe nehmen euch Anita und Imre von den Münchner Machbarn mit auf einen Spaziergang durch Bogenhausen. Sie entdecken dort so einiges Interessantes aus der Geschichte Münchens.

Langweilig und trocken wird es bei dieser Schlenderei über den Bogenhausener Friedhof sicher nicht. Denn dort begegnen sie so einigen Prominenten der Stadt und erzählen gerne hier und da einen Schwank aus deren Leben.

Vom Isartor am Englischen Garten vorbei zur Montgelasstraße

Wir starten am Isartorplatz mit der Tram der Linie 16 in Richtung St. Emmeram. Für sich genommen ist schon der Fahrweg ein Ereignis, führt er doch am Mariannenplatz mit der Lukaskirche vorbei. Der Liedermacher Konstatin Wecker ist hier, am Mariannenplatz, aufgewachsen. Eine kleine Hörprobe gibt es hier.

Über das Maxmonument fährt die Trambahn dann am Englischen Garten entlang über die Tivolistraße zur Montgelasstraße. Hier steigen wir aus und schlendern gemächlich den Wilhelm-Hausensteinweg aufwärts über den Bach zum Bogenhauser Friedhof.

Bogenhausen und die Vergangenheit

In diesem Viertel sind einige Wege und Straßennamen nach Widerstandskämpfern aus der Nazizeit benannt. Wilhelm Hausenstein war einer von ihnen: Er setzte sich für die jüdische Kultur und damit natürlich auch für das Judentum ein. Nach der Machtübernahme erzwang die Gestapo am 14. April 1933 Hausensteins fristlose Entlassung als Redaktionsmitglied der Münchner Neuesten Nachrichten. Weiterhin durfte er keine Bücher mehr veröffentlichen. Er hatte sich geweigert, moderne Werke als entartete Kunst zu bezeichnen. Wir verneigen uns vor diesem Mut.

Die Prominenz des Bogenhausener Friedhofs

Auf der Anhöhe angekommen, sehen wir auch schon den Ort unseres Besuches und wissen sofort, warum der Bogenhauser Friedhof der berühmteste Friedhof Münchens ist! Hier ist der Platz, an dem viele prominente Münchner*innen unter die Erde gekommen sind. Die meisten der Gräber sind mit kunstvoll gestalteten Grabkreuzen geschmückt. Eigentlich heißt der malerische Ort Friedhof St. Georg und besteht schon seit dem 9. Jahrhundert.

Hat es sich verdient: Helmut Dietl

Um hier zur „Ruhe zu kommen, muß Mann/Frau entweder 30 Jahre in Bogenhausen gelebt haben oder sich um München verdient gemacht haben,“ so Helmut Fischer in der Serie Monaco Franze von Helmut Dietl. Dieser muss es ja gewusst haben, schließlich ist der Regisseur selbst auf dem Friedhof begraben.

In dieser Serie ist „München drin“. In seiner ganzen Vielfalt:

Der Freigeist: Erich Kästner

Aber auch Erich Kästner ist hier anzutreffen, ein Schriftsteller, der in der Nazi-Zeit im Widerstand gelebt hat. Er wurde in der Weimarer Republik mit gesellschaftskritischen Gedichten und Essays bekannt. Zu Beginn der Nazi-Diktatur war er einer der wenigen Gegner des Hitler-Regimes, die in Deutschland geblieben sind, obwohl seine Werke auf der Liste der im Mai 1933 verbrannten Bücher standen, bei der er persönlich dabei war. Während der Jahre 1935 – 1945 hielt Kästner sich übrigens erfolgreich mit einem Pseudonym über Wasser. Er schrieb viele Kinderbücher, geprägt sind von seinem „Freigeist“ und seiner großen Liebe zu Kindern, wie zum Beispiel „Das fliegende Klassenzimmer“:

Eine Frau unter vier: Liesl Karlstadt

Natürlich denken wir auch an die Frauen und stellen fest, dass auf dem Friedhof 46 Männer und sage und schreibe nur vier außergewöhnliche Frauen zur Ruhe gekommen sind. Das darf doch wohl nicht wahr sein? Eine der vier Frauen ist die Liesl Karlstadt, die mit ihrem schauspielerischen Talent begeistert hat. Sie war Komikerin, Soubrette, hat mehrere Musikinstrumente gespielt und auch gesungen.

Liesl Karlstadt alias Elisabeth Wellano war Tochter eines Bäckermeisters und ist in Schwabing geboren – ein echtes „Münchner Kindl“ . Als gelernte Verkäuferin wollte sie ihre Begabungen weiter entwickeln. Es zog sie auf die Bühne. Mit 17 Jahren kam sie zu den Münchner Volkssängern und von da zur Volksbühne und zum Kabarett. Dabei fiel ihr oft der Part zu, chaotische Situationen durch gesunden Menschenverstand und weibliche Intuition aufzulösen. Liesl Karlstadt war nicht nur Partnerin von Karl Valentin, sondern auch Ideengeberin für Dialoge und Sketche wie den „Firmling“:

Das sozialistische Urgestein: Oskar Maria Graf

Auch an dem Grab des bayerischen Urgesteins Oskar Maria Graf spazieren wir vorbei. In seinem Buch: „Wir sind Gefangene“ beschreibt er sehr anschaulich die Gründung der bayerischen Räterepublik, in der Kurt Eisner der erste bayerische Ministerpräsident war. Oskar Maria Graf war Sozialist. Als er am 17. Februar 1933 zu einer Vortragsreise nach Wien fuhr, war das der Beginn seines anfangs freiwilligen Exils. Nachdem er erfuhr, dass die Nazis seine Bücher als Lektüre empfahlen, veröffentlichte er am 12. Mai 1933 in der Wiener Arbeiter Zeitung den Artikel „Verbrennt mich!“:

„Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen! (Alle anständigen Zeitungen werden um Abdruck dieses Protestes ersucht. Oskar Maria Graf.)“

Oskar Maria Graf

Wir wollen euch aber nicht ermüden, immerhin sind wir ja schon seit zwei Stunden mit euch unterwegs. Den Rückweg findet ihr ja bestimmt alleine.

Oder ihr nehmt mit uns die Tram in die Maxvorstadt. Wir schlengeln uns mit der 16er zurück zum Sendlinger Tor und von hier aus langsam weiter bis zum Alten Simpel, wo unser Spaziergang durch die Maxvorstadt beginnt.


Beitragsbild: © Karolina Jakovljevic

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